Seite 2: In diesem Punkt ähneln sich Hertha und Hannover

3. Hertha BSC: Rück­runden-Fluch bre­chen
Hertha strebt nach mehr. Die Klub-Füh­rung möchte unbe­dingt, dass BSC in die erwei­terte Spit­zen­gruppe der Liga stößt. Dardai ist dies in den ver­gan­genen Jahren bereits gelungen – aller­dings haupt­säch­lich in der Hin­runde. 

In keiner Saison unter Dardai konnte das Team nach der Win­ter­pause mehr Punkte holen als zuvor. In dieser Saison fällt die Dif­fe­renz beson­ders krass aus; gerade einmal 12 Punkte holte Hertha 2019 in 13 Par­tien. Gegen die­selben Gegner holte Hertha in der Hin­runde noch 20 Punkte.

4. Han­nover 96: Defensiv solider, als man denkt
66 Gegen­tore spre­chen eigent­lich eine deut­liche Sprache: Han­nover kann nicht ver­tei­digen. Keine Mann­schaft lässt mehr geg­ne­ri­sche Schüsse zu. Doch nicht erst beim tor­losen Unent­schieden gegen Hertha wurde deut­lich: An Willen und defen­siver Orga­ni­sa­tion man­gelt es Dolls Team nicht.

Tat­säch­lich hat Doll es zuletzt geschafft, dass 96 geschlos­sener und kom­pakter ver­tei­digt. Sein Team ver­schiebt gut im 4 – 1‑4 – 1‑System, sucht in den rich­tigen Momenten den Zugriff. Die Defi­zite sind eher durch indi­vi­du­elle Schwä­chen zu erklären, gerade im Zwei­kampf­ver­halten — und durch die ange­spannte Situa­tion. So richtig bricht Han­nover erst zusammen, wenn sie in Rück­stand geraten. Das blieb ihnen gegen Hertha erspart. Wer auch immer Dolls Nach­folger wird: Auf seinem Pres­sing kann er auf­bauen.

5. Han­nover 96: Für den Auf­stieg braucht es Spiel­kultur
Offensiv fällt das Zeugnis für Doll weniger ver­söhn­lich aus. Sieben Tore erzielte 96 in elf Spielen unter dem neuen Trainer. Vier davon gelangen 96 per Kopf, ein Treffer fiel per Eigentor. Das bedeutet nach dem Aus­schluss­prinzip: Han­nover 96 hat in den ver­gan­genen elf Spielen gerade einmal zwei Tore mit dem Fuß erzielt — in einer Sportart namens Fuß­ball!

Allein: Wie hätten sie das auch anstellen wollen? Fuß­bal­le­risch ist der Klub völlig aus­ge­blutet. Schlüs­sel­spieler wie Ihlas Bebou fehlen seit Monaten. Unter Doll gibt es nur ein Motto im Offen­siv­spiel: Hoch und weit bringt Sicher­heit; Hen­drik Wey­d­andt wird den Ball schon irgendwie fest­ma­chen. Weder gelingt es 96, den zweiten Ball zu erobern, noch haben sie alter­na­tive Angriffs­stra­te­gien. 

Diese Art des Fuß­balls funk­tio­niert im Abstiegs­kampf nicht. Er wird erst Recht nicht funk­tio­nieren in der Zweiten Liga, wenn die meisten Gegner sich gegen den Absteiger hinten rein­stellen werden. Dolls Ablö­sung zum Sai­son­ende ist wahr­schein­lich. Wer auch immer auf ihn folgt, muss die Mann­schaft fuß­bal­le­risch wei­ter­ent­wi­ckeln. Inso­fern sind sich Hertha und Han­nover gar nicht so unähn­lich.