Sommer 2002: Aus­glie­de­rung der pro­fes­sio­nellen Fuß­ball­ab­tei­lung des VfL Wolfs­burg e.V., Grün­dung der VfL Wolfs­burg Fuß­ball GmbH und damit ein­her­ge­hende, ver­stärkte Ein­fluss­nahme von Volks­wagen. Der Verein durch­lebt große Ver­än­de­rungen. Pas­send dazu beauf­trag der VfL die Braun­schweiger Wer­be­agentur Gingco“, ein neues Ver­eins­wappen zu kre­ieren. Über Nacht wird den Fans das neue Logo ihres Ver­eins“ vor­ge­setzt.

Das neue Logo hat keine Ecken und Kanten. Es ist nach oben offen und miss­achtet dabei kon­se­quent die Basis. Wenn es eine Geschichte erzählt, dann nur die Ent­frem­dung des VfL Wolfs­burg von seinen Wur­zeln: dem Brei­ten­sport, der Stadt Wolfs­burg und letzt­end­lich von uns, den Fans“, so beschreibt es die Fan-Grup­pie­rung Green White Angels 1995“.

Bereits kurz nach der Vor­stel­lung des neuen Logos for­mierte sich eine aktive Pro­test- und Boy­kott­be­we­gung. Die Ver­ant­wort­li­chen des Ver­eins sind bis heute, 15 Jahre später, nicht auf deren For­de­rungen ein­ge­gangen. Wir wurden bei dieser gesamten Ent­wick­lung schlichtweg über­gangen. Der Infor­ma­ti­ons­fluss war unter­ir­disch und es gab keine Mit­be­stim­mung“, so äußerte sich ein Spre­cher der Fan-Grup­pie­rung.

Dass eine solche Pro­blem­stel­lung zwi­schen Fans und Ver­ant­wort­li­chen auch anders aus­gehen kann, zeigt das Bei­spiel des VfB Stutt­gart: 2013 wurde das alte Wappen nach einer Unter­schrif­ten­samm­lung wieder ein­ge­führt. Eine der­ar­tige Aktion fand im Jahre 2011 auch beim VfL Wolfs­burg statt. 10.000 Stimmen wurden für die Rück­kehr des Zin­nen­wappen“ gesam­melt. Es änderte sich aber nichts. Den Fans wurde ledig­lich zuge­si­chert, das alte Wappen stärker mit ein­zu­binden. Statt dem alten Wappen wurde eine Retro-Fan­ar­ti­kel­kol­lek­tion“ prä­sen­tiert.

Feh­lende Iden­ti­fi­ka­tion

Der Ver­such damit die Massen zu beru­higen, ging aller­dings kom­plett schief. Im Gegen­teil: Die Pro­teste nahmen sogar zu. Zahl­reiche VfL-Fans sind der Auf­fas­sung, dass ein Ver­eins­wappen als zen­trales Iden­ti­fi­ka­ti­ons­merkmal weder ver­han­delbar, noch aus­tauschbar ist“, so die Green White Angels“.

Viele Fans des Klubs streben nach Bestän­dig­keit und einem Wie­der­erken­nungs­wert. Durch das neue Logo sei dies aber nicht gegeben, wodurch ein Iden­ti­fi­ka­ti­ons­pro­blem sei­tens der eigenen Anhänger ent­stehe. Die Fans des VfL stellen daher die Frage: Wie kann der VfL Wolfs­burg neue Fans gewinnen, wenn die Iden­ti­fi­ka­tion der aktu­ellen Fans mit dem Verein stetig abnimmt?“.

Die Ver­ant­wort­li­chen zeigen trotz der zahl­rei­chen Bemü­hungen der Fans, kein Bestreben das Zin­nen­wappen“ wieder ein­zu­führen. Da sich die Anhänger aber selbst­ver­ständ­lich wei­terhin in Tri­kots und anderer Fan-Klei­dung ihres Ver­eins zeigen möchten, haben die Green White Angels 1995“ eine unge­wöhn­liche Aktion ins Leben gerufen. Ihr Ent­schluss steht fest: Die Zinnen, die sym­bo­lisch für die Wolfs­burger Burg und damit auch für die Ver­bin­dung zwi­schen Verein und Stadt stehen, müssen wieder auf das Trikot.

Inner­halb der Fan-Szene und in den eigenen Freun­des­kreisen wurden fähige Näh­rinnen und Näher gesucht, um das neue Logo kur­zer­hand mit dem Zin­nen­wappen“ zu über­nähen. Die Näh-Aktion fand erst­mals beim Heim­spiel gegen den SC Frei­burg im Nord­kurven-Saal statt. Da die Reso­nanz sehr gut war, wird die Aktion heute beim Spiel gegen Borussia Mön­chen­glad­bach wie­der­holt. Zudem kann man sich auch unter der Woche bei Mar­tini Stoffe“ die Zinnen aufs Trikot nähen lassen.