A.
Rivalen der Zukunft

Das sozia­lis­ti­sche Vene­zuela kann sich nicht mit dem Nach­barn iden­ti­fi­zieren, der sich an die USA gebunden hat – und umge­kehrt. Die Streit­punkte sind viel­schichtig: Es geht um Erd­öl­vor­kommen und Grenz­ver­läufe. Fuß­bal­le­risch sind die Länder noch Welten von­ein­ander ent­fernt. Vene­zuela ist das ein­zige Land Süd­ame­rikas, das sich nie für eine WM qua­li­fi­zieren konnte. Zuletzt gelangen aber einige Ach­tungs­er­folge, etwa der Einzug ins Halb­fi­nale der Copa Amé­rica 2011. Sollte der Trend anhalten, könnte die sport­liche Riva­lität wachsen.

B.
Der end­lose Kon­flikt

Ursprung allen Übels war der Sal­pe­ter­krieg“, den die Länder von 1879 bis 1884 ums Grenz­ge­biet führten. Die Region wurde Chile zuge­spro­chen und die Boden­schätze ver­halfen dem Land zu Reichtum. Obwohl die Sal­pe­ter­nach­frage seither ein­ge­bro­chen ist, geben sich die Betei­ligten nicht mit dem Status quo zufrieden. Spiele belegen den ver­wur­zelten Hass: Beim Duell in der Quali zur WM 1998 wurden beide Team­busse mit Gegen­ständen beworfen.

C.
Kampf um den Thron

Die beiden größten Staaten Süd­ame­rikas führen in vielen Belangen einen Kampf um die Spit­zen­po­si­tion. Zahl­reiche Kon­tro­versen ließen die Riva­lität kon­ti­nu­ier­lich eska­lieren. So soll Argen­ti­niens Mas­seur Di Lorenzo Bra­si­liens Branco im Ach­tel­fi­nale der WM 1990 eine Trink­fla­sche mit wahl­weise einer Dosis Alkohol, Schlaf- oder Brech­mittel gereicht haben. Die Feind­schaft peitscht zudem die grund­le­gende Frage an, ob Pelé oder Mara­dona der größte Fuß­baller aller Zeiten ist.

D.
Mara­ca­naço lebt

Die Nie­der­lage im WM-Finale 1950, der Mythos Mara­ca­naço“, ist in Bra­si­liens Seele kon­ser­viert. Trotzdem ist das Ver­hältnis zu Uru­guay nicht mit anderen Feind­schaften ver­gleichbar. Selbst Uru­guays WM-Helden bli­cken mit gemischten Gefühlen zurück. Ich fühlte mich sehr schlecht ange­sichts dieser Trau­rig­keit“, sagte Obdulio Varela. Einig sind sich die beiden Nationen zudem in ihrer Abnei­gung gegen­über Argen­ti­nien.

E.
Das ewige Duell

Schon bei der ersten WM 1930 standen sich die Länder gegen­über. 15.000 Argen­ti­nier reisten damals von Buenos Aires zum Finale nach Mon­te­video. Die Riva­lität war mör­de­risch: Rund ums Sta­dion wurden 1600 Schuss­waffen beschlag­nahmt. In der Halb­zeit sagte der Argen­ti­nier Luis Monti wegen der 2:1‑Führung: Wenn wir gewinnen, bringen die uns um.“ Auch der bel­gi­sche Schieds­richter John Lan­genus war sich der Bri­sanz des Duells bewusst. Er wil­ligte nur ein, das Spiel zu leiten, weil hinter den Toren eine Poli­zei­garde und nach Abpfiff ein Boot am Hafen zur Flucht bereit stand. Uru­guay gewann schließ­lich mit 4:2 und wurde zum ersten Welt­meister der Geschichte.

F.
David gegen Goliath

Die geo­gra­fi­sche Nähe sorgt für eine natür­liche Riva­lität. Immerhin teilen Argen­ti­nien und Chile eine über 4000 Kilo­meter lange Grenze. Gelebt wird die sport­liche Feind­schaft jedoch vor allem von chi­le­ni­scher Seite, weil es in Pflicht­spielen in der langen His­torie der beiden Länder bis­lang nur einmal gewinnen konnte: 2008 siegten sie daheim in Sant­iago mit 1:0 in der Quali zur WM 2010. Die Gau­chos sehen den Nach­barn den­noch nicht auf Augen­höhe, was nicht bedeutet, dass man von argen­ti­ni­scher Seite Sym­pa­thien hegt: Dass die Chi­lenen im Falk­land­kon­flikt 1982 heim­lich Eng­land unter­stützten, haben viele Argen­ti­nier den Nach­barn noch nicht ver­ziehen.