Seite 2: „Sollen sie der fetten Gans weiter den Arsch schmieren“

Diese Anek­doten geben Aus­kunft über die außer­ge­wöhn­liche Klasse des Mana­gers Assauer. Der breiten Öffent­lich­keit ist er vor allem als schräge Type in Erin­ne­rung geblieben mit Davi­doff-Zigarren so dick wie seine Ruhr­pott­schnauze. Assauer steht für eine ver­gan­gene Epoche der Bun­des­liga mit erra­ti­schen Mana­gern wie Reiner Cal­mund, Willi Lemke oder auch Uli Hoeneß.

Es war kein Zufall, dass diese Hau­degen den Neun­ziger-Fuß­ball bestimmten, wäh­rend heute ver­mehrt aal­glatte Con­sul­ting-Puppen das Sagen zu haben scheinen. Die frü­heren Manager wuchsen in der Nach­kriegs­zeit auf, in ihren Bio­gra­fien erklären sich ihre Schrullen. Cal­mund erzählte kürz­lich in einer TV-Sen­dung von seiner ein­zigen Bezugs­person in der Kind­heit, dem blinden Opa. Des­wegen schwatze er noch immer so viel, weil er dem Groß­vater damals die Bilder der Welt über­setzen musste. Rudi Assauer wurde im tiefsten Ruhr­pott in Herten groß, mehr auf der Straße als in der Schule. Er schwärmte später häufig von den Stra­ßen­kämpfen“ im Fuß­ball, wenn die Augus­ta­straße gegen die Herner Straße antrat.

Er kämpfte mit hei­ligem Eifer für Steh­plätze und güns­tige Ein­tritts­karten

Er ist nicht das ein­zige Arbei­ter­kind des Jahr­gangs 1944, das seinen gesell­schaft­li­chen Auf­stieg mit teuren Anzügen und dicken Zigarren zele­brierte. Doch wäh­rend der eine im Kanz­leramt mit den Mäch­tigen aus aller Welt und vor allem aus Russ­land anbän­delte, blieb Assauer in den Augen der Öffent­lich­keit ein Kaschmir-Prolet“. Er wird das Label selbst nicht gemocht haben, doch tat­säch­lich klam­merte er sich an seine pro­le­ta­ri­schen Wur­zeln. Mit hei­ligem Eifer setzte er sich für güns­tige Ein­tritts­preise im struk­tur­schwa­chen Gel­sen­kir­chen ein oder spen­dete einem Fan die neue Trom­pete. Dem Begründer des Museums in der Zeche Hugo drückte er unge­fragt 3000 Euro in die Hand, als dieser keine öffent­li­chen Gelder bekam. Assauer sagte: Zeig es den Schnarch­hähnen, dass wir so was erhalten können.“

Der Manager schoss gegen die Granden, zuver­lässig gegen Fern­seh­sender, den DFB und die Bayern (selten gegen den BVB, mit dem er selbst als Spieler 1966 den Euro­pa­pokal gewonnen hatte). Als die Münchner wieder einmal das Live­spiel in der ARD zuge­schanzt bekamen, ließ er der Anstalt fol­gendes Bonmot aus­richten:

Sollen sie der fetten Gans doch weiter den Arsch schmieren.“

Seine Sprache und sein Auf­treten blieben nicht fol­genlos. Assauer konnte sehr wohl her­ab­las­send und bär­beißig daher­kommen. Nur wer ihm Kontra gab, wer ihm mit Schneid begeg­nete, hatte die Chance, seinen warm­her­zigen Kern hinter dem Macho-Gehabe zu ent­de­cken. Huub Ste­vens war so jemand, seine lang­jäh­rige Sekre­tärin und enge Ver­traute Sabine Söldner auch, ebenso der Kom­men­tator Werner Hansch. Doch diese Fähig­keit und Zähig­keit besitzen nicht viele. Fai­rer­weise muss man sagen, dass Assauer in der heu­tigen Zeit wohl all­wö­chent­lich mit Shit­s­torms, Hash­tags oder Peti­tionen über­zogen werden würde. Und fai­rer­weise muss man sagen, dass ihn das nicht im Geringsten inter­es­sieren würde.

Er ent­stammt der Zeit des offenen Umgangs: anschreien, umarmen, ver­gessen. Dem Mode­rator Jörg Won­torra setzte er mal verbal richtig zu, einige Jahre später dif­fa­mierte ihn Won­torra in seiner Sen­dung als Alko­ho­liker. Assauer hätte Won­torras Abset­zung besie­geln können, so ließ ihn der Sender wissen. Doch der wäre doch dann in Deutsch­land erle­digt gewesen“, sagte Assauer. Er hat sich ent­schul­digt und gut is.“