Bernd Krauss gehört zu den vielen Alt-Borussen, denen der zweite Abstieg des Tra­di­ti­ons­ver­eins sehr nahe geht. Natür­lich tut das weh. Ich wohne ja noch in Mön­chen­glad­bach, nicht weit weg vom Sta­dion und ver­suche, mir die Heim­spiele anzu­sehen“, sagt Krauss, der am Samstag noch die vor­erst letzte Bun­des­liga-Auf­lage des Klas­si­kers gegen Bayern Mün­chen anschaute. In den nächsten Tagen findet der frü­here Glad­ba­cher Spieler und Trainer aber ein biss­chen Abstand, denn anläss­lich seines 50. Geburts­tages fährt er mit seiner Frau Andrea ein paar Tage in den Urlaub.

Wir haben in diesem Jahr gemeinsam die 100 voll­ge­macht, bei ihrem Geburtstag waren wir in Dubai“, berichtet Krauss, der auch als Trainer schon weit gereist ist. Nach seiner erfolg­rei­chen Zeit in Glad­bach, wo er 1995 den DFB-Pokal gewann und mit der Borussia bis in Halb­fi­nale des Euro­pa­po­kals der Pokal­sieger kam, arbei­tete er in Spa­nien, Grie­chen­land und Öster­reich sowie im Iran und in den Ver­ei­nigsten Ara­bi­schen Emi­raten. Seit seiner Ent­las­sung Anfang Dezember 2006 bei CD Tene­riffa ist Krauss aber ohne Job. Des­halb wäre ein neues Enga­ge­ment ein per­fektes Geburts­tags­ge­schenk. Das wäre nicht schlecht. Ich bin noch zu jung, um nichts zu tun. Mit fehlt die täg­liche Arbeit auf dem Platz“, sagt Krauss, der in der Saison 1976/77 bei Borussia Dort­mund nur auf einen Ein­satz kam und danach nach Öster­reich ging. Dort nahm er die Staats­bür­ger­schaft an und wurde sogar zum Natio­nal­spieler, bevor er 1983 nach Glad­bach kam und es noch auf 167 wei­tere Bun­des­liga-Spiele brachte.

Man hat bei zu vielen Trans­fers dane­ben­ge­legen“

Bei der Borussia star­tete er im November 1992 als Nach­folger von Jürgen Gels­dorf auch seine Kar­riere als Chef-Trainer. Kein Wunder, dass er zu diesem Klub noch eine beson­dere Bezie­hung hat – nicht nur wegen des Pokal­sieges. So einen Tag ver­gisst man natür­lich nicht. Aber wir haben ja nicht nur diesen Titel geholt, son­dern auch richtig guten Fuß­ball gespielt“, erin­nert sich Krauss: Aber die Mann­schaft konnte damals auch wachsen und wurde punk­tuell ver­stärkt. Genau das war in den letzten Jahren hier nicht der Fall.“ Krauss bemän­gelt wie viele andere die feh­lende Kon­ti­nuität bei der Borussia: Wenn man jah­re­lang immer nur Spieler kauft und dann im Winter nach­kaufen muss, kann das nicht funk­tio­nieren. Man hat bei zu vielen Trans­fers dane­ben­ge­legen.“ Die Spieler, denen die Fans eine Söldner-Men­ta­lität vor­werfen, könnten ja selbst gar nichts dafür: Wenn man zwei, drei Jahre in einem Verein ist, dann ent­steht eine ganz andere Iden­ti­fi­ka­tion.“

Eigene Erfah­rungen mit feh­lender Kon­ti­nuität hat Krauss vor allem Ende 2005 gemacht, als er in den Emi­raten bei Bani Yas arbei­tete. Da sind alle ver­rückt. Es gibt eine Zwölfer-Liga und im Dezember sind schon elf Trainer ent­lassen worden“, beschreibt er die Zustände im Wüsten-Para­dies. Auch was in Grie­chen­land, wo er bei Ira­klis Salo­niki arbei­tete, teil­weise ablaufe, sei aben­teu­er­lich – vor allem im Hin­blick auf die Zah­lungs­moral“. Unglück­lich ver­lief auch seine Zeit als Chef­trainer bei Borussia Dort­mund im Jahr 2000. Nach gut zwei Monaten musste Krauss wieder gehen. Dagegen denkt er gern an seine Zeit 2005 im Iran bei Pegah Gilan zurück. Das war eine tolle Zeit, auf die ich gerne zurück­blicke. Ich habe heute noch Kon­takte dahin“, sagt Krauss: Leider ist die poli­ti­sche Lage dort sehr schwierig.“

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Sagen­haftes Pech“ – Bernd Krauss über seine Dort­munder Lei­dens­zeit www​.11freunde​.de/​i​n​t​e​r​v​i​e​w​s​/​1​00746 .