Seite 2: Was erschwert die Bekämpfung?

Ein wei­terer Vor­schlag zur Bekämp­fung von dis­kri­mi­nie­renden Bot­schaften im Internet ist die soge­nannte Klar­na­men­pflicht“, die in leicht abge­mil­derter Form auch mal als Iden­ti­fi­zie­rungs­pflicht“ dis­ku­tiert wird. So sollen Social-Media-Konten nur noch mit dem echten Namen (Klar­na­men­pflicht) oder wenigs­tens mit hin­ter­legter und veri­fi­zierter Iden­tität betrieben werden können. Die Hoff­nung ist, dass Men­schen, die mit ihrem echten Namen im Internet unter­wegs sind, aus Angst vor Straf­ver­fol­gung auf Hass­postings ver­zichten. Doch auch hier ist nicht alles so ein­fach, wie es auf den ersten Blick scheint. So weist der Netz­ak­ti­vist­Markus Reuter dar­aufhin, dass die Lösung nicht Miss­trauen gegen unbe­schol­tene Bürger:innen und ein Iden­ti­fi­zie­rungs­zwang aller sein [kann], nur weil eine kleine Gruppe der Gesell­schaft straf­recht­lich rele­vante Dinge tut. Das ist unver­hält­nis­mäßig – und ein gefähr­li­cher fal­scher Ansatz.“ Reuter zufolge droht die Gefahr der Mas­sen­über­wa­chung.

Es bleibt die Frage, wie man wirksam gegen Hass und Ras­sismus im Internet vor­gehen kann. Ist ein Boy­kott ein guter Weg? Daniel Kil­vington hat darauf keine ein­deu­tige Ant­wort. Einer­seits finde er die Soli­da­ri­sie­rung von Fuß­bal­lern und Pro­mi­nenten sehr positiv, weil sie den Druck auf die Social-Media-Unter­nehmen erhöhe. Doch die Tat­sache, dass bei sol­chen Aktionen die Opfer aus der Öffent­lich­keit ver­schwinden und nicht die Täter, sieht er wie­derum kri­tisch. Und selbst wenn ein län­ger­fris­tiger Boy­kott eine effek­tive Methode sein sollte: Die finan­zi­ellen Inter­essen der Ver­eine und Spieler wider­spre­chen so einer Stra­tegie, denn der Auf­tritt und die gene­rierte Reich­weite in den Sozialen Netz­werken hängt im Pro­fi­ge­schäft mitt­ler­weile eng mit den Ver­mark­tungs- und Ver­dienst­mög­lich­keiten zusammen. So ver­dienen Top-Spieler wie Kylian Mbappé, Neymar oder Chris­tiano Ronaldo bereits einen bedeu­tenden Anteil ihres Jah­res­ge­halts durch Insta­gram-Posts. Und auch für die Ver­eine wird es bei Neu­ver­pflich­tungen zuneh­mend ein Thema, wie viele Fol­lower ein Spieler in den sozialen Netz­werken hat, denn digi­tale Reich­weite bedeutet poten­ti­elle Kund­schaft etwa für Mer­chan­dise Artikel und lukra­tive Wer­be­part­ner­schaften.

Es gibt keinen Platz für Ras­sismus oder Hass jeg­li­cher Art im Fuß­ball oder in irgend­einem Bereich der Gesell­schaft. Indem wir freund­lich zuein­ander sind, werden wir gewinnen. Liebe gewinnt immer.“

Bukayo Saka

Und dann ist da noch der gesamt­ge­sell­schaft­liche Hin­ter­grund des Pro­blems. Schließ­lich sind die Sozialen Medien immer noch vor allem Platt­formen, Ver­mittler, Ver­stärker. Gäbe es keinen Hass und Ras­sismus in der Gesell­schaft, könnten sie dort auch nicht ver­breitet werden. Die Hoff­nung auf eine Ver­bes­se­rung der Gesell­schaft hat Bukayo Saka jeden­falls noch nicht auf­ge­geben. Er been­dete seinen Bot­schaft am Don­nerstag mit den Worten: Es gibt keinen Platz für Ras­sismus oder Hass jeg­li­cher Art im Fuß­ball oder in irgend­einem Bereich der Gesell­schaft. Indem wir freund­lich zuein­ander sind, werden wir gewinnen. Liebe gewinnt immer.“