Zum Karriereende von Louis van Gaal

Wie van Gaal seine Mannschaften führte

In seiner Zeit beim FC Barcelona, die er von 1997 bis 2000 sowie 2002 trainierte, debütierten Victor Valdes, Carles Puyol, Xavi und Andres Iniesta.

Wenn van Gaal einen Spieler wollte, dann konnte man sich ziemlich sicher sein, dass er es wert war. Van Gaal hatte ihn ja getestet. »Jeder Spieler, den ich kaufe, muss ein Probetraining absolvieren; jeder.« Er trug Entscheidungen, die nicht immer populär waren, aber immer zum langfristigen Erfolg führten. In Amsterdam, beim FC Barcelona, in Alkmaar und in München. »Die Journalisten hielten mich für arrogant«, sagte van Gaal über seine Anfangszeit als Trainer, »aber ich war nicht arrogant. Ich habe nur meine Vision geschildert.«

Außen arrogant, innen herzlich

Seine Spieler liebten ihn dafür. Danny Blind, damals Kapitän bei Ajax, schwärmte: »Er hat das Auge, um jede Kleinigkeit zu erkennen, die auf dem Platz passiert.« Und neben dem Platz drückte van Gaal seinen Spielern auch mal Blumen in die Hand für die Frau daheim; die hätte heute Geburtstag. Nicht, dass sein Schützling ohne Geschenk nach Hause komme. Nach außen arrogant wirken, nach innen herzlich sein.

Erst Spieler, dann Vorstand, dann Medien - Van Gaal hielt eisern an seinem Mantra fest. Als er bei den Bayern gehen musste, endete die Beziehung im Zerwürfnis. Uli Hoeneß sagte über ihn: »Sein Problem ist, dass Louis sich nicht für Gott hält, sondern für Gott-Vater.« Er sei beratungsresistent, hätte Spieler über Monate falsch eingeschätzt. Van Gaal ertrug das.

Dieser Tage äußerte sich Hoeneß erneut. Acht Jahre später klingt das alles ganz anders: »Louis van Gaal ist rein fachlich gesehen einer der besten Trainer der Welt. Aus meiner Sicht ist er verantwortlich dafür, dass der FC Bayern seinen Fußball grundlegend verändert hat.«

Kein weiterer Umbruch

Der Ruf des Erneuerers blieb an ihm haften. Auch auf seiner letzten Station bei Manchester United. Dort debütierten Marcus Rashford und Jesse Lingard unter ihm. Als van Gaal dieser Tage sein Karriereende bekannt gab, schrieb Lingard: »Ich werde niemals vergessen, welches Vertrauen Sie in mich hatten. Ich verdanke Ihnen so viel. Danke, Boss!«

Der Boss will, so sagt er, die restliche Lebenszeit mit seiner zweiten Ehefrau verbringen. Die hätte nun Anspruch auf ihn. Keine weiteren Umbrüche. Keine weiteren Debüts. Keine weiteren Sätze wie einst vom Münchener Rathausbalkon: »Zuerst, ich habe gesehen, viele Frauen sind hier. So auch viele Mutti. Ein dicke Kuss von der Trainer von der Meister.«

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