Seite 2: Verfluchtes Barcelona

Mal­dito Bar­ce­lona („Ver­fluchtes Bar­ce­lona“) wurde zum meist­ge­le­senen Artikel auf der Web­site des Sport­ma­ga­zins El Gra­fico“. Ein Essay über die fixe Idee der Argen­ti­nier, Peps Barça zu imi­tieren, und über die Unmög­lich­keit, es ohne das pas­sende Per­sonal zu schaffen. Der Artikel erschien am Tag, nachdem die Albice­leste bei der Copa Amé­rica 2011 im eigenen Land gegen Kolum­bien nicht über ein 0:0 hin­aus­ge­kommen waren. Messi war vom Publikum aus­ge­buht worden, es war einer der bit­tersten Abende seiner Kar­riere.

Das Tur­nier geriet zum Debakel für Argen­ti­nien, schon im Vier­tel­fi­nale war Schluss, und Messi blieb wie schon bei der WM in Süd­afrika ohne Tor. Für die hei­mi­schen Fans sah es so aus, als wäre der argen­ti­ni­sche Messi nur eine bil­lige Kopie des kata­la­ni­schen Ori­gi­nals. In 16 Pflicht­spielen hin­ter­ein­ander war ihm kein ein­ziger Treffer gelungen.

Messi als Bei­spiel für men­tale Blo­ckade

Wenn ich Messi hätte, würde ich ihn als Joker ein­setzen“, frot­zelte der Trainer der Argen­tinos Juniors aus Buenos Aires, Ricardo Caruso Lom­bardi. Wie die gehirn­ge­wa­schenen Anhänger einer Sekte fingen immer mehr Leute an, den aber­wit­zigen Geschichten zu glauben, denen zufolge spa­ni­sche Ver­tei­diger nicht eng genug deckten, die Cham­pions League ein­fa­cher zu spielen sei als ein Heim­spiel gegen Boli­vien oder Valencia ein leich­terer Gegner als Atlé­tico Rafaela.

El Grá­fico“ musste sich den Vor­wurf gefallen lassen, zu viel über Messi zu berichten, dessen Extra­klasse manche Leute inzwi­schen als eine Erfin­dung der Medien betrach­teten. Wenn Fern­seh­psy­cho­logen zu erklären ver­suchten, was eine men­tale Blo­ckade sei, führten sie Messi als Bei­spiel an.

Die Jungs ver­ar­schen mich“

Dann gab es noch die­je­nigen, die ihm vor­warfen, sich nicht um sein Land zu scheren. Er lebe schon so lange in Spa­nien, sei in Bar­ce­lona auf­ge­wachsen und esse lieber kata­la­ni­sche Boti­farra als argen­ti­ni­sches Cho­ripán. Er könne nicht einmal die Natio­nal­hymne singen, wie sollte ihm da die Fahne etwas bedeuten? Die Jungs ver­ar­schen mich und schi­cken mir Aus­schnitte aus der Natio­nal­hymne, um mich hoch­zu­nehmen“, ver­riet Messi. Hinter sol­chen Witz­chen steckte Juan Sebas­tian Verón, der so etwas wie eine Vater­figur für Messi war und ihm klar­zu­ma­chen ver­suchte, dass er die Dinge mit Humor nehmen solle.

Doch es blieb für Messi schwierig daheim. Keiner der Kol­legen im Natio­nal­team stand unter einem sol­chen Druck. Messi sollte nicht nur Spiele alleine ent­scheiden, son­dern musste auch noch mit den Palast­in­trigen zurecht­kommen, die bei den Argen­ti­niern seit 1990 gang und gäbe sind. Zwei Gruppen, ver­schie­denen Anfüh­rern ver­pflichtet, schauten arg­wöh­nisch auf Messi, und er wusste nicht, wie er sich ein­fügen sollte. Als wäre das nicht schon genug, sollte er auch noch in die Fuß­stapfen Mara­donas treten, denn wäre er wirk­lich so gut, wie alle behaupten, dann müsste er doch wohl auch Welt­meister werden.