Seite 3: Immer noch Vorbild für Vereine in ganz Deutschland

Es gibt einige Par­al­lelen zwi­schen den Ber­liner Türken von Tür­ki­y­em­spor und den Wolfs­burger Ita­lie­nern. In Berlin wurde etwa jah­re­lang der Ata­türk­pokal aus­ge­spielt, aus­ge­richtet von den Kon­su­lats­stellen in Deutsch­land. In regio­nalen Vor­runden qua­li­fi­zierten sich die Teams, um den Meister unter den Deutsch-Türken aus­zu­spielen. Er hatte für die Spieler einen höheren Stel­len­wert als die regu­läre Meis­ter­schaft. Gab’s bei uns auch“, schmatzt Loch­iatto. An einem Wochen­ende reisten alle Ita­liener mit Bussen aus den Kolo­nien des Landes nach Wolfs­burg. Es sind die Hoch­feste der Gast­ar­bei­ter­kultur, einer­seits. Für Kri­tiker ver­stärken sie aber auch den Ein­druck, dass Fuß­ball auch Abschot­tung bedeutet.

Lupo-Mar­tini hat sich aber geöffnet. Heute spielt kaum noch ein Ita­liener in der Ober­liga-Mann­schaft. Über 6000 Lands­leute leben zwar noch immer in der Stadt, aber irgend­wann musst du dir die Frage stellen: was wollen wir? Und für die Ober­liga rei­chen nicht nur Ita­liener“, weiß Rocco Loch­iatto. Ober­liga, das ist heute kaum noch mit Ama­teuren zu bestreiten. Deut­sche, Polen, Kroaten, Gha­naer – genau genommen inter­es­siert das aber auch nie­manden.

Immer noch Vor­bild für Ver­eine in ganz Deutsch­land

Trainer ist Ex-Bun­des­li­ga­profi Detlev Dammeier, der längst keine Regu­la­rien mehr beachten muss, aus wel­chen Län­dern seine Spieler stammen. Und der Asche­platz ist einem modernen Kunst­rasen gewi­chen. Der Verein, so viel­fältig wie seine Stadt und ihre Ein­wohner. Früher war jeder Ita­liener bei Lupo“, sagt Gene­tiempro, heute ist das nicht mehr unbe­dingt der Fall.“ Aus dem Ita­liana“ in U.S.I. ist längst ein Inter­na­zio­nale“ geworden. Früher“, das ist für Pep­pino Gene­tiempro die Zeit, in der das Trikot der eigenen Gemeinde noch die Welt für einen jungen Mann bedeuten konnte. Nach der Schicht noch auf den Platz? Das war an man­chen Tagen der pure Schmerz, der durch die Mus­keln schoss. Wer zum Rudel der Wölfe gehören wollte, musste was dafür tun.

Heute hat Lupo-Mar­tini andere Sorgen. Als Absteiger ver­sucht sich der Verein neu in der Ober­liga zu eta­blieren. Langsam wird es Zeit“, sagt Coppi, der den Verein unbe­dingt noch einmal in die Regio­nal­liga Nord führen möchte. Beim Auf­stieg vor zwei Jahren war das Post­fach von Lupo-Mar­tini, trotz der großen Klappe, bis zum Rand gefüllt. Migran­ten­ver­eine aus ganz Deutsch­land hatten den Pio­nieren aus Wolfs­burg gra­tu­liert.