Timo Baum­gartl, für dieses Bun­des­li­ga­wo­chen­ende haben Sie eine Initia­tive ins Leben gerufen, die für mehr Auf­merk­sam­keit für die Hode­krebs­vor­sorge wirbt. Sie und einige wei­tere Bun­des­li­ga­spieler werden des­halb mit einer lilanen Schleife am Schuh auf­laufen. Wie kam es zu der Aktion?
Zu meinem Come­back schenkte mir mein Aus­statter Adidas ein Paar Schuhe mit einer sol­chen Schleife darauf. Die Schleife steht stell­ver­tre­tend für den Kampf gegen den Hoden­krebs. Außerdem gibt es jeden November die Aktion Movember“, bei der Männer einen Monat lang nur einen Ober­lip­pen­bart tragen. Wäh­rend des Monats wird hin­sicht­lich der Krebs­for­schung viel gemacht. Da dachte ich mir: Komm’, lass uns mal etwas anderes machen. Es könnte ja ganz cool sein, wenn neben mir auch andere Spieler die Schleife auf den Schuhen tragen. Ich hoffe also, dass an diesem Spieltag so viele Spieler wie mög­lich bei der Aktion mit­ma­chen.

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Felix Klein

Können Sie ver­raten, welche Spieler genau bei der Aktion mit­ma­chen werden?
Im Opti­mal­fall jeder Bun­des­li­ga­spieler, der so wie ich Schuhe von Adidas trägt. Die unter­stützen mich bei der Aktion. Hier bei Union wird das der Fall sein. Ich bin echt gespannt drauf, wer am Ende alles mit­macht.

Wie waren die Reak­tionen aus dem Team?
Die Kol­legen aus der Mann­schaft habe ich beim Trai­ning ganz normal gefragt, ob sie denn Lust darauf hätten, mit mir ein Zei­chen zu setzen. Die Orga­ni­sa­tion im Team lief total unkom­pli­ziert. Da war jeder direkt dabei.

Wir wollen allen Men­schen, die unter einer Krebs­er­kran­kung leiden, unsere Soli­da­rität zeigen und ihnen Mut machen“

Timo Baumgartl

Was ist für Sie das Wich­tigste bei der Aktion?
In erster Linie, dass junge Männer dafür sen­si­bi­li­siert werden, zur Vor­sorge zu gehen. Denn es kann ein­fach jeden treffen. Ich selbst bin 26 Jahre jung, Pro­fi­sportler und hatte den­noch Hoden­krebs. Die Krank­heit kann leider auch einen kern­ge­sunden Men­schen treffen. Aber mit der Aktion wollen wir allen Men­schen, die unter einer Krebs­er­kran­kung leiden, unsere Soli­da­rität zeigen und ihnen Mut machen.

Tun die Ver­eine und der Ver­band in diesem Zusam­men­hang genug?
Schwer zu sagen. Für mich ist es eher wich­tiger, dass sich das Kran­ken­kas­sen­system ändert und die Vor­sorge auch für Männer unter 45 Jahren bezahlt wird. Frauen gehen mit 14 bezie­hungs­weise nach der ersten Periode regel­mäßig zum Frau­en­arzt zum Check Up und Männer bekommen es erst relativ spät bezahlt. Da ist es natür­lich nicht für jeden mög­lich, das finan­ziell zu stemmen. Ver­än­dert sich das, wäre schon viel gewonnen.

Wie wurden Sie per­sön­lich wäh­rend Ihrer Erkran­kung vom Verein unter­stützt?
Ich habe in dieser Zeit Abstand vom Fuß­ball gesucht, weil es für mich primär darum ging, zu über­leben. Und da ist der Sport zweit­rangig. Union hat mir diesen Frei­raum gegeben. Aber auch die PSV Eind­hoven, mein Stamm­verein, hat mir sehr geholfen, wor­über ich heute noch dankbar drüber bin.

„Man darf sein Lachen nicht verlieren" Timo Baumgartl über Krebs

Wäh­rend sich seine Mann­schafts­kol­legen auf die neue Saison vor­be­reiten, hat Timo Baum­gartl ganz andere Sorgen: Er muss sich nach einer Hoden­krebs-Erkran­kung zurück­kämpfen.

Auch bei Marco Richter und Jean-Paul Boë­tius von Hertha BSC wurde zuletzt Hoden­krebs dia­gnos­ti­ziert. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie von diesen Fällen gehört haben?
Natür­lich hat mich das sehr mit­ge­nommen. Richter und Boë­tius hatten dahin­ge­hend Glück, dass beide immerhin keine Che­mo­the­rapie machen mussten. Bei Sébas­tien Haller von Borussia Dort­mund sieht das anders aus. Er hatte einen ähn­li­cheren Ver­lauf wie ich, aber scheint mitt­ler­weile auf dem Weg der Bes­se­rung zu sein. Hof­fent­lich bleibt das so. Ich drücke die ganze Zeit die Daumen, dass Sébas­tien schon bald auf den Platz zurück­kehren kann und dass die zwei Jungs von Hertha nie­mals in ihrem Leben eine Chemo brau­chen werden.

Denken Sie, dass die vielen Fälle zumin­dest dabei geholfen haben könnten, mehr Auf­merk­sam­keit für das Thema zu gene­rieren?
Es ist ein­fach so, dass wir Fuß­baller eine Vor­bild­funk­tion haben. Allein schon durch unsere große Prä­senz in den Medien. Das gibt uns die Mög­lich­keit, solche Pro­bleme mit unserer Reich­weite anzu­spre­chen. Ich finde, wir sollten solche Mög­lich­keiten immer nutzen, wenn sie sich bieten.