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3. Liga

Und ihr wollt Wismut Aue sein?“ Eine berech­tigte Frage, die die Fans des FC Erz­ge­birge im Zuge der 1:5‑Heimpleite gegen Wies­baden stellten. Mit Nach­druck. Wer weiß schon, ob sich die Adres­saten – die Spieler – in diesen Momenten nicht wirk­lich an einen anderen Ort wünschten? Viel­leicht nicht unbe­dingt 100 Kilo­meter in Rich­tung Süden, nach Dresden, denn dort sieht es ja ähn­lich aus. Aber zumin­dest doch irgend­wohin, wo nicht gerade ein Zweit­li­ga­ab­steiger in den Nie­de­rungen des Dritt­liga-Klas­se­ments ver­sinkt.

Auf die Schmach gegen Wies­baden folgte jüngst ein tor­loses Unent­schieden in Saar­brü­cken. Trotzdem steht Aue nach fünf Spiel­tagen auf einem Abstiegs­platz in der 3. Liga. Dabei hatte man sich umge­hend oben fest­beißen“ wollen. Sagte zumin­dest der neue Trainer Timo Rost bei seiner Ankunft. Dazu ein paar Flos­keln wie Ärmel hoch­krem­peln“ und Schuss mehr Demut“ – fertig war die Ziel­set­zung für die neue Saison. Den Zielen läuft der FC Erz­ge­birge nun aber früh hin­terher. Also, wo drückt der Schuh?

Über­ra­schung: Viele Zwei­kämpfe in Liga 3

Wer es sich ein­fach machen will, braucht nur ein ein­ziges Wort: Fin­dungs­phase. Der per­so­nelle Umbruch nach dem Abstieg war groß, 18 Neue fanden den Weg nach Aue-Bad Schlema. Es braucht Zeit, bis sich die Kol­legen wirk­lich ken­nen­ge­lernt und auch auf dem Platz abge­stimmt haben. Alles richtig. Nur keine Ent­schul­di­gung für eine 1:5‑Heimpleite – die höchste der eigenen Dritt­li­ga­ge­schichte. Und auch die wei­teren Auf­tritte ließen zu wün­schen übrig. Ins­be­son­dere von der ein­ge­for­derten Demut ist bis­lang wenig zu erkennen.

Den besten Beweis dafür lie­ferte kürz­lich Mann­schafts­ka­pitän Dmi­trij Nazarov. Aue hatte sich gerade zu einem 1:1 gegen den VfL Osna­brück gequält, als Nazarov vor das MagentaSport“-Mikrofon trat und vom Leder zog. Wir hatten uns mehr vor­ge­nommen und wollten ein Zei­chen setzen, aber in dieser Kack­liga wird kaum Fuß­ball gespielt“, sagte er. Und: Das ist ein ganz schönes Gehacke.“ Sicher, Regel Nummer eins in Liga 3 lautet: Erst die Grät­sche, dann der Fuß­ball. Aber das wusste Nazarov längst, immerhin kennt er die Liga aus seiner Zeit bei Preußen Münster. So stellt sich viel­mehr die Frage: Warum hackt Nazarov nicht, wenn das Hacken in der Spiel­klasse doch so ele­mentar ist?

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Hat sich Timo Rost ver­spe­ku­liert?

Hier geht der Kelch zurück an Trainer Rost, der Nazarov nach dessen Aus­sagen zwar in die Pflicht nahm, aber zwangs­läufig den Bären­an­teil am Auf­treten seiner Mann­schaft zu ver­ant­worten hat. Es drängt sich ein Ver­dacht auf: Rost hat sich ver­spe­ku­liert. Und zwar indem er zu viel aus seiner mit dem Dritt­liga-Auf­stieg abge­lau­fenen Bay­reu­ther Zeit auf sein neues Team über­tragen wollte. Inklu­sive meh­rerer Spieler. Erst einmal nicht son­der­lich abwegig: Denn mit der SpVgg hatte Rost in der ver­gan­genen Regio­nal­li­ga­saison alles in Grund und Boden geschossen. 103 erzielte Treffer spre­chen eine klare Sprache – die des Angriffs­fuß­balls.

Der 43-Jäh­rige baute also auf die guten Erfah­rungen der jungen Ver­gan­gen­heit. Dazu passt, dass Tim Danhof und Ivan Kne­zevic, die ihrem Trainer nach Aue folgten, in der Offen­siv­ab­tei­lung ein­zu­ordnen sind. Sie sollten wohl eine Prise spiel­freu­diger Bay­reuth-Phi­lo­so­phie mit­bringen. In den ersten Spielen war dann auch immer wieder zu beob­achten, wie sich Aue darum bemühte, das Spiel zu struk­tu­rieren und aus eigenem Ball­be­sitz heraus zu agieren. In fast jeder anderen Liga ein löb­li­cher Ansatz, in Liga 3 leider selten erfolgs­ver­spre­chend. Ergebnis: Die erfah­rene Dritt­li­ga­kon­kur­renz wartet gegen den FCE geduldig auf frei­wer­dende Räume und fährt dann schnelle Konter.

In Aues Trainer scheint es zu arbeiten. Und es ist ihm zugute zu halten, dass er schnelle Schlüsse zieht. Nach der Klat­sche gegen Wies­baden – auch abseits jeg­li­cher Spiel­idee ein Offen­ba­rungseid – sagte Rost: Es ist ganz klar meine Auf­gabe, eine Mann­schaft auf den Platz zu schi­cken, die solche Spiele gewinnen oder zumin­dest bestehen kann.“ Im Aus­wärts­spiel bei Spit­zen­mann­schaft Saar­brü­cken sah die Sache tat­säch­lich schon anders aus. Vor allem in Sachen Kom­pakt­heit. Aue stellte Qua­li­täten unter Beweis, die in der Kack­liga nun einmal gefragt sind.

End­lich wieder Wismut

Sieben Jahre lang hatte sich Aue nicht mit der rohen Gangart in Liga 3 her­um­schlagen müssen. Eine Leis­tung, die sich auch der nicht mehr unum­strit­tene, doch nach wie vor mäch­tige Prä­si­dent Helge Leon­hard auf die Fahne schreibt. Leon­hard ist ein Mann klarer, zuweilen dras­ti­scher Worte, was nicht nur die Bou­le­vard­presse regel­mäßig erfreut. Wir dürfen nicht rum­heulen oder lethar­gisch werden, son­dern brau­chen Erfolgs­er­leb­nisse“, sagte er der Bild“ vor dem Wies­baden-Spiel.

So wenig das gegen die Hessen klappte, so viel Wahres birgt die Aus­sage doch in ihrem Grund­satz. Dass die Abläufe in der neu­for­mierten Mann­schaft noch nicht abge­stimmt sind? Ganz normal. Dass die Truppe aber mit­unter mutlos wirkt und mit der Gangart in Liga 3 frem­delt? Sehr ungünstig. Gilt hier doch gerade das cou­ra­gierte Gehacke als Erfolgs­re­zept, auch am Sonntag gegen eben­falls strau­chelnde Dresdner. Wismut statt Withoutmut eben.