Seite 3: Spannung und tolle Typen

6. Tolle Typen

Wäh­rend im durch­or­ches­trierten Pro­fi­be­reich die Authen­ti­zität immer mehr ver­loren geht und man ver­geb­lich nach inter­es­santen Typen sucht, kann man sie in der Regio­nal­liga Nordost noch finden. Ingo Kahlisch ist nicht nur der Coach mit der längsten Amts­zeit in Deutsch­land, son­dern hätte wohl auch auf dem Schleu­der­sitz des HSV eine län­gere Halb­wert­zeit als der Groß­teil seiner Kol­legen. Immerhin trai­niert er seit über 30 Jahren die erste Mann­schaft von Optik Rathenow. Wäh­rend Spieler und Liga­zu­ge­hö­rig­keit im Havel­land kon­ti­nu­ier­lich wech­selten, stand er Jahr für Jahr an der Sei­ten­linie. Seine Energie holt sich der mitt­ler­weile 64-jäh­rige Kult­trainer ver­mut­lich durch die zehn Tassen Kaffee, die er täg­lich trinkt, wie er dem Sport­buzzer ver­riet.

Aber auch andern­orts stehen inter­es­sante Per­sön­lich­keiten am Spiel­feld­rand. Ins­be­son­dere das erfah­rende Trai­nerduo der VSG Alt­glie­nicke ist span­nend und glänzt neben jahr­zehn­te­langer Fach­kom­pe­tenz vor allem durch klare Posi­tionen. Karsten Heine und Thorsten Mat­tuschka sind es alleine allemal wert, ein Spiel der Köpe­ni­cker zu besu­chen.

Bei Tennis Borussia kann man dagegen viel­leicht sogar mit einem kom­menden Bun­des­kanzler ins Gespräch kommen. Regel­mäßig gibt sich Kevin Küh­nert im Fan­block der Char­lot­ten­burger die Ehre.

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VSG-Alt­glie­nicke: Chef­trainer Karsten Heine (rechts) und Thorsten Mat­tuschka

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7. Span­nung!

Da dieses Jahr der Tabel­len­erste direkt auf­steigt und sich nicht durch die Rele­ga­tion quälen muss, möchte prak­tisch die halbe Liga ins­ge­heim auf­steigen. Vor allem für Tobias Geber, den Ost­fuß­ball-Experten vom Drü­ber­ge­halten Pod­cast, sind die beiden Absteiger Chem­nitzer FC und der FC Carl Zeiss Jena aber auch Energie Cottbus Favo­riten auf den Auf­stieg. Alle drei Klubs stehen dabei eigent­lich in der Pflicht, die bal­dige Rück­kehr in den Pro­fi­be­reich schnellst­mög­lich zu rea­li­sieren. Wäh­rend Energie Cottbus auf­grund ver­hält­nis­mäßig großer Inves­ti­tionen quasi zum Auf­steigen ver­dammt ist, hat der Chem­nitzer FC trotz Spenden seiner Fans von über einer halben Mil­lion Euro die Insol­venz noch nicht end­gültig abge­wendet.

Hinter dem ambi­tio­nierten Trio, bei dem Anspruch und Wirk­lich­keit in den letzten Jahren oft aus­ein­an­der­klafften, lauert die ein­ge­spielte VSG Alt­glie­nicke. Chef­trainer Karsten Heine, der davon aus­geht, dass es bis zum letzten Spieltag eng zugehen wird, ver­riet im Gespräch mit 11FREUNDE: Tabel­la­risch haben wir uns kein kon­kretes Ziel gesetzt, aber natür­lich wollen wir alles dafür tun, dass wir wieder oben mit­spielen. Dabei werden wir von unserer offen­siven Spiel­weise nicht abwei­chen.“

Doch auch der BFC Dynamo, Lok Leipzig zuletzt in der Rele­ga­tion geschei­tert oder der SV Babels­berg 03 träumen von bes­seren Zeiten und einem Auf­stieg. Zudem ist Hertha BSC II auf­grund der Unter­stüt­zung durch die Bun­des­li­ga­mann­schaft und zahl­rei­cher Talente nie zu unter­schätzen. Im Abstiegs­kampf wird es ver­mut­lich ähn­lich eng zu gehen. Immerhin gibt es mit TeBe, Chemie, Lucken­walde, Lich­ten­berg 47, Auer­bach, Hal­ber­stadt und Bischofs­werda sieben Ver­eine, die im Gegen­satz zum Rest der Liga wei­terhin nicht unter Profi-ähn­li­chen Bedin­gungen arbeiten. Bei denen die Spieler also nebenbei noch arbeiten müssen.

Ange­sichts dieser hohen Leis­tungs­dichte traut sich nicht einmal die 11FREUNDE-Redak­tion, eine seriöse Pro­gnose abzu­geben.

Viel Lei­den­schaft, wenig Schnick­schnack

Ins­ge­samt tum­meln sich in der Regio­nal­liga Nordost also zahl­reiche Ver­eine, die his­to­risch große Erfolge erringen konnten (DDR-Rekord­meister BFC Dynamo), über ein großes Fan­po­ten­zial ver­fügen (die halbe Liga), viel Tra­di­tion besitzen (mehr als die halbe Liga) und große Ambi­tionen haben (bei dieser Liste kann nahezu wöchent­lich ein neuer Verein hin­zu­kommen). Alle Klubs eint zudem ihre Unvoll­kom­men­heit, ein bereits durch­ge­machter Absturz und die Sehn­sucht nach bes­seren Zeiten. Für Fuß­ball-Lieb­haber, die an einem Sport mit wenig Schnick­schnack, viel Lei­den­schaft und inter­es­santen Kon­stel­la­tionen inter­es­siert sind, lohnt sich ein Besuch in der ver­mut­lich besten Regio­nal­liga aller Zeiten. Falls man phy­sisch nicht anwe­send sein kann, über­tragt zwar nicht mehr das DSF, manchmal aber immerhin Sport1 und fast immer auch der MDR oder der RBB.