Seite 4: Die Sache mit dem Swag

Natür­lich bewegt sich ein Bun­des­li­ga­spieler wie Weiser in einer hedo­nis­ti­schen Blase. Er hat für sein Alter extrem viel Geld. Der Blick, den er von außen auf sein Pri­vat­leben zulässt, zeigt Spaß, Luxus, Ober­fläch­lich­keiten. Ande­rer­seits ist er bei­leibe nicht der erste junge Mensch, der seine Social Media Kanäle mit blank polierten Inhalten bespielt.

Insta­gram ohne Filter ist wie Waldi ohne Schnauzer – das will keiner sehen. So gesehen ist Weiser ein ganz gewöhn­li­cher Ver­treter seiner Generation.Und die Reak­tionen geben ihm recht. Er hat eine Wahr­neh­mungs­reich­weite, von der sport­lich ver­gleich­bare Spieler nur träumen können. Das liegt vor allem an seinem Umgang mit den ver
schie­denen Platt­formen. Denn im Ver­gleich zu anderen Sport­lern nimmt er sich selbst nicht zu ernst, und Spott, den er mit man­chen Dar­stel­lungen fast pro­vo­ziert, kann er auch ertragen.

Mit­chell Weiser ist ein Digital Native

Ein Foto mit bär­tigen Freunden ver­sieht er mit den Hash­tags #Bart­Kam­Früh, #BeiMirAuch&AberRasiert und ein Selfie mit Tanga dann eben mit #pho­toi­would­ne­ver­post. Seine Leute ver­stehen das, seine Alters­klasse fühlt sich davon unter­halten, ob sie ihn nun mögen oder nur pein­lich finden.

Ihm diese Bilder als Dumm- oder gar Frech­heit aus­zu­legen, zeigt nur, wie wenig vor allem ältere Semester nach wie vor vom Internet im All­ge­meinen und Social Media im Spe­zi­ellen ver­stehen. Kurz gesagt: Mit­chell Weiser ist ein Digital Native. Leute, die diese Bezeich­nung aus Lehr­bü­chern kennen, eher nicht.

Doch seit dem ver­meint­li­chen Tanga-Gate fällt Weiser der breiten Öffent­lich­keit vor allem sport­lich auf. Sein erstes Jahr bei Hertha lief für die Mann­schaft und ihn per­sön­lich über­ra­schend gut. Als Leis­tungs­träger spielte er sich in den Dunst­kreis der Natio­nal­mann­schaft. Für Olympia hätte er es sogar in den Kader geschafft.

Gern mal ins Berg­hain

Doch am Ende machte ihm der eigene Verein einen Strich durch die Rech­nung. Es war ein Traum von mir, nach Rio mit­zu­fahren. Und es wurde die ganze Zeit kom­mu­ni­ziert, dass ich auch darf.“ Zwei Tage vor dem Nomi­nie­rungs­stichtag ver­wei­gerte Hertha BSC ihm jedoch die Frei­gabe.

Weiser und seine Jungs haben Kaffee und Wasser aus­ge­trunken und die Handys für einen kurzen Moment zur Seite gelegt. Sie dis­ku­tieren über farb­lose Social-Media-Auf­tritte von Wei­sers Kol­legen, über seine Fotos mit den US-Stars Chris Brown, Usher oder Drake (Weiser wit­zelt: Die wollten mich treffen“) und über den Ber­liner Klub Berg­hain. Ich will da schon mal rein“, sagt Weiser, aber ich habe gehört, mit meinen Kla­motten hätte ich an der Tür keine Chance.“ 

Dabei hat er genug Argu­mente auf seiner Seite, um Berg­hain-Bouncer Sven Mar­quardt und dessen Kol­legen an den Türen der ange­sagten Läden in Berlin zu über­zeugen. Jung ist er, dazu erfolg­reich, viel­leicht sogar eine Art Star in einer ansonsten recht unschein­baren Hertha-Mann­schaft. Und dann wäre da ja noch die Sache mit dem Swag.