Seite 3: „Und auch ich dachte: Lasst mich doch einfach spielen!“

Sie sind mitt­ler­weile selbst Vater. Wie ehr­geizig schauen Sie Ihrem Sohn beim Fuß­ball­spielen zu?
Ich bin da völlig ent­spannt, er ist vier Jahre alt. Einmal hat er sich mit dem Tor­wart unter­halten und dann haben sie ein Tor kas­siert. Die Kids machen das, worauf sie Lust haben und das ist auch gut so. Wenn mein Sohn in zehn Jahren Bock auf Bal­lett oder Kla­vier­spielen hat, soll er das machen. 

Ist Fuß­ball noch Ihre Lei­den­schaft?
Auf jeden Fall. Ich schaue jedes Spiel von Hansa Ros­tock. 

Ihr Her­zens­verein?
Als Kind war es Hertha mit Gabor Kiraly, Mar­cel­inho und Dariusz Wosz. Vor unge­fähr einem Jahr habe ich Wosz bei einem Bene­fiz­spiel getroffen und mir sein Trikot geholt. Zu ihm habe ich auf­ge­schaut.

Ein halbes Jahr spielte ich für die zweite Mann­schaft, dann holte er mich in die 3. Liga“

Kevin Pannewitz über sein Comeback bei Carl Zeiss Jena

2018 ist Ihnen das Come­back im Pro­fi­fuß­ball bei Carl Zeiss Jena in der 3. Liga gelungen. Wie kam es dazu?
Mein Freund Timmy Thiele spielte damals bei Jena. Nachdem sie ein Regio­nal­li­ga­spiel ver­loren hatten, habe ich Timmy damit auf­ge­zogen. Er meinte dar­aufhin, ich solle abnehmen und zum Trai­ning kommen, wenn ich es besser könne. Er sprach mit den Ver­eins­ver­ant­wort­li­chen und ich fing an, für mein Come­back zu trai­nieren. Um die letzten 15 Kilo abzu­nehmen, hat mich Timmy bei sich wohnen lassen und ange­spornt.

Und dann?
Ich habe einen Test zu Beginn gemacht, der bewies, dass ich zwar fit war, aber meine Bewe­gungs­ab­läufe und Reak­ti­ons­zeiten waren weit hinter den Anfor­de­rungen. Im Trai­ning war das gar nicht zu sehen, weil ich halt kicken kann. Und auch ich dachte: Lasst mich doch ein­fach spielen! Trainer Mark Zim­mer­mann hat es aber genau richtig gemacht. Ein halbes Jahr spielte ich für die zweite Mann­schaft, dann holte er mich in die 3. Liga. Er hat mir die Zeit gegeben, die ich brauchte, ehe ich regel­mäßig spielte. 

Bis Lukas Kwas­niok der neue Trainer in Jena wurde…
Der hatte gar keinen Bock auf mich. Ich bin nach Weih­nachten mit zwei­ein­halb Kilo zu viel wie­der­ge­kommen, die hätte ich in zehn Tagen weg­trai­nieren können. Ich kam an einem Diens­tag­morgen zum Trai­nings­ge­lände, mit einem Kaffee in der Hand und wurde ins Büro des Coa­ches gerufen. Dort emp­fing er mich mit Geschäfts­führer Chris Förster und ich wurde fristlos gekün­digt. Ich durfte nicht mehr mit der Mann­schaft trai­nieren und musste direkt ver­schwinden.

Die Gewichts­pro­bleme ziehen sich durch Ihr ganzes Leben. Beneiden Sie des­halb andere Profis?
Ich beneide sogar meine beiden Brüder. Wenn ich die Gene meines kleinen Bru­ders hätte, dann hätte ich meinen Weg gemacht. Der kann essen, was er will, und bleibt schlank.