1. Hans-Joa­chim Osmers
Der Bremer Referee darf stolz sein auf die hane­bü­chenste Fehl­ent­schei­dung der Liga-Geschichte. Als Bay­erns Thomas Helmer im April 1994 den Ball gut sichtbar neben den Kasten des 1. FC Nürn­berg stol­perte, erkannte Osmers mutig auf Tor. Mün­chens 2:1‑Sieg wurde im Wie­der­ho­lungs­spiel zum 5:0, Nürn­berg stieg ab, Bayern wurde Meister. Und Osmers war schuld. Wobei auch die Betei­li­gung von Lini­en­richter Jörg Jablonski nicht ver­schwiegen werden soll. Und die von Manni Schwabl, der später den Aus­gleich vom Elf­me­ter­punkt vergab.

2. Dieter Pauly
Das zor­nige Tête-à-Tête des 1,91-Meter-Manns mit Kölns Keeper Toni Schu­ma­cher wurde 1981 Sport­foto des Jahres. Der über­lie­ferte Wort­laut ist dagegen weniger spek­ta­kulär: Wollen Sie nicht mal pfeifen?“ – Gehen Sie zurück in Ihren Kasten!“ Pauly, 1990 noch in Ehren auf dem Bökel­berg ver­ab­schiedet, fühlte sich im Alter vom DFB unwürdig behan­delt, zog sich daher schmol­lend auf eine thai­län­di­sche Insel zurück. Zitat: Ich war denen wohl zu unbe­quem.“ Was Schu­ma­cher sicher bestä­tigen kann.

3. Bernd Heyne­mann
Einer der wenigen DDR-Schiris, die es in die gesamt­deut­sche Bun­des­liga schafften. Mehr als das: Der cha­ris­ma­ti­sche Mag­de­burger wurde zum popu­lärsten Schiri der Neun­ziger. Pfiff Bun­des­liga, Euro­pacup, Län­der­spiele, EM und WM – und dann auch den FC Bun­destag. Weil es ihm so gut gefiel, wech­selte der AOK-Mann zur CDU und für sieben Jahre ins deut­sche Par­la­ment. Nichts, was er nicht kann: Ver­fasste seine Auto­bio­grafie mit Wolf­gang Bor­chert – knapp 60 Jahre nach dessen Tod.

4. Robert Hoyzer
Wenige haben für den Leu­mund der deut­schen Schieds­rich­terei so viel getan wie der Hüne aus Spandau. Der Shoo­ting­star des DFB ver­schob 2004 meh­rere Spiele für 67.000 Euro und einen Plasma-Fern­seher und sorgte damit nebenbei dafür, dass das Fan-Voka­bular um einen hüb­schen Begriff rei­cher wurde („hoy­zern“). Musste dafür ebenso ins Gefängnis wie der kroa­ti­sche Gas­tronom Ante Sapina. Heute ein König: Hoyzer steht wieder auf dem Platz, wenn auch nur als Spieler bei einem Ber­liner Ama­teur­klub.

5. Markus Merk
Der Zahn­arzt mit der Fis­tel­stimme pfiff sich in 20 Jahren Bun­des­liga nicht nur in die Herzen aller Fans des FC Schalke. Die Höhe­punkte in Kürze: 338 Erst­li­ga­spiele, EM-Finale 2004, Bun­des­ver­dienst­kreuz, erfolg­rei­cher Stimm­bruch, dann TV-Kar­riere bei Sky. Seine Schiri-Memoiren mit dem schmis­sigen Titel BeWE­GEnd“ ver­kauften sich exzel­lent, anders als sein Erst­ling Unter­su­chungen zur Form­än­de­rung kalt- und heiß­po­ly­me­ri­sie­render Pro­the­sen­kunst­stoffe nach Behand­lung im Ultra­schallbad“.

6. Wolf-Rüdiger Umbach
Wenige Unpar­tei­ische erwiesen sich als so lei­dens­fähig wie der Mathe-Pro­fessor aus Braun­schweig. Ging im Oktober 1990 bei der Partie Kai­sers­lau­tern gegen Wat­ten­scheid bewusstlos zu Boden, nachdem ihn ein Feu­er­zeug am Kopf getroffen hatte. Weil er seine Spesen gefährdet sah, ließ er her­nach noch ord­nungs­gemäß zu Ende spielen. Da auch die Jour­na­listen ihre Artikel pünkt­lich ablie­fern konnten, ver­liehen sie Umbach den Fair­play-Preis.

7. Walter Esch­weiler
Der Bonner Diplomat nahm die Profis in den frühen Jahren der Liga mit einer Mischung aus jovialem Auf­treten und rhei­ni­schem Charme für sich ein. Begeg­nete allen Unwäg­bar­keiten ganz im Sinne des Fuß­ball-Mut­ter­lands mit der berühmten steifen Ober­lippe – selbst die Kol­li­sion mit einem perua­ni­schen Spieler wäh­rend der WM 82. Wurde später zum TV-Star („Maoam“, Spiel ohne Grenzen“) und vom Zeit-Magazin zum Richard von Weiz­sä­cker unter den Schieds­rich­tern“ geadelt. Nahm auch dies unge­rührt zur Kenntnis.

8. Wolf-Dieter Ahlen­felder
Der Lebe­mann aus Ober­hausen war so etwas wie das Pen­dant zum Asketen Esch­weiler. Saß als haupt­be­ruf­li­cher Mine­ral­öl­kauf­mann quasi direkt an der Quelle und konnte sich bequem den einen oder anderen Liter für den Eigen­be­darf abzapfen. Den oft bemühten Höhe­punkt seiner Berühmt­heit erlangte Genus­s­trinker Ahli“, der Spiele stets mit Augenmaß vom berühmten Bier­de­ckel lei­tete, 1975 beim Spiel Bremen-Han­nover, als es ihn so sehr nach dem Pau­sentee dürs­tete, dass er bereits nach 30 Minuten abpfiff.

9. Michael Kempter
Ähn­lich wie Hoyzer ein früh ver­glühtes Stern­chen. Der jüngste Referee in 50 Jahren Bun­des­liga war der größte Hoff­nungs­träger des DFB – bis er sich mit seinem Vor­ge­setzten Man­fred Ame­rell anlegte. Im Laufe einer der ein­drück­lichsten Schlamm­schlachten der Fuß­ball­ge­schichte erfuhr die Öffent­lich­keit vieles, was sie gerne nie­mals erfahren hätte. Zum Bei­spiel, dass Kempter gerne weiße Hosen trägt. Mit etwas Schiri-Schwarz drunter.