Der Maul­wurf
Wahr­schein­lich aus Angst, von Mat­thias Sammer in den Ruhe­stand gehass­grätscht oder von Arjen Robben mit einem Spandex-Trikot stran­gu­liert zu werden, hielt sich der Münchner Maul­wurf, der letzte Woche noch so erfri­schend aktiv war, in dieser Woche mit schmie­rigem Kabi­nen­wissen zurück. Sehr zu unserem Leid­wesen. Dass wir den omi­nösen Insider nun für unsere Elf nomi­nieren, ist also nicht als Lob für seine neu ent­deckte Inte­grität zu ver­stehen, viel­mehr ist es ein Aufruf, ja fast ein Hil­feruf: Bitte, lieber Maul­wurf, bitte bitte bitte lass dich nicht ein­schüch­tern. Gehe weiter deiner sei­figen Ver­rä­terei nach, zün­dele, erzähle uns von Auf­stel­lungs- und Tak­tik­de­tails, von Sauf­touren ins P1, Ehe­brü­chen und kleb­rigen Kabi­nen­ge­heim­nissen, von Kon­to­aus­zügen oder Penis­längen, irgendwas, das den unfassbar domi­nanten Rekord­meister wieder zum guten alten FC Hol­ly­wood voller Stör­feuer und Grüpp­chen­bil­dung macht. Denn wie sonst sollte man diese Bayern noch aus dem Tritt bringen und die Liga irgendwie span­nend halten?

Gon­zalo Castro
Lever­ku­sens Gon­zalo Castro ist auf dem Fuß­ball­platz eher einer für die schönen, anmu­tigen Dinge des Spiels. Umso erstaunter nahmen wir seine ein­ge­sprun­gene Dop­pel­grät­sche auf schmut­ziger Waden­bein­höhe zur Kenntnis, die Castro gegen Nürn­bergs Markus Feulner aus dem Hut zau­berte. Für so viel über­ra­schende Hol­ler­ba­chig­keit möchten wir Lever­ku­sens Mit­tel­feld­spieler an dieser Stelle fei­er­lich das durch­ge­streckte 11FREUNDE-Dirk-Schuster-Gedächt­nis­bein in Gold“ ver­leihen. Für einen Dop­pel­tritt, für den es bei Mortal Kombat sicher­lich eine Tas­ten­kom­bi­na­tion gibt. Castro durfte übri­gens, Feulner konnte glück­li­cher­weise wei­ter­spielen. Beides ver­wun­der­lich.

Jens Hegeler
Für das Sah­ne­bonbon des Spiels sorgte Cas­tros Mit­spieler Jens Hegeler, wes­wegen wir ihn heute dem zwei­fa­chen Lever­ku­sener Tor­schützen Heung-Min Son vor­ziehen. In der 47. Minute ver­edelte Hegeler näm­lich einen Dop­pel­pass mit Stefan Kieß­ling mit einer Art Pirou­etten-Sohlen-Hacken-Pass, der so schön war, dass sich meh­rere Redak­ti­ons­mit­glieder spontan beim Bal­lett­kurs für Über­ge­wich­tige an der VHS ange­meldet haben, um dem­nächst mit dem Hegel­er­schen Pi-So-Ha-Pa auf dem Bolz­platz glänzen zu können. Kieß­ling brauchte anschlie­ßend nur noch ein­schieben und wir setzten noch wäh­rend des Spiels einen Brief an den DFB auf, in dem wir for­dern, Pi-So-Ha-Pas künftig als eigen­stän­dige Treffer zu werten. Bisher ohne Ant­wort, aber war ja auch Wochen­ende.

Sejad Sali­hovic
Die Fuß­ball­tra­di­tio­na­listen unter uns sind sich sicher, dass immer wenn der trau­rige Sins­heimer Was-wollen-wir-trinken“-Torjingle ertönt, im Ver­eins­mu­seum eines Tra­di­ti­ons­klubs ein Bild von der Wand fällt und im Ball­schrank des Stutt­garter Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trums ein Fuß­ball platzt. Der­zeit ertönt der Jingle ziem­lich oft, am Samstag gleich vier mal, zwei der vier Ohr­würmer gingen dabei auf Sejad Sali­ho­vics Kappe. Der Bos­nier traf zweimal per Elf­meter, von ins­ge­samt 25 Elf­me­tern hat er statt­liche 23 ziem­lich tro­cken ins Tor geholzt. Da muss man neidlos aner­kennen: Sali­hovic ist am Elfer­punkt in etwa so kom­pro­misslos wie einst Udo Lattek am Tresen. Apropos: Was wollen wir trinken?

