Drei Spiele ist die Rück­runde der lau­fenden Spiel­zeit nun alt. Die Bilanz: einmal Pokal, zweimal Liga, dreimal Schieds­richter-Lamento. Doch was gegen Bremen immerhin noch knuffig wirkte, nimmt nach nun­mehr drei Begeg­nungen fast schon mani­sche Züge an. Lauscht man den Inter­views von Spie­lern, Trai­nern und Funk­tio­nären, so könnte man bei­nahe zum Schluss kommen, neuer Schiri-Obmann des DFB sei Robert Hoyzer per­sön­lich: Alle Elf­meter grund­sätz­lich unbe­rech­tigt, der Gegner massiv bevor­teilt, der schwarz­gelbe Sieg mut­willig ver­hin­dert. Alles hat sich, so scheint es, gegen die Borussia ver­schworen. Und ganz beson­ders natür­lich die ver­meint­lich Unpar­tei­ischen.

Nun gehörte im Pokal­spiel gegen Werder schon eine gehö­rige Por­tion Chuzpe dazu, den Elf­me­tern eine wie auch immer gear­tete Strit­tig­keit zu attes­tieren. Trainer Thomas Doll indes ficht das nicht an, vor lau­fenden Fern­seh­ka­meras beiden glas­klaren Straf­stößen mit einer sol­chen Verve die Regel­kon­for­mität abzu­spre­chen, dass man­cher Medi­en­ver­treter betreten zu Boden geschaut haben dürfte.

Gegen Duis­burg und die Blauen hatte die Abtei­lung Attacke – zuge­geben – einen ungleich bes­seren Stand. Zwar hatte die eigene (Hinter-)Mannschaft in beiden Par­tien gran­dios ver­sagt, doch immerhin die Schieds­rich­ter­ent­schei­dungen waren nun bedeu­tend strit­tiger: Ein gege­bener Elf­meter in Duis­burg, ein nicht gege­bener im Derby, dazu die rote Karte gegen Dede. So konnte es also beginnen, das große Weh­klagen über par­tei­ische Unpar­tei­ische, begüns­tigte Blaue und den chro­nisch benach­tei­ligten BVB: Fans, Spieler und Offi­zi­elle stimmten ein in einen kol­lek­tiven Chor -– die gelbe Wand der letzten Tage gleicht eher einer Kla­ge­mauer.

Doch Moment einmal! Als Dede in Duis­burg zur ver­häng­nis­vollen Grät­sche Nummer Eins aus­holte, führte der MSV bereits durch zwei Treffer, die die ganze Hilf­lo­sig­keit der schwarz­gelben Abwehr scho­nungslos offen­ge­legt hatten. Als Sebas­tian Kehl im Derby fiel oder wie­derum der Bra­si­lianer sich gegen das Blau­kraut mit der nächsten Grät­sche ver­ab­schie­dete, hatte man diesem bereits zwei Treffer selbstlos über­eignet. Natür­lich ist es trotzdem legitim, die strit­tigen Szenen zu dis­ku­tieren und sich über jede Fehl­ent­schei­dung des Mannes in Schwarz (Rot, Grün, .) zu erei­fern. Die Vehe­menz, mit der dies jedoch der­zeit geschieht, ist arg über­trieben. Und die Mär vom benach­tei­ligten BVB gera­dezu pein­lich für jeden, der noch die Bilder der Rück­runde 2002 vor Augen hat.

Zumal man beim BVB ohnehin offenbar nicht den Mut hat, mit der­selben Über­zeu­gung vor das Sport­ge­richt zu treten, die man zuvor noch vor den Mikro­fonen bekundet hat. Denn wie schon in der Hin­runde, in der Causa Wei­den­feller, hieß es nun auch wieder bei Dede: Verein und Spieler akzep­tierten das Urteil“. Wer soll das denn noch ernst nehmen?

Vor allem aber lenkt es von den Unzu­läng­lich­keiten ab, die schon die gesamte Saison über sichtbar sind und in den Spielen nach der Win­ter­pause mehr denn je zu Tage kamen. Fakt ist: Die Defen­sive der Borussia ver­dient kaum ihren Namen, durch­schnitt­liche drei Gegen­tore in den zurück­lie­genden vier Pflicht­spielen spre­chen eine deut­liche Sprache und sind schlichtweg zu viel, um im Pro­fi­fuß­ball punkten zu können. Die Dar­bie­tung der Herren Ziegler, Ame­dick, Wörns, Kovac und Dede in diesen Spielen waren ein­fach nicht bun­des­li­ga­taug­lich. Eine Fokus­sie­rung auf die Fehl­ent­schei­dungen des Schieds­rich­ters mutet ange­sichts dessen an, wie das Schließen der Augen, nur damit die großen Pro­bleme im Defen­siv­ver­band end­lich ver­schwunden sind. Das aller­dings wäre ein gefähr­li­cher Trug­schluss. Wir alle – Fans, Spieler, Trainer und Ver­eins­füh­rung – tun gut daran, uns schleu­nigst der erneuten Gefahr bewusst zu werden, die dem Verein droht. Und die nicht etwa auf die Namen Fandel, Kempter oder Gagel­mann hört.

Im Übrigen sollten wir das Rum­ge­heule ohnehin lieber den Nach­barn über­lassen. Tränen stehen nur den Uschis wirk­lich gut.