Seite 3: Assauers Verdienst: sein Blick auf das Spiel

Nicht jede Kon­fron­ta­tion konnte auf diese Art bei­gelegt werden. Assauers Ende auf Schalke war nicht auf­zu­halten. Inner­halb des Ver­eins bemerkten Mit­ar­beiter schon 2004 die ersten Anzei­chen seiner Krank­heit, wenn er Ter­mine und Begeg­nungen ein­fach vergaß. Den­noch hätte sein Abschied 2006 nicht kälter und stil­loser von­statten gehen können. Die dama­ligen Ver­eins­ver­ant­wort­li­chen schickten den Klub­an­walt um kurz nach Mit­ter­nacht zu Assauer, um ihm so sein Ende mit­zu­teilen.

Das hat Mr. Schalke“ seinen eins­tigen Mit­strei­tern nie ver­ziehen. Auch diesen Umgang sollte man im Kopf behalten, wenn man so manch sal­bungs­vollen Worten in diesen Tagen lauscht. Assauer hat es am besten beschrieben in seinem eigenen Duktus:

Wenn der Schnee geschmolzen ist, dann siehst du, wo die Kacke ist.“

Nach seinem Ende auf Schalke zog sich Assauer zurück. Die Alz­heimer-Krank­heit machte ihm von Jahr zu Jahr schwerer zu schaffen. Sein offener Umgang mit der Krank­heit hat vielen Men­schen geholfen, er hat mit seiner eigenen Geschichte die Gesell­schaft für das Thema sen­si­bi­li­siert. Das ist sein Ver­dienst außer­halb des Fuß­balls.

Jener inner­halb dieses Sports ist nur schwer zu bemessen. Die berühmte Frage, ob er Schalke schaffe oder Schalke ihn, stellt sich nicht. Assauer selbst sagte: Es ist 50 – 50 aus­ge­gangen.“ Aber tat­säch­lich hat er nicht nur Schalke geschafft, son­dern ein neues Schalke geschaffen. Der Verein hätte mit dem rie­sigen Schul­den­berg und der sport­li­chen Misere Anfang der Neun­ziger abrut­schen können wie Rot-Weiss Essen oder Kai­sers­lau­tern. Assauer jedoch refor­mierte den Klub, sanierte ihn und führte das Schluss­licht zum Uefa-Pokal­sieg und zur berühmten Vize­meis­ter­schaft. Das Schalker Sta­dion ist sein Werk.

Beim ersten Heim­spiel in der neuen Arena 2001 gerieten Schalker und Lever­ku­sener Spieler anein­ander. Assauer stürmte mit der Zigarre auf den Rasen, um den Streit zu schlichten. Wie damals auf Tene­riffa agierte er, als han­dele es sich um einen Frei­zeit­kick. Und genau dieser Geist wird beson­ders bleiben: Er klam­merte in sol­chen Momenten das große Drum­herum aus, all das Glit­zernde und all die Maschi­nerie um den Fuß­ball. Die Pro­bleme mit dem Video­be­weis hatte er schon lange vor­aus­ge­sagt.

Für Assauer blieb die Essenz des Spiels bestehen, an die sich Fuß­ball­be­geis­terte in diesen Tagen von Foot­ball Leaks und Super-Liga noch fester klam­mern – und die diesen Sport so unka­puttbar macht. Es ist eigent­lich ganz simpel. Zwei Mann­schaften, zwei Tore, ein Ball. Augus­ta­straße gegen Herner Straße. Und Form schlägt Klasse.

Ruhe in Frieden, Rudi Assauer.