Herr Cle­mens, was hat die abge­lau­fene Bun­des­liga-Saison für Sie als Sta­tis­tiker Über­ra­schendes gebracht?

Nicht so viel Über­ra­schendes.

Aber ein paar Daten haben Sie doch sicher­lich? Ihre Firma Mas­ter­coach hat schließ­lich ein Spiel­ana­ly­se­system in meh­reren Sta­dien instal­liert, das mit­tels Sen­soren exakte Daten über Spie­ler­ver­halten lie­fert.

Wir erheben unsere Daten in vier Län­dern: Eng­land, Frank­reich, Spa­nien und Deutsch­land. Dabei lässt sich nach wie vor fest­stellen, dass in Deutsch­land der Ball am lang­samsten aus der Abwehr heraus gespielt wird. In Eng­lands Pre­mier League kommt zum Bei­spiel der Ball in etwa dop­pelt so schnell wie in der Bun­des­liga aus der Ver­tei­di­gung heraus.

Aber deut­sche Fuß­baller glei­chen Defi­zite bekannt­lich durch starke Physis aus…

Bei der phy­si­schen Kom­po­nente, also auch bei der Frage, wie viel ein Spieler läuft, gibt es inter­na­tional kaum Unter­schiede. Aber in Eng­land und Frank­reich wird bei Sprints oder beim Errei­chen hoher Lauf­ge­schwin­dig­keiten schneller agiert als in der Bun­des­liga.



Aber irgendwo muss doch auch die Bun­des­liga ihre Vor­züge haben.

Sicher, die Spit­zen­ver­eine VfB Stutt­gart, Schalke 04 oder Werder Bremen, denen ja auch attrak­tiver Fuß­ball beschei­nigt wird, haben ver­sucht, ihr Spiel mit weniger Ball­kon­takten auf­zu­ziehen, sie haben grund­sätz­lich ver­sucht, den Ball häu­figer vor­wärts als quer zu spielen.

Welche Bun­des­li­ga­klubs sind Ihrem hoch­tech­ni­sierten Ana­lyse-System eigent­lich ange­schlossen?

Wir wenden unsere Tech­nolgie bei fünf Bun­des­li­gisten an: Bayer Lever­kusen, Ein­tracht Frank­furt, HSV, Wolfs­burg und Bochum. Auch in der 2. Bun­des­liga haben wir mit dem SC Frei­burg, Greu­ther Fürth und 1860 Mün­chen drei Kunden.

Wie teuer ist es, Ihr ganzes tech­ni­sches Equip­ment und Know how zu nutzen?

Die sen­so­ri­sche Tech­no­logie – da liegt der Preis bei unge­fähr 25.000 Euro. Dazu kommen noch Kosten für Ser­vice­leis­tungen, wenn ein Klub auch Aus­wärts­ana­lysen haben möchte oder im Euro­pa­pokal spielt. Da kommen noch mal zwi­schen 30.000 und 80.000 Euro zusammen.

Wenn bei Fuß­ball­über­tra­gungen im Fern­sehen der Kom­men­tator erzählt, der Spieler, der da gerade aus­ge­wech­selt wird, sei 11,56 Kilo­meter gelaufen – wie genau ist so ein Wert?

Also wenn wir das mit unserer Tech­no­logie machen, dann stimmt das bis auf wenige Zen­ti­meter ziem­lich genau.

Welche Daten ermit­teln Sie?

Alle mög­li­chen, tech­nisch-tak­ti­sche zum Bei­spiel: Wer spielt wel­chen Pass, wie­viel Zwei­kämpfe gewinnt oder ver­liert ein Spieler, was pas­siert nach dem Ball­ge­winn, wo geht der erste Pass hin. Dazu kommen phy­si­sche Daten: Lauf­wege, Beschleu­ni­gungs­ver­mögen, Geschwin­dig­keit und so weiter.

Wer nutzt die Daten?


Der gesamte Trai­ner­satab, die Leis­tungs­dia­gnos­tiker in den Ver­einen. Oder die Sachen werden auch in den Scou­ting-Büros aus­ge­wertet.

Kann sich denn bei Ihnen ein Bun­des­liga-Trainer vor dem nächsten Spiel über den Gegner infor­mieren?

Ver­trau­lich­keit ist oberstes Gebot.


Dieser Artikel erschien mit freund­li­cher Geneh­mi­gung von tages​spiegel​.de.