(23.30 Uhr in der Dort­munder Geschäfts­stelle. Mit ver­ächt­li­chem Blick schaut Sport­di­rektor Zorc auf den neben ihm sit­zenden Wörns, der mit glit­zernden Augen auf seinem Gameboy spielt. Mit einem lauten Knall geht plötz­lich die Tür auf und Trainer Doll sowie Manager Watzke stürmen herein.)

Wörns: Och, menno. Jetzt hab ich durch den Schreck doch noch das Gegentor bei FIFA kas­siert.

Zorc (hämisch): Mensch Chris­tian, das ist ja mal was ganz Neues bei Dir!

Watzke: Guten Abend, meine Herren! Wir sind hier heute zusam­men­ge­kommen, um über das heu­tige Spiel beim KSC knall­hart zu reden!

Wörns: Muss das denn sein? Die anderen sind schon alle im Jus­tins“ und ich muss hier noch rum­sitzen. Wir ham doch immerhin ein Tor gemacht.

Zorc: Doof nur, dass ihr immer min­des­tens drei kas­siert, wa?!

Doll: Wir dürfen jetzt auch nicht drauf­hauen auf die Jungs! Ich weiß ja, was sie können: Reden, die Ärmel hoch­krem­peln und kämpfen. Ich bin mir ganz sicher, dass wir aus diesem kleinen Tal wieder raus­kommen und bis zur Win­ter­pause an den oberen Tabel­len­plätzen schnup­pern. Ich mache das ja auch nicht zum ersten Mal!

Watzke: Um das klar zu sagen: Die Geschäfts­füh­rung des BVB, also EVONIK, steht ganz klar hinter unserem Trainer und wir werden keinen Mil­li­meter…

(Plötz­lich geht die Tür auf und Peter Neururer steckt den Kopf herein.)

Neururer: Aki, schul­dige die Stö­rung, aber alle Num­mern sind weg vor deinem Büro. Die letzte hat der Sander erwischt und der Mour­inho macht schon die ganze Zeit den Herr­mann, wann er denn end­lich dran wäre.

Watzke (pein­lich berührt): Ähh, einen Moment noch. Wir sind sicher gleich fertig.

(Neururer geht wieder, wäh­rend Doll mit seinem trau­rigen Dackel­blick auf die Tisch­kante starrt.)

Wörns: Kann ich jetzt gehen?

Zorc (rastet aus): Nein, ver­dammt!! Heute ist nix mehr mit Disco. Ich habe es langsam satt mit euch und eurem Scheiß­fuß­ball!

Doll: Aber Michael, es hilft doch nicht, jetzt auch noch drauf­zu­hauen! Wir kommen…

Zorc: …da nur gemeinsam raus, wenn wir alle an einem Strang ziehen und uns nicht gegen­seitig zer­flei­schen. Seite 37 aus Was sage ich als Trainer nach ver­hee­renden Nie­der­lagen?“. Ver­giss nicht zu sagen, dass wir knall­hart schauen, wer unseren Weg mit­geht!

Watzke: Also, das hat ja keinen Zweck mehr hier. Ich sag euch mal, wie wir das bei mir in Erling­hausen lösen. Wenn wir da gegen den Tabel­len­letzten 0:5 ver­loren haben, gehen wir alle abends Zum gol­denen Hirsch“ zum Manni und kippen uns mal alle einen hinter die Binde. Aber ihr könnt ja wahr­schein­lich nimma saufen, ihr Ver­sager!

Wörns: Doch und heute gibts im Jus­tins“ sogar Happy Hour“ und wenn wir uns beeilen, dann…

Zorc: Und sowas ist mein Nach­folger als Kapitän!

(Wäh­rend Zorc mit den Tränen kämpft, geht die Tür auf und Rein­hard Rau­ball kommt herein.)

Rau­ball: Guten Abend, meine Herren. Der Rahmen-Spiel­ter­min­ka­lender sieht für die Saison 08/09 so aus, dass wir im Sep­temb.…

Watzke: Boah, Rein­hard, du bist hier beim BVB und nicht bei der DFL. Setz dich dazu und halt den Mund oder fahr nach Frank­furt. Haste auf der A 45 wohl mal wieder die fal­sche Rich­tung gewählt, woll?

Rau­ball (über­legt lange): Hmm, ich kenn euch zwar nicht alle, aber ich lerne ja auch gerne neue Men­schen kennen.

(Rau­ball holt sich einen Stuhl und setzt sich zwi­schen Wörns und Zorc. Eine sicher­lich wohl­weis­liche Ent­schei­dung.)

Watzke: So, wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, beim Manni im Hir­schen! Ja, wie gesagt. Wir kommen nur wieder zu Punkten, wenn mal der ganze Verein gemeinsam einen saufen geht. Wir haben doch da unsere tolle Event-Ebene in der Nord­tri­büne, da werde ich für kom­menden Dienstag einen Termin machen. Aber wie stellt ihr euch denn vor, da unten wieder raus­zu­kommen.

