Elf Mal Fuß­baller des Jahres in Schweden, davon zehn Mal in Folge – Welt­re­kord. Zlatan Ibra­hi­mović: Der wohl beste schwe­di­sche Fuß­baller aller Zeiten und einer der größten und pola­ri­sie­rendsten Stürmer unserer Zeit.

Vier­tel­final-Rück­spiel in der Europa League: Man­chester United emp­fängt den RSC Ander­lecht. Nach 90 Minuten steht es wie bereits im Hin­spiel 1:1. In der Ver­län­ge­rung landet Ibra­hi­mović nach einem Kopf­ball-Duell nicht sanft auf dem Rasen, son­dern sein Knie knickt deut­lich nach hinten ein. Ein Anblick, bei dem jeder Fern­seh­zu­schauer das Gesicht ver­zieht und auch jeder Laie ohne Kern­spin­to­mo­graph weiß: Das Kreuz­band ist durch.

Ohne Fremd­ein­wir­kung riss sich der Super­star das vor­dere und hin­tere Kreuz­band im linken Knie. Doch Ibra wäre nicht Ibra, wenn sein Knie nicht schneller heilen würde als das von anderen. Ver­gan­genes Wochen­ende gab er beim 4:1‑Sieg über New­castle United sein Come­back. Für die mit exakt 211 Tagen ver­gleichs­weise kurze Ver­let­zungs­pause, hatte Ibra­hi­mović eine ein­fache Erklä­rung: Löwen genesen anders als Men­schen“. Klar.

Trotzdem wurde Zlatan Ibra­hi­mović, der erst­mals in seiner Kar­riere über zwei Monate ver­letzt aus­fiel, bei der dies­jäh­rigen Wahl für den Guld­bollen“, Schwe­dens Fuß­baller des Jahres, nicht berück­sich­tigt. Die Aus­zeich­nung wird jedes Jahr von der Tages­zei­tung Afton­bladet“ und dem Schwe­di­schen Fuß­ball­ver­band ver­geben.

Über­ra­schender Sieger

Doch wen wählt man zum Fuß­baller des Jahres, wenn der, der über allem steht, nicht in Frage kommt? Erst­mals seit zehn Jahren fiel die Wahl auf keinen Offen­siv­spieler, son­dern auf den 32-jäh­rigen Innen­ver­tei­diger Andreas Gran­qvist vom FK Kras­nodar. Dieser beerbte Ibra­hi­mović zuvor bereits als Kapitän der Schwe­di­schen Natio­nal­mann­schaft.

Dass die Wahl auf den Kapitän fiel, der sein Land immerhin durch die WM-Qua­li­fi­ka­tion und zwei Play-Off-Spiele gegen Ita­lien zur WM nach Russ­land führte, über­rascht nicht, außer in Leipzig. Denn nachdem RB mit Emil Fors­berg letzte Saison den besten Vor­la­gen­geber (22 Assists) der fünf Top-Ligen Europas stellte, dachten einige, die Wahl würde auf den Spiel­ma­cher fallen.

Fors­bergs Lands­mann und Leip­zigs Assis­tenz-Sport­di­rektor, Per Nilsson, hatte dafür absolut kein Ver­ständnis und machte seinem Unmut auf Twitter Luft: Es mag par­tei­isch klingen, aber das ist mir egal … Dass Emil Fors­berg nicht den dies­jäh­rigen ›Guld­bollen‹ erhält, ist mir voll­ständig uner­klär­lich!!!“ Auch dessen Frau, Shanga Fors­berg, hatte für die Nicht­be­rück­sich­ti­gung ihres Ehe­manns kein Ver­ständnis. Auf Insta­gram teilte sie nach der Wahl ein Bild, wel­ches die 22-Assists-Sta­tistik Fors­bergs zeigte.

Der Gewinner, Andreas Gran­qvist, äußerte sich dagegen eher boden­ständig und zurück­hal­tend: Ich will diese Aus­zeich­nung mit meinen Kol­legen aus dem Natio­nal­team teilen. Wir haben das alle zusammen geschafft“. Nicht ohne Grund gilt der Kapitän in seiner Heimat schon jetzt als WM-Held.