Seite 3: Alles andere als ein unantastbarer Held

Nach dem Debakel bei der Copa Amé­rica 2011 wurde auf Vérons Emp­feh­lung hin der eher boden­stän­dige Ale­jandro Sabella zum Nach­folger von Batista bestimmt. Gleich in seinem ersten Inter­view stellte er klar: Messi ist der beste Spieler der Welt, Messi ist Argen­ti­nier, also wird die Mann­schaft um Messi herum gebaut. Er ernannte ihn zu seinem Anführer und Kapitän, Javier Mascherano musste die Binde abgeben. Es gibt Leader, die viel reden, und andere, die eher zurück­hal­tend sind. Man muss nicht her­um­schreien, um eine Mann­schaft zu führen“, unter­stützte Javier Zanetti die Ent­schei­dung.

Sabella setzte sich mit Messi zusammen und fand heraus, was dieser wirk­lich wollte und wie er sich am wohlsten fühlte, näm­lich mit vielen offen­siven Spie­lern um sich herum. Er mochte es nicht und war es auch nicht gewohnt, nur einen oder zwei Stürmer vor sich zu haben. Er brauchte drei. Also stellte Sabella auf ein 4 – 3‑3-System um, das manchmal zu einem 4−2−4 wird. Das ist nicht unbe­dingt das, was ich früher gemacht habe, aber beson­dere Umstände erfor­dern beson­dere Maß­nahmen“, sagte Sabella.

Die neue Rolle als Kapitän

Statt Bar­ce­lona zu kopieren, ori­en­tierte sich Sabella eher an Real Madrid: er nahm Di María und Gon­zalo Higuaín und stellte ihnen Messi und Agüero zur Seite. Statt auf Ball­be­sitz zu bauen, ver­wan­delte sich Sabellas Argen­ti­nien in eine brand­ge­fähr­liche, schnelle Kon­ter­ma­schine. Zwei defen­sive Mit­tel­feld­spieler zur Absi­che­rung, ein schneller Pass auf einen der Fan­tas­ti­schen Vier“ und dann binnen zehn Sekunden der Tor­ab­schluss.

Messi begann so häufig zu treffen wie in Bar­ce­lona. Bald fragte nie­mand mehr, auf wel­cher Posi­tion er spielen solle oder wel­ches System besser zu ihm passe, ob er die Hymne singen könne oder nicht. Die Ver­gleiche mit Bar­ce­lona hörten auf, und sein Enga­ge­ment wurde nicht mehr in Frage gestellt. Auch seine neue Rolle als Kapitän wirkte sich positiv aus, er wurde von der Mann­schaft als Anführer und bester Spieler respek­tiert. Die Ver­gan­gen­heit war passé.

Messi reist heute lieber zum argen­ti­ni­schen Team als jemals zuvor

Inzwi­schen gibt kein argen­ti­ni­scher Fan mehr zu, Messi jemals kri­ti­siert zu haben, aber was pas­siert wohl, falls er in Bra­si­lien nicht gewinnt? Seine zuletzt mäßigen Leis­tungen für Bar­ce­lona wer­teten manche als gutes Zei­chen dafür, dass er schon an die WM denke; andere hin­gegen fragten sich, ob er noch recht­zeitig in Form komme.

So oder so ist es nicht schön, einen trau­rigen Messi zu erleben, so wie es bis 2011 fast immer der Fall war, sobald er das blau­weiße Trikot über­streifte. Sabella hofft, dass die Natio­nal­mann­schaft inzwi­schen einen hei­lenden Ein­fluss auf Messis Moral hat. Messi reist heute lieber zum argen­ti­ni­schen Team als jemals zuvor. Aber egal, wie außer­ge­wöhn­lich er ist, man hat immer das Gefühl, als befinde er sich auf dem Prüf­stand. Sollte er Argen­ti­nien zum WM-Titel führen, könnte er sich der ewigen Dank­bar­keit seiner Lands­leute sicher sein. Bis dahin aber ist Messi für sie alles andere als ein unan­tast­barer Held.