Zum Karriereende von Dimitar Berbatov

Keine Sekunde Selbstzweifel

Mit Dimitar Berbatov verlässt ein Lebemann und fantastischer Sportler die Fußballbühne. Der Bulgare stand für herausragende Tore und überragende Technik – und hat jetzt mehr Zeit, sich seiner Kunst zu widmen.

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»Wenn ich meine Karriere als Fußballer beendet habe, werde ich definitiv versuchen, in Filmen mitzuspielen. Ich bin ein großer Fan von Filmen. Und ich denke, ich könnte das gut.« Diesen Satz sagte Dimitar Berbatov einst in einem Interview, da war er schon im fortgeschrittenen Fußballeralter und ließ seine Karriere im Fürstentum Monaco ausklingen.

Entsprechend filmreif verkündete der Bulgare am vergangenen Freitag dann auch sein Karriereende: Mit einem siebenminütigen Video auf Instagram. Darin bittet ein ausgesprochen gut gelaunter Berbatov vor seiner Trophäenvitrine sitzend, die Fans den beigefügten Text zu lesen. Darin beginnt er mit Frank Sinatras »I did it my way«, stellt dann in wenigen Sätzen dar, dass es an der Zeit sei, die Karriere zu beenden und schließt seine Erklärung mit dem Satz »Ich hoffe, ihr habt es genossen, mir zuzusehen. Ich habe auf dem Platz alles gegeben, um euch zu unterhalten.«

Beste Unterhaltung

Blickt man auf seine Leistungen auf dem Platz zurück, muss man sagen: Das ist ihm gelungen. Wenige Mittelstürmer kombinierten Wucht so sehr mit Raffinesse wie Berbatov. Für gleich mehrere Rollen hätte er einen Preis als bester Hauptdarsteller verdient: Als eiskalter Killer vor dem Tor, als eleganter Austänzer seiner Gegenspieler mit Pirouetten und Übersteigern oder als virtuoser Assistent seiner Mitspieler. 

Frei von allen Selbstzweifeln war sein Credo: Ich bin der Größte! Leicht divenhaft agierte der Bulgare, lief nie einen Meter mehr als notwendig. Seine Gesichtszüge wirkten mitunter mürrisch, doch in erster Linie waren sie cool. Sein Ballgefühl war so elegant, es schien, als könnte er mit seinen Füßen Beethoven auf dem Klavier spielen. Seine Kritiker warfen ihm mitunter Faulheit vor. Sein Trainer bei Tottenham, Martin Jol, entgegnete: »Was will ein Trainer? Einen Spieler ohne Qualität, der hart arbeitet? Oder einen Spieler mit Qualität, der hoffentlich hart arbeitet?«

In seiner Freizeit gab sich »Berba« gerne als Lebemann. Schicke Anzüge und Sonnenbrillen waren seine Alltagskleidung. Gelegentlich steckte er sich eine Zigarette in den Mund. „Weil es cool aussieht«, gestand er. Neben seiner Leidenschaft für Filme zeichnete Berbatov für sein Leben gern. Spielfreie Wochenenden verbrachte er zur Entspannung gern vor der Staffelei. Trotz aller Extravaganz verstand der Bulgare es, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Etwa, wenn er mit seiner Tochter Szenen seines Lieblingsfilms »Der Pate« nachspielte. Oder als er 2003 in einer bulgarischen Zeitschrift über permanente Nackenschmerzen klagte, weil er sich zu oft nach Frauen umschauen müsse.