Seite 2: „Als Zidane 2006 vom Platz flog, habe ich geweint“

Welche Rolle hat Ihr Vater für Ihre Fuß­ball­kar­riere gespielt?
Mein Vater wusste von klein auf, wo meine Stärken liegen und welche Schwä­chen ich habe. Er hat mich gefor­dert und geför­dert, ob bei meinem ersten Verein BK Skjold oder im hei­mi­schen Garten. Seine Bedeu­tung kann ich gar nicht beschreiben. Auch wenn mein Vater phy­sisch nicht mehr da ist, ist er immer noch in meinem Kopf und Herzen dabei. Ich bringe meine Leis­tung auch für ihn.

Die Medien berich­teten über ein sehr emo­tio­nales Gespräch mit Pep Guar­diola. Sie beide sollen geweint haben. Welche Rolle spielte der Trainer in dieser Phase?
Diese Geschichte wurde natür­lich etwas über­trieben dar­ge­stellt. Sicher waren in dem Gespräch Emo­tionen dabei, das ist aber doch ganz normal, wenn ein geliebter Mensch stirbt. Ich bin Pep Guar­diola wie auch Karl-Heinz Rum­me­nigge und dem ganzen Verein jeden­falls von Herzen für die Unter­stüt­zung dankbar.

Zurück zum Sport: Ist Guar­diola der per­fekte Trainer für Ihre Ent­wick­lung?
Pep ist unglaub­lich. Es stimmt nicht nur die mensch­liche Kom­po­nente, wie in der Situa­tion nach dem Tod meines Vaters, er ist auch fach­lich top. Pep nimmt uns junge Spieler häufig zur Seite. Ich kann mir momentan keinen bes­seren Trainer vor­stellen.

Im Pokal­fi­nale setzte Guar­diola Sie auf dem rechten Flügel ein – eigent­lich kommen Sie aber aus dem zen­tralen Mit­tel­feld. Wo sehen Sie sich am stärksten?
Im Mit­tel­feld­zen­trum. Die defen­sive Sechs“, das ist meine Posi­tion. Wenn Pep Guar­diola mich aber rechts außen auf­stellt, mache ich auch das. Er ist der Trainer.

Ihre Mutter ist Fran­zösin, Sie nennen Zine­dine Zidane als fuß­bal­le­ri­sches Vor­bild. Früher sollen Sie rei­hen­weise Bücher über ihn ver­schlungen haben.
Nein, das ist eine Legende. (lacht) Ich habe mir aber viele Videos von ihm ange­sehen. Anschlie­ßend habe ich tage­lang ver­sucht, seine Tricks im Garten oder auf der Straße nach­zu­ma­chen. Zidane hat mich fas­zi­niert. Wie er den Ball kon­trol­lierte, wie er das Spiel kre­ierte – das war ein­fach stark.

Wie haben Sie Zidanes Abtritt von der großen Fuß­ball­bühne 2006 erlebt?
Sie meinen sicher seine Rote Karte im WM-Finale. Das war ein trau­riger Tag für mich. Wir waren bei der Familie in Frank­reich und saßen vor dem Fern­seher – ich ganz stolz als kleiner Zehn­jäh­riger in der ersten Reihe mit Zidane-Trikot. Als er vom Platz flog, war ich unheim­lich wütend und habe geweint. Nach zwei Tagen war die Sache aber wieder ver­gessen und ich habe ver­sucht, wie Zidane zu spielen.

Zwei Jahre später hatten Sie beim FC Kopen­hagen einen Durch­hänger. Sie wollten damals sogar mit dem Fuß­ball auf­hören.
Ich war knapp 13, mein Trainer hat mich im Sturm auf­ge­stellt. Damit war ich nicht ein­ver­standen und habe keine Lust mehr auf Fuß­ball gehabt. Ich bin nur noch zum Fuß­ball gegangen, um meine Mann­schafts­ka­me­raden zu sehen, nicht um zu spielen. Gerade weil in diesem Alter ohnehin die Hor­mone im Kopf ver­rückt­spielen, war das keine leichte Zeit.

Wie haben Sie den Spaß wie­der­ge­funden?
Ich habe den FC Kopen­hagen ver­lassen. Es gab zwei Optionen: Ent­weder ich gehe zurück zu meinem Hei­mat­klub, einem Dorf-Verein, oder wechsle zum großen Rivalen Bröndby. Ich hatte oft gegen sie getroffen, der Verein wollte mich gerne haben. Schließ­lich habe ich das gemacht.

Wie schnell fanden Sie wieder in die Spur?
Zunächst gar nicht. Sie müssen wissen: Der Wechsel von Kopen­hagen zu Bröndby ist mit einem Transfer von 1860 zu den Bayern zu ver­glei­chen. Glauben Sie mir, von Freunden und Bekannten konnte ich mir schon ein paar Sprüche anhören. Sport­lich lief es aber schnell wieder. Ich habe den Spaß wie­der­ge­funden und richtig gute Spiele gezeigt. Durch meine kurze Sinn­krise bin ich in Bröndby auf jeden Fall schneller gereift.