Doll: Also, es bringt jetzt nichts, noch weiter auf die Jungs drauf­zu­hauen. Die sind doch schon alle ver­un­si­chert genug, aber ich weiß, dass meine Jungs alle einen guten Ball spielen können. Das sehe ich doch täg­lich im Trai­ning. Wir müssen hart arbeiten, das ist ganz klar und dann werden wir auch gegen Bochum wieder erfolg­reich sein. Mit dem Publikum im Rücken werden wir dort alles geben und ich kann jetzt schon ver­spre­chen: So ein Spiel wie gegen den KSC wird es dann nie wieder geben!! Wir werden in dieser Woche ganz genau schauen, wer unseren Weg mit­geht und im Zweifel knall­hart die Leute aus­sor­tieren, die nicht dazu bereit sind. Wir müssen den Kopf jetzt oben lassen und diese schwie­rige Situa­tion gemeinsam meis­tern. Dann wird es auch wieder nach oben gehen, aber es hilft nicht, noch auf die Jungs drauf­zu­hauen.

Watzke: Bei diesen Worten muss ich auf­passen, dass ich nicht ins Schwärmen komme. Chris­tian, wie willst du den BVB aus der Krise holen?

Rau­ball (denkt sich der­weil): Wofür steht eigent­lich dieses BVB? Bun­des­ver­band der… Ich komme nicht mehr drauf.

Wörns: Mer müsse jetze alle ne Schüppe drauf­legen und die Ärmel hoch­krem­peln.

Zorc: Warum gebt ihr nicht mal von Anfang an 100 Pro­zent? Ihr alle mit eurem dümm­li­chen Gelaber, das kotzt mich an! Ich habt eine Men­ta­lität und die ist Scheiße!!

Watzke: Vor­sicht, Michael! Du weißt, wer als erster fliegt, wenn das hier alles den Bach run­ter­geht diese Saison.

(Schlag­artig ver­stummt Zorc und hilft Rau­ball beim Zählen der kleinen Hubbel auf der ver­gilbten Rau­h­fa­ser­ta­pete.)

Watzke: Also, wir sind uns einig, dass der BVB ein Verein mit ganz viel Tra­di­tion ist und immer noch eine große Strahl­kraft für die Men­schen in dieser Region ist. Fuß­ball bedeutet hier Reli­gion und beson­ders die vielen Arbeits­losen hier sparen sich ihre Dau­er­karte Tag für Tag vom Mund ab, um unsere Mann­schaft spielen sehen zu können.

Wörns: Auf der Süd­tri­büne stehen doch eh alles nur Asis, die sich es nicht mal leisten könnten, für 10 Minuten im Jus­tins“ zu sein. Ich werde jeden­falls noch spielen, bis ich 45 Jahre alt bin und dann zunächst die Ama­teure über­nehmen. Die Fähig­keiten zum Trainer habe ich sicher­lich. Wenn ich näm­lich den Mund auf­mache, dann hören mir alle zu und kleben an meinen Lippen.

Rau­ball denkt: Diesen Typen da mit dem Leber­fleck auf dem Hals habe ich irgendwo schon einmal gesehen…

Zorc: Wie wäre es denn mit der Idee, dass sich mal die Mann­schaft ohne Trainer aus­spricht und knall­hart über die Fehler im Team redet?

Wörns: Also, das mache mer eigent­lich jede Sams­tag­abend. Gut, nur der Roman, Sebas­tian und ich. Aber wir sind ja auch die Mann­schaft. Alle anderen würde ich eher als Stink­stiefel bezeichnen und ich muss wirk­lich alles geben jeden Tag, damit mir der Laden nicht aus­ein­ander fällt. Wenn ich nicht diese Füh­rungs­qua­li­täten an den Tag legen würde, dann wäre mer sicha schon letzte Saison abge­stiege. Wenn ich nur an meine Brand­rede vor den Fans nach dem Spiel in Bochum denke, das war schon eine ein­ma­lige Leis­tung!

Zorc: Tommy, wie wärs eigent­lich mal mit dem Ame­dick in der Abwehr?

Doll: Ame.…wer? Ich kenn nur Amecke und da mag ich am liebsten die Vari­ante mit den extra Johan­nis­beeren. Oder meinst du diesen großen Blonden bei uns? Ach ok, weil den nennen wir nur Bank­drü­cker“. Aber eins ist doch auch ganz klar: Auf den Bank­drü­cker kann ich mich hun­dert­pro­zentig ver­lassen und er macht einen super Ein­druck im Trai­ning. Und wenn Brenner, Kovac, Wörnser, Hüne­meier, Njambe, Groß­kreutz und alle anderen Ama­teure aus­fallen sollten, dann über­lege ich mir mal zumin­dest, ob wir Antrag auf Spiel­ver­le­gung stellen oder diesen Amecke mal zum Ein­satz kommen sollten.

Wörns: Da sehe ich genauso. Der Ame hat ein­fach noch nicht die Qua­lität und Erfah­rung, um mich oder den Kovac zu ver­drängen.

