Ade­bayo Akin­fenwa, Sie sind 1,80 Meter groß und wiegen stolze 108 Kilo­gramm. Wie oft müssen Sie den Leuten erklären, dass Sie wirk­lich Pro­fi­fuß­baller sind?
Jedes Mal. Erst neu­lich wurde ich von der Polizei ange­halten. Der nette Herr kam an mein Fenster, über­prüfte meine Papiere und fragte, was ich denn beruf­lich mache. Ich sagte: I’m a foot­baller.“ Der Mann grinste und sagte: Der letzte Super Bowl war klasse.“

Wie reagierten Sie?
Ich sagte: Nein, ich bin Fuß­baller. Ich bin Profi bei Nort­hampton Town. Wir spielen um den Auf­stieg in die Dritte Liga.“ Der Poli­zist sagte nur: Fuß­ball? Dafür sind Sie doch viel zu schwer“

Too big to play“ – diesen Slogan haben Sie sich sogar auf T‑Shirts dru­cken lassen.
Weil ich ihn schon so oft gehört habe. Ich habe irgend­wann auf­ge­hört mit­zu­zählen.

Auch Fans machen Witze über Sie.
Wenn die Zuschauer ihre Späße über mich machen, muss ich auch lachen. Manche sind sogar sehr kreativ. So etwas spornt mich eben an, weil ich den Spaß­vö­geln dann zeigen will, was der Dicke so drauf hat.

Bei den eigenen Fans sind Sie hin­gegen Kult. Beim Rele­ga­ti­ons­spiel zur Dritten Liga kamen tau­sende Fans mit dem glei­chen T‑Shirt ins Wem­bley­sta­dion.
Ja, Mann. Alle waren im Beast Mode“.

Was ist der Beast Mode“?
Im Beast Mode“ geht es darum, an sich zu glauben und die Grenzen zu über­winden, die andere einem setzen. Ich lebe das vor. Nie­mand hätte jemals geglaubt, dass ich Fuß­ball­profi werde, und nun stehe ich schon seit über zehn Jahre unter Ver­trag. Ich will den Leuten zeigen, dass alles mög­lich ist, wenn man an sich glaubt.

Und Sie haben bis­lang 110 Tore in 315 Spielen erzielt. Dabei sehen Sie aus wie ein Body­builder. Wie geht das?
Kraft­trai­ning ist mein Hobby. Ich hänge jede freie Minute mit meinen Jungs im Fit­ness­studio rum. Diese Stunden sind für mich Endor­phin-Ses­sions. Aber ich weiß auch: Wenn das Kraft­trai­ning mich als Fuß­baller schlechter machen würde, dann müsste ich damit auf­hören. Aber dem ist nicht so.

Sie haben nie Pro­bleme bekommen?
Als ich mit dem Kraft­trai­ning anfing, habe ich auch meine Ernäh­rung umge­stellt. Ich wurde fett, und es war mir egal. Da hatte ich für wenige Wochen ver­gessen, dass ich haupt­be­ruf­lich Pro­fi­fuß­baller bin.

In Ihrem bisher letzten Spiel für Nort­hampton ver­passte Sie knapp den Auf­stieg in die Dritte Liga. Nun sind Sie mitt­ler­weile 31 Jahre alt und der­zeit ohne Verein. Wird es Zeit, die Kar­riere auf dem Fuß­ball­platz zu beenden und sich ganz auf das Kraft­trai­ning zu kon­zen­trieren?
Ich liebe Fuß­ball. Über alles. Ich weiß, dass ich ein starker Mann bin, aber nur den Mus­kel­protz zu spielen, ist mir nicht genug. Ich will den benach­tei­ligten Men­schen zeigen, dass sie etwas errei­chen können. Das fehlt diesem Land.

Der Beast Mode“ soll ganz Eng­land erfassen?
Mir würde es rei­chen, wenn ich einige Men­schen in London erreiche. Wissen Sie, Men­schen ver­su­chen immer, ein­ander in Schub­laden zu ste­cken. Das ist doch krank. Jeder ist ein eigener Mensch, mit eigenen Gedanken, eigenen Stärken. Die sollte nie­mand unter­drü­cken. Und dabei will ich helfen.