Uwe Kamps, Sie sind seit 2003 Tor­wart­trainer bei Borussia Mön­chen­glad­bach. Ist Ihnen dort in all den Jahren ein so guter Tor­wart wie Marc-André ter Stegen begegnet?
Uwe Kamps: Marc ist mir natür­lich früh ins Auge gefallen, weil er für seine Alters­klasse außer­ge­wöhn­lich gut und reif war. Ich bin ja nicht nur Tor­wart­trainer der Män­ner­mann­schaft, son­dern küm­mere mich auch um die jün­geren Jahr­gänge bis hin­unter zur U17. Wir zwei haben also schon ein paar Jahre zusammen auf dem Buckel.

Was ist ter Stegen für ein Typ?
Uwe Kamps: Marc ist unglaub­lich fokus­siert. Er ist sehr ent­schlossen, ehr­geizig und will sich ständig ver­bes­sern. Diese Art hat ihn schon sehr weit gebracht.

Er wirkt für sein Alter unglaub­lich ruhig. Ist das nur Show?
Uwe Kamps: Auf keinen Fall. Das ist weder ein Spiel für die Presse, noch auf­ge­setzt. Marc ist ein­fach ein gelas­sener Typ, was auch gut ist, denn schließ­lich ist in den ver­gan­genen Monaten sehr viel auf ihn ein­ge­pras­selt. Erst der Abstiegs­kampf, jetzt diese über­ra­schend erfolg­reiche Saison, das ist schon extrem für einen so jungen Kerl. Er hat sich in der Zeit nicht ver­än­dert. 

Gegen Lever­kusen und Hof­fen­heim zeigte ter Stegen zuletzt leichte Unsi­cher­heiten. Wird er in der ent­schei­denden Phase der Saison nervös?
Uwe Kamps: Wir züchten uns hier ja keine Maschine. Es gibt halt Phasen, die nicht so optimal laufen. Ein Tor­wart muss sich wei­ter­ent­wi­ckeln und das ist alleine durch Glücks­ge­fühle nicht machbar, auch wenn das schön wäre. Man muss auch die andere Seite ken­nen­lernen.

Werden junge Tor­hüter heute zu früh hoch­ge­ju­belt?
Uwe Kamps: Tat­säch­lich haben wir eine Menge Talente in der Bun­des­liga. Marc, dazu Bernd Leno, Sven Ulreich, Kevin Trapp, Oliver Bau­mann, selbst Manuel Neuer ist ja mit 26 noch recht jung. Die haben alle eine enorme Qua­lität.

Warum haben wir im Moment eine so starke Tor­hü­ter­ge­nera­tion?
Uwe Kamps:Die inten­si­vierte Talent­för­de­rung mit Schaf­fung der Leis­tungs­zen­tren nach der desas­trösen EM 2000, zahlt sich inzwi­schen nicht mehr nur bei den Feld­spie­lern aus, son­dern auch bei den Tor­hü­tern.


Beson­ders gepriesen wird das fuß­bal­le­ri­sche Können von Marc-André ter Stegen. Trai­nieren Sie das regel­mäßig oder ist er ein­fach so talen­tiert am Ball?
Uwe Kamps: Das trai­nieren wir, aber es gehört schon sehr viel Talent dazu, denn sonst könnten wir uns ja alle vier Jahre einen neuen ter Stegen bas­teln.

Wie oft trai­nieren Sie die Tor­hüter?

Uwe Kamps: Jeden Tag. Ich bereite Marc und die anderen (Chris­tofer Hei­meroth und Janis Blas­wich, d. Red.) auf die anschlie­ßende Ein­heit mit der Mann­schaft vor. Es gibt auch Tage, an denen ich die Jungs für mich alleine habe. Das ist wichtig, denn nur so kann ich an den ver­schie­denen Dingen wie Technik, Koor­di­na­tion und Stel­lungs­spiel arbeiten.

Am 15.09.2011 verlor ter Stegen bei einem Zusam­men­prall mit Ihnen zwei Zähne , Sie erlitten eine Platz­wunde am Kopf. Geht es bei Ihnen im Trai­ning immer so hart zu?
Uwe Kamps: (lacht) Nein, das war sogar eine rege­ne­ra­tive Ein­heit, lockeres Fuß­ball­tennis. Marc und ich waren in einem Team und gingen zum Kopf­ball hoch. Wir sahen aus wie nach einem Box­kampf. Eine Narbe habe ich als Andenken behalten. Marc hat inzwi­schen wieder alle Zähne in einer Reihe. Fuß­ball­tennis in der Form gibt es übri­gens nicht mehr bei uns.

Sie zwei arbeiten nun schon lange zusammen. Hat sich dabei eine beson­dere Bezie­hung ent­wi­ckelt?
Uwe Kamps: Sicher­lich haben wir eine enge Bezie­hung zuein­ander auf­ge­baut und ver­trauen ein­ander. Unsere Kom­mu­ni­ka­tion stimmt ein­fach. Und vom Alter her könnte Marc ja fast mein Sohn sein.

Letzte Frage: Bei der EM 2012 ist Marc-André ter Stegen…?
Uwe Kamps: (lacht) …hof­fent­lich im Kader der Natio­nal­mann­schaft!