Wer wissen will, wie es um den FC Arsenal in diesen Zeiten bestellt ist, der musste am Sonn­tag­abend nur Patrice Evra zuhören. Da saß der Ex-Man­chester United-Spieler bei Sky Sports und erzählte, dass er vor einer Weile mit seinem Lands­mann Thierry Henry ein Spiel der Gun­ners im Fern­sehen anschauen wollte. Als Henry jedoch gesehen habe, dass Granit Xhaka als Kapitän auf­laufen würde, habe er sofort den Fern­seher aus­ge­schaltet. Als Evra nach­fragte, wieso er das getan habe, sagte die Arsenal-Legende: Ich kann nicht mit ansehen, wie Xhaka der Kapitän meines Teams ist“.

Im Match gegen Burnley am Sonntag stand dieser Granit Xhaka wieder einmal im Mit­tel­punkt des Inter­esses – oder besser: sein Platz­ver­weis. Glaubt man Mikel Arteta, dann war die Rote Karte, die sich der Schweizer abholte, der Knack­punkt des Spiels. Bis dahin hätte Arsenal zwar schon längst die vor­han­denen Chancen nutzen und alles klar machen können, aber man habe auf jeden Fall domi­niert, so der Spa­nier. Bis dann eben Granit Xhaka in der 57. Minute den zum Konter anset­zenden Burnley-Mann Dwight McNeil abgrätschte und sich zudem ent­schloss, auf ihn los­zu­gehen. Nette Worte inklu­sive. Als Mit­spieler beider Teams her­bei­eilten, packte Xhaka einen anderen Burnley-Spieler, Ashley West­wood, dann auch noch am Hals. Eine grobe Unsport­lich­keit, die der Schieds­richter völlig zurecht mit einer Roten Karte ahn­dete.

Arteta stellt die Men­ta­li­täts­frage

Die Nord­lon­doner hatten Glück, dass es bei einem Platz­ver­weis blieb: Hätte der Unpar­tei­ische später noch einmal genauer hin­ge­schaut, wäre wohl noch eine wei­tere Rote Karte hin­zu­ge­kommen: Bei einem Eck­ball für Burnley ver­tei­digte Arse­nals Mohamed Elneny seinen Gegen­spieler Tar­kowski, indem er ihm mit beiden Händen ins Gesicht fasste. Auch das hätte Rot geben können, der Schiri gab aber nur Gelb. Immerhin wurde die Ecke auf­grund der Ran­gelei wie­der­holt und eben dieser Stan­dard führte zum 1:0 für Burnley – durch ein Eigentor von Pierre-Eme­rick Aub­ameyang. Es sollte ein his­to­ri­scher End­stand werden. Erst­mals verlor Arsenal ein Pre­mier-League-Spiel gegen den FC Burnley. Hinzu kommt, dass es bereits die vierte Heim­nie­der­lage am Stück ist. Das gab es bei den Gun­ners zuletzt im Jahr 1959.

In der Pre­mier League gibt es für die Nord­lon­doner also einiges zu beklagen. Trainer Mikel Arteta stellte schon vor einigen Wochen die Men­ta­li­täs­frage: I am not going to accept that mindset at all“, sagte er Anfang November nach der def­tigen 0:3‑Niederlage gegen den Favo­ri­ten­schreck Aston Villa in einem Inter­view. Was er damit aus­drü­cken wollte war, dass ein Arsenal mit ihm als Trainer den Anspruch haben sollte, jedes Spiel gewinnen zu wollen. Eine noble Ein­stel­lung, doch die Rea­lität sieht anders aus: Von zwölf Liga­spielen gewannen die Gun­ners gerade einmal vier Par­tien, dar­über hinaus stehen schon sieben Nie­der­lagen zu Buche. Zwi­schen­re­sultat: Platz 15. Die Cham­pions-League-Plätze sowie die anderen Klubs der soge­nannten Big Six“ liegen damit in weiter Ferne. Schon 2019/20 lan­dete Arsenal nur auf Platz 8, holte aber immerhin den FA-Cup und somit auch die Qua­li­fi­ka­tion für die Europa League. 2018/19 wurde der Club immerhin noch Fünfter.

Pro­bleme im Per­sonal

In solch einer Situa­tion stehen erfah­rene Arsenal-Spieler wie Granix Xhaka beson­ders in der Ver­ant­wor­tung: Der Ex-Glad­ba­cher, dem zwi­schen­zeit­lich ein Wech­sel­wille (u.a. zur Hertha) nach­ge­sagt wurde, ver­passte diese Saison bis­lang nur selten eine Partie, spielte aber nicht immer auf der­selben Posi­tion. Mit seinen Dis­zi­plin­lo­sig­keiten gegen Burnley sorgte der ehe­ma­lige Schweizer Fuß­baller des Jahres nun für einen Eklat, der an einen wei­teren Nega­tiv­mo­ment aus seiner Arsenal-Zeit erin­nert: Unter Artetas Vor­gänger Unai Emery wurde Xhaka zwar die Kapi­täns­binde ver­liehen, etwas mehr als einen Monat später aber schon wieder ent­zogen. Der Grund: Xhakas wütendes und gegen­über Fans respekt­loses Ver­halten bei seiner Aus­wechs­lung im Liga­spiel gegen Crystal Palace. Emery ernannte dar­aufhin Aub­ameyang zum neuen Kapitän.