Günter Netzer, Lothar Mat­thäus, Lukas Podolski, Mesut Özil. Das DFB-Trikot mit der Nummer 10 hat eine große Tra­di­tion, wenn auch zuletzt eine zumin­dest abseits des Platzes wenig ruhm­reiche. Einige der besten Mit­tel­feld­spieler der bun­des­deut­schen Fuß­ball­ge­schichte trugen sie durch die Sta­dien dieser Welt, wurden zu Rekord­na­tio­nal­spie­lern und prägten die His­torie des Teams, dass 2015 den Namen Die Mann­schaft“ auf­ge­drückt bekam.

Ebenso wie dieser Mar­ken­name von Manager Oliver Bier­hoff gemeinsam mit den omi­nösen Sta­ke­hol­dern“ ana­ly­siert werden wird, erlebt auch die Nummer 10 aktuell eine Reeva­lu­ie­rung. Mesut Özil, der letzte Träger des berühmten Flocks und ein wür­diger Spiel­ma­cher, hat bekannt­lich vor wenigen Wochen seinen Rück­tritt mit Pau­ken­schlag ver­kündet. Ein Pau­ken­schlag, der zwar den Deut­schen Fuß­ball­bund und seinen Prä­si­denten Rein­hard Grindel einiges an Pres­tige kos­tete, dem Renommee der Nummer aber nicht schaden konnte.

Dem­entspre­chend sind auch die Fuß­stapfen für Özils Nach­folger nicht kleiner geworden. Julian Brandt, dem Joa­chim Löw die 10“ anver­traut hat, wird sich an den besten seiner Zunft messen lassen müssen: Netzer, einer der besten Spiel­ge­stalter der Bun­des­liga und unbe­dingte Auto­ri­täts­person. Mat­thäus, Rekord­na­tio­nal­spieler und erster Welt­fuß­baller des Jahres. Podolski, Natur­ge­walt im linken Fuß und Gute-Laune-Prinz. Özil, kon­tro­verse Per­sön­lich­keit und stilles Genie.

Die Bahn ist frei

Auf Brandt, 2013 und 2014 Träger der Fritz-Walter-Medaille, trifft das alles nicht zu. Zu einem der besten Spiel­ge­stalter der Liga fehlt ihm noch einiges. Unbe­dingte Auto­rität kann man dem 22-Jäh­rigen auch nicht attes­tieren. Bis zum Rekord­na­tio­nal­spieler braucht er noch 131 Spiele für den DFB (19 zu 150). Welt­fuß­baller wird er zumin­dest in abseh­barer Zeit auch nicht werden. Die Natur­ge­walt hat er wenn über­haupt im rechten Schlappen, für große Lacher ist er nicht bekannt und wirk­lich viel über ihn dis­ku­tiert wird eben­falls nicht. Bleibt nur noch das stille Genie. Das zumin­dest kann man durchaus auf Brandt beziehen.

Der Lever­ku­sener galt vielen nach seinem Bun­des­liga-Durch­bruch mit 18 Jahren als größte Nach­wuchs­hoff­nung des deut­schen Fuß­balls. Ein kopf­ver­dre­hender First Touch, geg­ne­ri­sche Kar­rieren been­dende Dribb­lings und Schnel­lig­keit in Bolt­schen Dimen­sionen boten die besten Vor­aus­set­zungen. Was im Verein fruch­tete, konnte Brandt in der Natio­nal­mann­schaft hin­gegen zu selten zeigen, auch weil er auf­grund seines zurück­hal­tenden Natu­rells nicht die Lobby hatte wie manch anderer. Doch im Zuge des nach der Welt­meis­ter­schaft über­fäl­ligen Umbruchs in der DFB-Elf und Özils Rück­tritt ist die Bahn end­lich frei.