Wenn ich noch einmal das Wort Clá­sico“ höre, muss ich kotzen. Und das gilt auch für Vari­anten wie der Klas­siker“, Bun­des­liga-Klas­siker“ oder German Cla­sico“. Seit Wochen werden einem diese Begriff auf allen Fern­seh­sen­dern um die Ohren geprü­gelt, nur weil am Sams­tag­abend Borussia Dort­mund gegen Bayern Mün­chen spielt. Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Keine Ahnung. Fragt nach bei Sky und Kon­sorten.

Natür­lich gibt es Klas­siker im deut­schen Fuß­ball. Nürn­berg gegen Fürth. Bayern gegen 1860. Natür­lich auch Dort­mund gegen Schalke, wenn­gleich das vor dem Krieg keine große Nummer und bis weit in die 1960er hinein kein Spiel der Emo­tionen war. 

Das erste Pflicht­spiel gegen­ein­ander erst 1965

Obwohl die höchste deut­sche Spiel­klasse ver­gleichs­weise jung ist, gibt es sogar einen rich­tigen, echten, unstrit­tigen Bun­des­liga-Klas­siker, näm­lich Bayern gegen Glad­bach. Und wahr­schein­lich gibt es sogar noch einen zweiten aus­sichts­rei­chen Kan­di­daten auf diesen Titel, jeden­falls für Fans, die schon ganz legal rau­chen dürfen: Bremen gegen Bayern, fast 20 Jahre lang meis­tens ein Spit­zen­spiel, dazu noch umflort von der Gut-gegen-Böse-Aura. 

Aber Dort­mund gegen Bayern? Das soll auf einmal das deut­sche Celtic-gegen-Ran­gers, Real-gegen-Bar­ce­lona, River-Plate-gegen-Boca-Juniors oder Ajax-gegen-Feye­noord sein? Wenn es so wäre, dann müsste ich zumin­dest schon mal davon gehört haben. Schließ­lich komme ich aus Dort­mund und habe mein erstes BVB-FCB-Spiel an dem Tag gesehen, als Eike Immel sein Debüt gab. (Nur damit man mal so eine Idee davon kriegt, wie lange das her ist.) 

Wir reden hier über zwei Ver­eine, die im Oktober 1965 zum ersten Mal über­haupt ein Pflicht­spiel gegen­ein­ander bestritten haben. Zu diesem Zeit­punkt hatten Celtic und Ran­gers schon 171-mal um Punkte oder Pokale gestritten, Real und Bar­ce­lona 95-mal, River Plate und Boca Juniors 70-mal, Ajax und Feye­noord 64-mal. 

Wir reden auch über zwei Ver­eine, die nach jenem ersten Duell von 1965 fast drei Jahr­zehnte lang so gut wie keine Berüh­rungs­punkte hatten. Im November 1979 stand der BVB (unter Udo Lattek!) mal kurz vor den Bayern und es kam sogar zu einer Art Spit­zen­spiel, als der Tabel­len­dritte FCB am 14. Spieltag den Tabel­len­zweiten BVB emp­fing. Nach einer halben Stunde stand es 3:0 für die Roten und damit war die Sache gegessen. 

Ansonsten spielten die Bayern Jahr für Jahr, Jahr­zehnt für Jahr­zehnt im Grunde in einer anderen Liga als der BVB. Selbst als Dort­mund unter Ottmar Hitz­feld zum Spit­zen­team wurde, konnte zunächst noch keine Rede von einer Riva­lität sein. Ganz im Gegen­teil: Im Juni 1995 beju­belte die Süd­tri­büne fre­ne­tisch jedes Tor der Bayern gegen Bremen, weil der BVB nur so zum ersten Mal seit 32 Jahren wieder Meister wurde. 

De Klas­sieker

Ja, danach gab es dann ein paar sehr hit­zige Duelle mit Beiß­at­ta­cken von Oliver Kahn oder Jan Koller im Dort­munder Tor. Doch das war nur ein kurzes Inter­mezzo, bevor Borussia auf die Pleite zuschlit­terte und sich für sechs oder sieben Jahre aus dem Titel­rennen ver­ab­schie­dete, bis Jürgen Klopp seine erste Pres­sing­ma­schine durch den TÜV brachte. 

Das heißt also, dass die beiden Ver­eine in ihren gemein­samen Bun­des­li­ga­jahren auf nur etwas mehr als zehn Spiel­zeiten kommen, in denen sie so etwas wie ernst­hafte Kon­kur­renten waren. 

Wie pas­send also, dass es einen eng­lisch­spra­chigen (!) Wiki­pedia-Ein­trag namens Der Klas­siker“ gibt, der gleich in der ersten Zeile warnt: Not to be con­fused with De Klas­sieker.“ In der Tat. Das Spiel Dort­mund gegen Bayern sollte nicht mit einem echten Klas­siker wie Ajax gegen Feye­noord ver­wech­selt werden.