Seite 3: Ein Jux-Bild, das zum Skandal wurde

Spielen lässt ihn der Kata­lane zunächst trotzdem so gut wie nie, Weiser pen­delt zwi­schen Pro­fi­bank und Regio­nal­li­ga­team. Er sei ein­fach noch nicht so weit gewesen, urteilt Weiser heute. Erst in seinem zweiten Jahr unter Guar­diola rutscht er in die Startelf. Und über­zeugt. Mit seiner Technik, Schnel­lig­keit und Offen­siv­drang rückt er mehr und mehr in den Fokus.

Die Hoff­nung, auch über sein Ver­trags­ende 2015 hinaus in Mün­chen zu bleiben, befeuert er durch sport­liche Leis­tung. Doch Mat­thias Sammer, als hätte er einen Ruf zu ver­tei­digen, sieht die Sache anders. Er meinte, ich würde auch in Zukunft nicht viel spielen.“ Also kein neuer Ver­trag in Mün­chen und statt­dessen der nächste Umzug. In die Haupt­stadt, nach Berlin.

Feige Belei­di­gungen

Dort sitzt Mit­chell Weiser mit seinen Freunden mitt­ler­weile in einem Café. Auch bei MCM, dem Laden mit den extra­va­ganten Ruck­sä­cken, war nichts für ihn dabei, außerdem macht shoppen durstig. Und als wäre in dem schmalen Glas in Wei­sers Hand kein stilles Wasser, son­dern Wodka, kommt der Fuß­ball­star all­mäh­lich ins Plau­dern. Mit einer Stimme so tief, dass man sie ihm auf den ersten Blick nicht zutrauen würde, erzählt er von seinem Team­kol­legen Jens Hegeler.

Der würde alles wild mixen, Car­di­gans mit T‑Shirts drunter, dazu Baggy-Hosen. Ins­ge­samt viel Luft nach oben, sagt Weiser, den Schalk im Nacken, der köl­sche Ein­schlag unüber­hörbar. Warum man sich, wie manche Leute in den Kom­men­tar­spalten zu Wei­sers Bil­dern, aber über seine Out­fits so auf­regen könne, ver­steht er nicht. Wenn man sich ein biss­chen dar­über lustig macht, ist das kein Pro­blem. Das ist auch manchmal witzig für mich. Aber Belei­di­gungen sind unnötig. Doch es pas­siert immer wieder, auch weil sich einige in den sozialen Netz­werken sicher fühlen. Ins Gesicht würden sie dir das nie sagen, dafür sind sie zu feige.“

Gegen die Lan­ge­weile

All­ge­mein sei in Deutsch­land vieles zu ver­krampft, nicht locker genug. Die Spieler würden sich daher auch online nichts mehr trauen. Ihre Pro­file lassen die meisten längst von Agen­turen betreuen, die posten in ihrem Namen Belang­lo­sig­keiten und ver­breiten damit in erster Linie eines: Lan­ge­weile. Weiser dagegen postet in Eigen­regie. Er will unter­halten, sagt er, und er will sich von der Masse abheben.

Ob er keine Angst vor einem Shit­s­torm habe, wenn er Sel­fies mit Horn­brille oder Gang-Fotos mit schwarzer Leder­hose in den Äther feuert? Nein“, sagt Weiser. Mit Shit­s­torms kennt er sich ja längst aus. Vor knapp zwei Jahren ver­öf­fent­lichte er aus Jux ein Bild von seinem Freund David Alaba und sich selber im Tanga. Das Foto wurde hoch­ge­jazzt zu einem mit­tel­schweren Skandal. Ich kann immer noch nicht begreifen, warum das mit David damals so hohe Wellen geschlagen hat. Was ich mir da teil­weise anhören musste. Als hätte ich jemanden umge­bracht.“