Rau­ball (über­legt lange): Wann war ich eigent­lich das letzte Mal in dem Sta­dion, wo die immer spielen? Kann mich nur erin­nern, dass da Lothar Emme­rich gerade aus der Jugend hoch­ge­zogen worden ist. Muss schon ein Weil­chen her sein also…

Watzke: Und wie siehts mit einer Reak­ti­vie­rung vom Ricken aus, Tommy? Gerade weil wir im Mit­tel­feld so viele Pro­bleme haben?

Doll: Für Lars reicht es ein­fach nicht mehr und das habe ich ihm auch ganz klar gesagt. Nicht, weil ich meine Auto­rität zeigen musste! Die kann ich auch zeigen, wenn sich ein Spieler unver­schäm­ter­weise mit einem Buch in die Sonne legt. Nein, aber bevor ich Lars noch einmal eine Chance gebe, schnüre ich mir lieber noch einmal selbst die Stiefel, um unserem Spiel den Stempel auf­zu­drü­cken.

Rau­ball: Ich bin mir im Übrigen ganz sicher, dass unsere sport­liche Lei­tung mit Thomas Doll, Aki Watzke und Michael Zorc die Lage in den Griff kriegen wird.

Wörns: Und was ist mit mir als Kapitän?

Rau­ball: Sagste mir noch einmal eben deinen Namen bitte, damit ich dich besser ein­ordnen kann?

Watzke: Danke, Rein­hard. Ich weiß ja, dass du uns allen in den Rücken fällst, ähh, den Rücken stärkst. Können wir also so ver­bleiben, wie wir es heute getan haben? Soll ich noch einmal unsere Ergeb­nisse zusam­men­fassen?

Doll sülzt: Das kann ich auch gerne machen, Aki.

Rau­ball denkt: Hof­fent­lich ist Morgen die Auto­bahn frei und ich komme ohne Pro­bleme nach Frank­furt.

Doll: Also, wir sind uns sicher­lich einig, dass es jetzt nichts hilft, wenn wir noch weiter auf die Mann­schaft drauf­hauen. Wir müssen jetzt im Trai­ning Gras fressen und es ist doch ganz klar, dass mein Team die Qua­li­täten hat, die nötig sind, um in dieser Liga zu bestehen. Nur müssen wir dazu jetzt end­lich das nötige Bewusst­sein erlangen, dass ich mit 100 Pro­zent für den BVB da sein muss, denn…

(Wörns will sich mit seinem Gameboy heim­lich auf die Toi­lette ver­drü­cken, wird aber von Zorcs dro­henden Augen zurück­ge­halten.)

Doll: …der BVB ist ein Tra­di­ti­ons­verein. Nach dem HSV und Hansa Ros­tock sowie Lazio Rom liebe ich den BVB über alles. Und ich glaube, wer mich und mein Enga­ge­ment in dieser schweren Phase sieht, weiß, was ich damit meine. Ich bin von 7 Uhr bis 22 Uhr täg­lich auf dem Trai­nings­ge­lände und begrüße die Spieler, die um 12 Uhr kommen und um 13.30 Uhr wieder gehen. Weil ich weiß, dass Drauf­hauen in der jet­zigen Phase nichts bringt und ich den Jungs auch ihre nötigen Frei­heiten geben muss. Wir müssen jetzt, alle gemeinsam aller­dings, anders geht es näm­lich nicht, den Kopf aus der Schlinge ziehen und end­lich wieder Fuß­ball spielen. Nur dann gelingt uns auch ein Befrei­ungs­schlag am Frei­tag­abend gegen Bochum. Ich habe einen Plan, aber den kenn nur ich und den ver­rate ich auch nicht!

Watzke: Ich stehe voll hinter Thomas Doll und bin mir sicher, dass er den Karren bei diesem Tra­di­ti­ons­verein hier wieder aus dem Dreck ziehen wird! Meine Herren, ich danke Ihnen für dieses Gespräch und wün­sche Ihnen eine gute Heim­fahrt. Bis zum nächsten Mal am kom­menden Freitag um 23 Uhr im VIP-Bereich des Ham­burg­Mann­heimer-Parks.

(Alle stehen erleich­tert auf und gehen zu ihren Autos. Dabei zeigt Wörns erst­mals an diesem Samstag unge­ahnte Sprint­fä­hig­keiten.)

Wörns: Och Mensch, hof­fent­lich kriege ich die beiden Sex on the Beach“ noch zum Preis von einen. Wenn nicht, dann muss ich mittem Aki mal über eine kleine Gehalts­er­hö­hung ver­han­deln. Als ver­dienter Spieler des BVB kann ich sicher­lich diese Ansprüche stellen.

Doll: Hof­fent­lich kriege ich noch den Nachtzug nach Ham­burg.

Watzke: So, jetzt ab nach Hause und dem Trainer von RW Erling­hausen noch die Mann­schafts­auf­stel­lung gegen die Spiel­ver­ei­ni­gung Vreden auf den Anruf­be­ant­worter dik­tieren.

Rau­ball: Wer bin ich?

Zorc: Was ist aus diesem Verein nur geworden???