Seite 2: „Die erste Anfrage der Bayern kam im Februar“

Wann fiel die Ent­schei­dung, Schalke zu ver­lassen?
Relativ spät. Der Verein hat als Ulti­matum die Tage vor dem letzten Hin­run­den­spieltag am 21. Dezember gesetzt. Alex hat mit mir noch mal alles bespro­chen und dann unmit­telbar vor der Frist von Schalke die Ent­schei­dung gefällt. Bis dahin hat er noch lange mit sich gerungen.

Hätte er sich lieber mehr Zeit gelassen?
Im Sinne von Schalke ist es ver­ständ­lich, früh­zeitig planen zu können. Doch der Zeit­punkt war unglück­lich: Schalke hat seine Ent­schei­dung direkt nach Ende der Hin­runde nach außen kom­mu­ni­ziert. So war abzu­sehen, dass das Thema wäh­rend der Win­ter­pause von den Medien rauf und runter dis­ku­tiert wird. Wenn Sie mich fragen, hätte man mit der Ver­öf­fent­li­chung warten können.

Ver­schie­denen Berichten zufolge war sich Nübel schon viel länger mit den Bayern einig und habe Schalke hin­ge­halten.
Abso­luter Quatsch. Aber ich weiß, woher die Gerüchte stammen. Sein vor­he­riger Hand­schuh-Her­steller war sauer, dass Alex die Part­ner­schaft beendet hat. Also hat der Leiter der Firma ein Bild von einem Kol­legen und mir in Mün­chen gepostet. Das Foto sollte angeb­lich belegen, dass wir den Deal mit den Bayern fest­zurren. Ich habe aber in Mün­chen eine Koope­ra­tion mit einer anderen Agentur ver­han­delt – das hatte nichts mit Alex zu tun.

Wann gab es den ersten Kon­takt zwi­schen Nübel und den Bayern?
Sehr früh. Schon weit vor meiner Zusam­men­ar­beit mit Alex ab Sommer 2018 hatten die Bayern ihr Inter­esse hin­ter­legt. Im Februar 2019 kam dann die erste Anfrage. Es gibt zwar Regeln, dass Spieler und Verein erst ein halbes Jahr vor Ver­trags­ende mit­ein­ander ver­han­deln, aber die Gespräche mit dem Berater können vorher statt­finden.

Am 4. Januar 2020 ver­mel­dete der FC Bayern, der Klub habe sich in den ver­gan­genen Tagen“ mit Nübel auf eine Ver­pflich­tung ver­stän­digt. Das klang kurios.
Theo­re­tisch kann ein Transfer inner­halb weniger Tage fina­li­siert werden, wenn man schon nah bei­ein­ander ist. Aber die Kon­takt­an­bah­nung muss weit im Vor­hinein pas­sieren, alles andere wäre auch unpro­fes­sio­nell.

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Spiegel online“ berich­tete von zwölf Ver­einen, die an Nübel inter­es­siert waren, unter anderem Bar­ce­lona, Atle­tico Madrid, Man­chester United.
Die Zahl kommt schon hin.

Wie haben Sie zusammen daraus einen Klub aus­ge­wählt?
Zunächst einmal war klar, dass Alex nicht ins Aus­land wech­selt. Eine Umstel­lung auf einen neuen Verein ist schon ein großer Schritt. Ein neues Land, eine neue Sprache und eine neue Kultur – das wäre zu viel gewesen. Also fielen schon mal einige Inter­es­senten weg.

Wie viele deut­sche Klubs blieben übrig?
Es lief auf Schalke und Bayern hinaus, auch wenn es noch andere deut­sche Inter­es­senten gab. Drei Ange­bote hat er sich ange­hört.

Dar­unter soll auch eines von Borussia Dort­mund gewesen sein.
Dazu kann ich Ihnen nichts sagen.

Das ist kein Nein.
Dieser Satz ist eine typi­sche Repor­ter­floskel.

Nun ja, ein Wechsel zum BVB hätte noch grö­ßere Wellen geschlagen als jener zu den Bayern.
Glauben Sie? Ich habe das Gefühl, dass noch nie in Deutsch­land ein Transfer so große Wellen geschlagen hat. Bis auf den Dalai Lama hat sich ja jeder dazu geäu­ßert.