Seite 2: Lichtblick in einer düsteren deutschen Fußballepoche

Vor der Welt­meis­ter­schaft von vielen noch als einer von Löws Streich­kan­di­daten gehan­delt, gerade im Ver­gleich zu seinem Kon­kur­renten auf der Außen­bahn Leroy Sané, wurde er wäh­rend des Tur­niers in Russ­land schon zu einem der wenigen Licht­blicke in einer ansonsten düs­teren Epoche der deut­schen Fuß­ball­his­torie. Brandt brachte Spiel­witz, Über­ra­schungs­mo­mente und Durch­schlags­kraft in eine monoton, ja arro­gant auf­tre­tende deut­sche Natio­nal­mann­schaft. Auch wenn er zwei Mal nur den Pfosten traf.

Arro­ganz hin­gegen ist so ziem­lich das letzte, was man ihm vor­werfen kann. Er wolle nicht protzen, son­dern sich auf den Fuß­ball kon­zen­trieren, sagte er der Frank­furter Rund­schau. Wenn ich mir Tat­toos ste­chen lassen würde, würde meine Mama mich wahr­schein­lich umbringen.“ Zu 11FREUNDE sagte er mal: Ich bin ein zurück­hal­tender Mensch“, der lieber auf dem Platz über­zeugen wolle, statt mit großen Worten.

Das wünscht sich auch Joa­chim Löw. Der Trainer der Natio­nal­mann­schaft hat nach den dem Vor­un­denaus, #ZSMMN und Mesut Özil die Dis­kus­sionen abseits des Platzes satt. Kein Wunder, schließ­lich drehten sie sich zu einem Gut­teil auch um seine eigene Person. Ganz Brot und Spiele-mäßig sind anspre­chende Leis­tungen auf dem Spiel­feld dafür das beste Gegen­mittel. 

Breite Schul­tern und eine große Chance

Brandt kommt dabei eine große Rolle zu. Als eine der wenigen posi­tiven Erschei­nungen soll er zur tra­genden Säule beim Neu­aufbau aus den Trüm­mern der Welt­meis­ter­schaft werden. Die 10“ hat er sich nicht aus­ge­sucht, Löw hat sie ihm ange­boten. Brandt sagt: Ich habe breite Schul­tern. Ich glaube, ich passe da rein.“ Gesundes Selbst­ver­trauen gepaart mit Über­sicht, Füh­rungs­qua­li­täten und Loya­lität dürften auch Löw hoffen lassen: Wir wollen dem Trainer das Gefühl geben, dass er weiter auf uns bauen kann“, sagte Brandt vor dem Frank­reich-Spiel, und dass wir weiter auf ihn bauen.“

Auch wenn Oliver Bier­hoff warnte, man dürfe den 22-Jäh­rigen noch nicht mit einer Füh­rungs­rolle über­for­dern – würde der Trainer nicht an ihn glauben, hätte er ihm das Trikot nicht gegeben. Und mit ihm die große Chance, all das zu werden, was seine Vor­gänger waren – und noch mehr. 

Um zu repa­rieren, was bei der Welt­meis­ter­schaft kaputt­ging. Um seinen Vor­gänger Özil zu rächen, von dem er nach dem Aus­scheiden sagte: Mesut ist nicht der Grund, warum wir aus­ge­schieden sind. Nur auf ihn ein­zu­dre­schen ist falsch.“ Und um die reiche Tra­di­tion der Nummer Zehn fort­zu­führen. Auch wenn er ver­mut­lich nicht mehr von Rechts- auf Linksfuß umschulen und wohl nie so streitbar wird, wie Mesut Özil es war. Ist aber wahr­schein­lich besser so.

Ab heute am Kiosk, bei uns im Shop sowie im iTunes- und Google-Play-Store: 11FREUNDE SPE­ZIAL Die Zehn: Magier und Denker des Spiels“. Im Heft: Mara­dona in Meppen, Gheorghe Hagi im großen Inter­view, Thomas Schaaf über Micoud und Diego u.v.m.