Ja, ich weiß. Es klingt wie Blöd­sinn, Rein­hold Wosab als Kreis­li­ga­le­gende zu bezeichnen. Der Mann hat für Borussia Dort­mund und den VfL Bochum mehr als 250-mal in der Bun­des­liga gespielt, war Deut­scher Meister sowie DFB-Pokal­sieger und stand 1966 im Kader der ersten deut­schen Mann­schaft, die einen euro­päi­schen Titel gewann.

Es ist nur so: Als Rein­hold Wosab, der seinen wun­der­baren Spitz­namen Zange“ angeb­lich wegen seiner ursprüng­li­chen Posi­tion auf Rechts­außen (also als halbe Flü­gel­zange) ver­passt bekam, zum letzten Mal in der Bun­des­liga auf­lief, war ich gerade in die Grund­schule gekommen. Ich habe ihn also nie als Pro­fi­fuß­baller erlebt. Ich kenne ihn nur als Ama­teur­tor­ma­schine in Mühl­hausen.

Ja, Mühl­hausen mit h“ nach dem ü“. Die Rede ist hier näm­lich nicht von der Groß­stadt im Elsass, son­dern von einem Dorf, das zu Unna gehört. Was wie­derum eine Stadt ist, die 20 Kilo­meter öst­lich von Dort­mund liegt und in der sich die besagte Grund­schule befand.

Schranke! Schranke!“

Ende der Sieb­ziger, Anfang der Acht­ziger hieß der Vor­zei­ge­verein der Stadt Rot-Weiß Unna. Der Klub spielte in der Gruppe Süd­west der Ver­bands­liga West­falen, zu jener Zeit immerhin das vierte Level des bun­des­deut­schen Fuß­balls. In der Jugend kickten damals zukünf­tige Profis wie Peter Peschel und Billy“ Reina, wäh­rend der Star der ersten Elf Tor­wart Dieter Schranke“ Grassat war. 

RWUs Sta­dion am Her­tinger Tor wurde zur Ost­seite hin von einer Mauer umgeben, die ein peni­bler west­fä­li­scher Hand­werker so gebaut hatte, dass sie an jeder Stelle gleich hoch war. Da aber die Straße dort recht steil ansteigt, gab es am süd­li­chen Ende des Sta­dions eine Stelle, wo selbst wir Kinder ohne Pro­bleme über die Mauer hinweg sehen konnten. Dort standen wir sonn­tags und riefen aus­dau­ernd Schranke! Schranke!“, nicht zuletzt des­halb, weil wir keinen anderen Spieler mit Namen kannten.