Flitzer gab und gibt es viele. Meis­tens stürmen sie besoffen auf den Platz, tollen freu­de­strah­lend über die Wiese oder ver­su­chen einen kurzen Moment mit ihrem Idol zu erha­schen. Auch Jordan Dunn war bei seinem Ein-Mann-Platz­sturm betrunken. Nach eigener Aus­sage hatte er zuvor sechs Pints im Pub gekippt. Für all die Stars, die auf dem Feld standen, hatte Dunn danach jedoch nur wenig Inter­esse. Als er den Rasen betrat, hatte er nur Augen für den Ball. Und so rannte der 22-Jäh­rige am ersten Spieltag der Pre­mier League beim Spiel zwi­schen Tot­tenham und West Ham ebenso ziel­strebig wie ‑sicher auf das zum Frei­stoß bereit lie­gende Spiel­gerät zu. 

Drei Ordner im Nacken

Im vollen Sprint, drei Ordner im Nacken, hetzte der Flitzer am gerade Anlauf neh­menden Chris­tian Eriksen vorbei und trat den ruhenden Ball kur­zer­hand selbst. Zur Ver­wun­de­rung aller Anwe­senden – ein­schließ­lich Dunn selbst – gelang ihm das erstaun­lich gut. Der Ball erhob sich sanft über die Mauer und visierte das rechte Drei­angel an. Dass die Kugel nur in Zeit­lupe unter­wegs war und letzt­end­lich von West-Ham-Keeper Adrian lässig aus dem Winkel gefischt wurde, tat der Stim­mung keinen Abbruch. Auch der Schütze selbst ent­schied sich die Parade des Tor­warts gekonnt zu igno­rieren und statt­dessen lieber in der Kurve zu feiern. Da hatte er die Rech­nung aber ohne die humor­be­freiten Sicher­heits­leute gemacht, die keine Sekunde zögerten, den Kunst­schützen aus seinen roten Turn­schuhen zu grät­schen. 

Zwar reagierten die Ordner im Upton Park aus nach­voll­zieh­baren Gründen kom­pro­misslos, dafür zeigte der Richter Gareth Branston, der die Sache ver­han­deln musste, umso mehr Ver­ständnis für die Aktion. 

Ein Auszug aus dem Urteils­spruch:

An diesem Tag kamen 35 000 Fans ins Sta­dion, um sich von 22 Män­nern unter­halten zu lassen. Irgend­wann wäh­rend des Spiels stürmte ein junger Mann in einem karierten Shirt und roten Con­verse auf das Feld – das waren Sie. Sie wurden nicht dafür bezahlt, die Leute im Sta­dion zu bespaßen und ver­übten eine Straftat. Sie rannten 70 Yards über das Feld, ver­folgt von meh­reren Ste­wards, von denen einer hin­fiel. Ihr Laufweg war länger als nötig – das lag am Alkohol. Zu dem Zeit­punkt als Sie den Ball erreichten, waren Sie bestimmt schon etwas erschöpft, aber eines muss ich Ihnen ›You did bend it like Beckham‹.“ 

Um eine Strafe kam Jordan Dunn trotz seines beck­ham­haf­tigen Frei­stoßes nicht herum. Branston belegte ihn mit einer Geld­strafe von 305 Pfund. Von einem Sta­di­on­verbot sah der Richter ab.

Geld­strafe per Schwarm­fi­nan­zie­rung abge­zahlt

Dunn, der als Hotel­re­zep­tio­nist arbeitet, und 305 Pfund nicht mal eben so bezahlt, star­tete einen Aufruf auf einer Crowd­fun­ding-Platt­form, um die Strafe zu beglei­chen. Das Geld war inner­halb von drei Tagen zusammen. Dazu bedankten sich die Spender bei dem West-Ham-Fan und bekun­deten ihre Sym­pa­thie. Das war der beste Frei­stoß seit langem, den ich in Upton gesehen habe“, schrieb ein User.

Dunn selbst äußerte sich nur einmal öffent­lich zu seinem Streich. Wäh­rend der Gerichts­ver­hand­lung befragte ihn der Richter zu seinem Motiv für die Tat. Dunns Ant­wort war knapp bemessen: It was just a moment of mad­ness“. So kann man es auch beschreiben.