Seite 2: 20 Prozent Rabatt? Normal sind es zehn Prozent mehr

Am Frei­tag­nach­mittag in Berlin-Mitte findet Mit­chell Weiser hin­gegen keine Cappy, die so richtig passen will. Also flüchtet er raus auf die Straße, denn seine Jungs haben Lust auf Frozen Yogurt. Draußen zieht grö­lend eine Gruppe Eng­länder vorbei, ein biss­chen ver­kleidet und sehr betrunken. Egal zu wel­cher Uhr­zeit“, sagt Weiser, in dieser Stadt ist immer was los. Das gefällt mir gut.“ Er möge es, neue Dinge zu ent­de­cken, in Restau­rants zu gehen, eine Stadt zu ent­schlüs­seln.

Nur einen Laden zu finden, in dem er ein­kaufen gehen kann oder will, fällt ihm in diesem Moment schwer. Adidas? Geht nicht – fal­scher Sponsor. Bir­ken­stock – ist ja ganz witzig, aber eher nein. Fred Perry? Wenn man seine Fotos sehe, müsse man doch wissen, dass das nichts für ihn sei! In der Regel bestelle er seine Kla­motten sowieso online, vieles, was er kaufe, gebe es nicht im Laden. Aber, er zeigt auf ein Schau­fenster links von ihm, das Hemd da, das sei schon ganz geil. Gesagt, gekauft.

Phä­no­me­nale U17-WM als Sprung­brett

Du hast zwanzig Pro­zent Rabatt bekommen, ne?“, fragt sein Freund Puya zehn Minuten später. Ja, aber warum?“ Na, warum wohl? Ihr habt gesagt, du bist Fuß­baller, da sagen die dann halt 20 Pro­zent.“ Nor­ma­ler­weise sagen die dann eigent­lich zehn Pro­zent mehr.“

Viel­leicht hatte er im Laden auch ein­fach Glück mit der Ver­käu­ferin. Wobei er sich auf Glück, zumin­dest auf dem Rasen, nie ver­lassen musste. Zu viel fuß­bal­le­ri­sches Talent brachte er mit, zu über­legen war er seinen Alters­ge­nossen in der Jugend: Schon mit 17, Stale Sol­bakken ist Trainer beim FC, Weiser hat eine phä­no­me­nale U17-WM hinter sich, darf er für Köln das erste Mal in der Bun­des­liga ran.

Vom FC Bayern geflasht

Sein Team liegt mit 0:2 im Derby gegen Lever­kusen zurück, trotzdem brüllen die Fans nach seiner Ein­wechs­lung seinen Namen, denn er wird in diesem Moment zum jüngsten Bun­des­li­ga­spieler der Ver­eins­ge­schichte. Knapp drei Monate später, im Sommer 2012, steigen die Kölner jedoch ab. Einen wei­teren Ein­satz soll das größte Talent des Ver­eins nicht mehr bekommen. Statt­dessen meldet sich sein Berater. Er sagte: Die Bayern wollen dich. Und ich wusste sofort, dass ich es machen will.“

15 Minuten Bun­des­liga rei­chen Weiser als Bewer­bung für ganz oben, und mit 18 Jahren wagt er den größt­mög­li­chen Schritt zum FC Bayern Mün­chen. Zu Uli Hoeneß und Jupp Heynckes, zu Franck Ribéry, Arjen Robben und all den anderen Welt­stars. Beim ersten Treffen in der Kabine, als die großen Namen dann Hallo“ sagten, ja, da sei er schon geflasht gewesen, erin­nert er sich.

Umweg Kai­sers­lau­tern

Doch habe er schnell gemerkt, dass das auch nur Men­schen seien. Men­schen, die erfolg­reich sind in dem, was sie tun. Men­schen, denen er zunächst nur hin­ter­her­lief. Nach einem halben Jahr und nur elf Minuten im Pokal giert Weiser nach Spiel­zeit und lässt sich nach Kai­sers­lau­tern in die zweite Liga aus­leihen. Und als seine Kol­legen in London gegen Borussia Dort­mund die Cham­pions League gewinnen, ver­passt Weiser mit dem FCK in der Rele­ga­tion den Auf­stieg in die Bun­des­liga.

Trotzdem kehrt er im Sommer 2013 mit neuem Selbst­ver­trauen nach Mün­chen zurück, voller Vor­freude auf den neuen Trainer, Pep Guar­diola. Man hat von Anfang an gemerkt, dass er ein außer­ge­wöhn­li­cher Trainer ist. Er hat seine eigene Idee von Fuß­ball und hat mich enorm weiter gebracht. Durch ihn habe ich jetzt viel mehr Ruhe am Ball, auch in engen Situa­tionen.“