Spötter werden sagen: Darauf hätte man auch eher kommen können. Klar, Werbe-Ein­blen­dungen wäh­rend der VAR-Unter­bre­chungen im Fuß­ball würden jede Menge Geld ein­spielen und die oft­mals lang­at­mige War­te­zeit auf einen mög­li­chen Video­be­weis mit nütz­li­chen Ver­brau­cher-Infos über­brü­cken. Berufs­skep­tiker und Ver­schwö­rungs­theo­re­tiker mögen gar behaupten: Das war doch von Anfang an Teil des Plans! Und, nun ja, sie könnten Recht haben.

Fest steht, dass die Freunde des Fuß­balls in der Züri­cher FIFA-Zen­trale schon länger über den nächsten ganz großen Tabu­bruch nach­denken – schreibt zumin­dest die oft­mals gut infor­mierte eng­li­sche Finan­cial Times“. Laut deren Bericht prüft der Welt­ver­band der­zeit ein­ge­hend die Ver­mark­tungs­po­ten­ziale der zur WM 2018 in Russ­land ein­ge­führten VAR-Review­pausen bei Welt­tur­nieren. Dabei geht es ganz schnell um drei­stel­lige Mil­lio­nen­be­träge.

Für Spon­soren wird damit ein Traum Rea­lität“

Der bri­ti­sche Sport­ver­mark­tungs-Experte Tim Crow schätzt die Gesamt­dauer der VAR-Unter­bre­chungen wäh­rend der zurück­lie­genden Welt­meis­ter­schaft auf 27 Minuten. Den Wert einer Wer­be­mi­nute wäh­rend eines Welt­meis­ter­schafts-Halb­fi­nales bezif­fert er mit 600.000 Pfund (knapp 700.000 Euro). Damit wäre man schon bei über 20 Mil­lionen Euro.

Doch Ein­blen­dungen wäh­rend einer VAR-Unter­bre­chung seien unend­lich viel wert­hal­tiger als schnöde Pausen-Spots, wie Crow in der FT“ dar­legt: VAR ist das größte Spon­so­ring-Asset, das der Fuß­ball je geschaffen hat. Die meisten anderen Wer­be­mög­lich­keiten liegen außer­halb der eigent­li­chen Action. VAR hin­gegen findet mitten im Match statt, ist ein Teil davon. Für Spon­soren wird damit ein Traum Rea­lität.“ Crow schätzt, dass das wirt­schaft­liche Poten­zial bei einer WM locker 100 Mil­lionen Euro aus­ma­chen könnte.

Geht nicht? Gibt’s nicht. Wie das Ganze in der Praxis spie­lend leicht umge­setzt werden kann, exer­zieren die US-Foot­ball-Liga NFL und andere Sport­arten schon seit Jahren vor. Zum Bei­spiel das inter­na­tio­nale Cri­cket: Bereits 2011, wäh­rend einer Län­der­spiel­serie zwi­schen Paki­stan und Sri Lanka, trat Pepsi dort als erster offi­zi­eller Pre­senter“ von Review-Pausen in Erschei­nung. Statt eigener Wer­be­spots rückte der US-Brau­se­kon­zern dezent sein blau-weiß-rotes Logo ins Bild, wäh­rend die Herren Schieds­richter mit bedeu­tungs­schweren Mienen auf ihre Kon­troll­bild­schirme starrten und die daraus resul­tie­renden Ent­schei­dungen ver­kün­deten.