Raphael Wolf
Als heute früh der Name Wolf in Ver­bin­dung mit Werder Bremen fiel, glänzten die Augen des ein oder anderen Redak­ti­ons­mit­glieds. Etwa Andreas Wolf? Der kom­pro­miss­lose Hau­degen, der mor­gens zum Wach­werden mit dem Kopf gegen die Wand rennt, Back­steine zum Früh­stück isst und mehr Karten in seinem Leben gesehen hat als ein durch­schnitt­li­cher Black-Jack-Crou­pier in Las Vegas? Der bein­harte Innen­ver­tei­diger, den Bremen der­zeit so gut gebrau­chen könnte? Nein, leider nicht. Aber immerhin Raphael Wolf, Tor­hüter in Diensten des SVW, der den zuletzt glück­losen Sebas­tian Mie­litz auf die Bank ver­drängte und am Samstag gegen Hof­fen­heim sein erstes Bun­des­li­ga­spiel bestritt. Und trotz der vier Gegen­tore eigent­lich ganz gut hielt, auch wenn das komisch klingt. Glück­wunsch dazu. Fehlt also nur noch ein kom­pro­miss­loser Hau­degen, der die löch­rige Defen­sive der Bremer zusam­men­hält und geg­ne­ri­sche Stürmer zurück in den Spie­ler­tunnel flext, wenn’s sein muss. Wir wüssten da einen.

Philipp Barg­f­rede
Der Kom­men­tator der Sport­schau war kaum noch zu halten und kon­spi­rierte fröh­lich drauf los: Aus­ge­rechnet Barg­f­rede, in seinem 88. Spiel, mit der 44 auf dem Rücken, zum 4:4 – das könne ja gar kein Zufall sein. In der Tat, dachten wir, stri­chen uns gedan­ken­ver­loren über den Illu­mi­naten-Sie­gel­ring, rückten uns die Alu­fo­lien-Helme zurecht und sich­teten die Bilder des Ken­nedy-Atten­tats, auf der Suche nach Bre­mens Mit­tel­feld­spieler. Als wir nicht fündig wurden (noch nicht), kon­zen­trierten wir uns wieder auf das Spiel (das soge­nannte) und erfreuten uns an den (aus­ge­rechnet) acht Toren, deren letztes (als wäre das Zufall) Barg­f­rede (natür­lich) in der Nach­spiel­zeit (ja klar) in die Maschen prü­gelte (soso). Mit seinem Gewalt­schuss setzte der lange ver­letzte Barg­f­rede einem außer­ge­wöhn­li­chen Spiel in Sins­heim die Krone auf. Bzw. den Alu-Hut. Je nachdem.

Halil Alt­intop
Wäre jedes Spiel so wie das 0:0 der Augs­burger gegen Hertha, wir würden nicht 11FREUNDE son­dern 11PHILATELISTEN heißen, über unsere Brief­mar­ken­samm­lung schreiben und das große Phil­ate­listen-Treffen in Bux­te­hude live­ti­ckern. Das wäre näm­lich sicher­lich span­nender als das, was da am Samstag in Berlin geboten wurde. Das Spiel war drö­gestes Gekicke und in etwa so rasant wie ein langes, unter Vali­um­ein­fluss statt­fin­dendes Gespräch mit Rüdiger Hoff­mann übers Schlafen. Einzig Halil Alt­intop rüt­telte uns ein wenig wach, nicht jedoch sport­lich, son­dern sta­tis­tisch. Alt­intop ist mit nun stolzen 250 Bun­des­li­ga­spielen allei­niger tür­ki­scher Rekord­spieler der Liga, dazu gra­tu­lieren wir ihm ganz herz­lich. Als kleines Bonbon nehmen wir ihn in die heu­tige 11 auf, was bedeutet, dass Alt­intop nach seiner Nomi­nie­rung in der Vor­woche nun auch der Augs­burger mit den meisten auf­ein­an­der­fol­genden 11 des Spiel­tags“ – Nomi­nie­rungen ist. Ok, viel­leicht nicht ganz so cool wie 250 Bun­des­li­ga­spiele. Und den­noch: Halil Alt­intop – ein Mann der Super­la­tive.

Heri­bert Bruch­hagen
Auf den Tag genau zehn Jahre war Heri­bert Bruch­hagen am ver­gan­genen Sonntag Vor­stands­vor­sit­zender von Ein­tracht Frank­furt. Das ist ein statt­liche Zeit­spanne, bedenkt man, dass sich ein Vor­stands­vor­sit­zender bei der eins­tigen Diva vom Main in der Pre-Bruch­hagen-Ära meist in etwa so lange im Sattel hielt wie ein Betrun­kener beim Rode­or­eiten. Was auch der Amts­füh­rung vieler von Bruch­ha­gens Vor­gän­gern nahe­kommt. Der knor­rige Ost­west­fale aber hat die Diva ein­ge­fangen und zu einem soliden Klub gemacht, wobei sein staub­tro­ckener Bau­spa­rer­charme manchmal auf den Verein über­zu­gehen droht. Gut, dass sich die Ein­tracht der­zeit also wieder als Diva prä­sen­tiert: Nach dem Grup­pen­sieg in der Europa League ver­sem­melte die SGE das Jubi­läum des Chefs und schenkte ihm ein ärger­li­ches 0:2. Glück­wunsch, Boss. Und: Es gibt noch viel zu tun.

Hakan Calha­noglu
An dieser Stelle könnte auch Han­no­vers Szabolcs Huszti stehen, denn der Han­no­ve­raner ver­senkte eben­falls einen ful­mi­nanten Frei­stoß. Der Treffer von Ham­burgs Hakan Calha­noglu im Spiel gegen Wolfs­burg war aber noch ein wenig spek­ta­ku­lärer, denn Calha­noglu holzte den Ball aus 38 Metern auf das Tor, wo die Murmel von der Latte an den Kopf des ver­dutzen Diego Benaglio sprang und von dort ins Tor. Nochmal: 38 Meter. In Worten: Achtund­reißig. Jun­ge­junge. Calha­no­glus Schuss­technik ist wirk­lich erstaun­lich und erin­nert uns irgendwie an eine Mischung aus Tipp-Kick-Männ­chen und Cris­tiano Ronaldo. Nur dass sich Calha­noglu die Mätz­chen spart und anders als Ronaldo tat­säch­lich oft per Frei­stoß trifft. Wie­viele Frei­stoß­tore der Jung­star mit seiner Sen­sa­tions-Technik noch schießen wird, wissen wir nicht. Wir tippen aber: alle.

Pierre-Eme­rick Aub­ameyang
Im Wett­streit um den porn­ö­sesten Frei­stoß­treffer des Spiel­tags setzten sich aller­dings weder Hakan Chalha­noglu noch Szabolcs Huszti durch. Der Sahne­frei­stoß des Spiel­tags kam von Dort­munds Pierre-Eme­rick Aub­ameyang. Im Spiel gegen Mainz setzte der Gab­uner einen Frei­stoß genau ins linke Kreuzeck, ein Treffer, der so wun­der­schön war, dass er uns denken lässt, dass es nicht genug Kreuz­ecke in einem han­dels­üb­li­chen Fuß­balltor gibt, denn es sollten mehr dieser Treffer fallen. Viel­leicht ist es hier an der Zeit, dem DFB einen Brief zu schreiben.

Thomas Tuchel
Thomas Tuchel ist ein smarter, gelas­sener Typ und ein sym­pa­thi­scher Mensch. Es sei denn, in seiner näheren Umge­bung läuft gerade ein Fuß­ball­spiel. Dann wird, ins­be­son­dere wenn sein Team benach­tei­ligt wird, aus Dr. Tuchel sehr schnell Mr. Hyde. So gesehen mal wieder am Samstag. Als seinen Main­zern im Spiel gegen Dort­mund eine Vor­teil­si­tua­tion abge­pfiffen wurde, ver­an­lasste das den Coach zu einer zor­nigen Schimpf­ti­rade, die sicher­lich die Sen­de­zeit der Sport­schau gesprengt hätte, wenn die Regie nicht irgend­wann wieder aufs Spiel­feld geschaltet hätte. Ähn­lich trotzig-wütende Hass­ti­raden kennen wir hier aus der Redak­tion, wenn das Leber­wurst­fach im Kühl­schrank leer ist. Fast noch schöner als die Tuchels-Tirade waren aller­dings die Reak­tionen von seinem Trai­ner­team und dem Vierten Offi­zi­ellen, die alle­samt über­haupt nicht auf Tuchels Gemotze ein­gingen. Wahr­schein­lich haben sie alles schon tau­sendmal gehört.