Marcus Mann, gerade erst sind Sie am grünen Tisch zum Auf­steiger erklärt worden. Nun steht ein wei­teres High­light in unge­wohnter Atmo­sphäre an. Wie bitter ist es, das größte Spiel der jün­geren Ver­eins­ge­schichte ohne Fans aus­zu­tragen?
Das bringt die aktu­elle Situa­tion leider mit sich. Ich habe die Stim­mung in den letzten Runden mit­er­lebt, des­halb ist für mich nicht in Worte zu fassen, was uns ent­geht. Wir wollen nicht jam­mern, schließ­lich sind wir unfassbar froh, die­ses Halb­fi­nale erreicht zu haben und es jetzt auch aus­tragen zu dürfen. Unter nor­malen Umständen wäre es natür­lich noch schöner, denn unsere Fans und die gewohnte Pokalat­mo­sphäre werden unheim­lich fehlen. Es tut uns vor allem auch für unsere Fans leid.

Pokal­spiele in Völk­lingen bedeuten ohnehin schon beson­dere orga­ni­sa­to­ri­sche Her­aus­for­de­rungen. Ist das in Zeiten von Corona noch kom­pli­zierter?
Wir kennen vieles aus den vor­he­rigen Runden. Das mobile Flut­licht wird aus Eng­land gelie­fert, zwi­schen­zeit­lich war aber nicht klar, ob die Trans­porter auf­grund der Corona-Rege­lungen über­haupt die Grenzen pas­sieren dürfen. Das hat sich mitt­ler­weile gelöst. Das Hygi­e­nekon­zept ist in unserem weit­läu­figem Sta­dion sogar leichter ein­zu­halten als andern­orts. Und um die tech­ni­schen Vor­aus­set­zungen für den Ein­satz des Video­be­weises küm­mert sich der DFB. Der ein­zige Unter­schied besteht darin, dass die Über­prü­fung im Ü‑Wagen vorm Sta­dion und nicht im Kölner Keller erfolgt. Der Ein­satz der Tor­li­ni­en­technik ist in Völk­lingen aller­dings wei­terhin nicht mög­lich. Wir werden uns also bemühen, den Ball beson­ders deut­lich hinter die Linie zu drü­cken. (Lacht.)

Alle Nach­teile liegen bei uns, aber wir sind trotzdem best­mög­lich vor­be­reitet.

Marcus Mann

Das letzte Pflicht­spiel liegt genau 94 Tage zurück. Seit Wochen bereitet sich der FCS also nur auf dieses eine Spiel vor. Eine merk­wür­dige Situa­tion?
Ja, das ist sicher­lich außer­ge­wöhn­lich. Wir kennen das aber aus dem Winter, als wir auf­grund des späten Rück­rundenstarts der Regio­nal­liga sehr viel Zeit zur Vor­be­rei­tung auf das Ach­tel­fi­nale gegen Karls­ruhe hatten. Damals konnten wir zumin­dest Test­spiele absol­vieren. Jetzt im Qua­ran­täne-Trai­nings­lager zieht es sich schon ziem­lich. Da das Saar­land am Anfang der Krise noch beson­ders strenge Auf­lagen erließ bezüg­lich des Ama­teur­sports, unter die wir als Viert­li­gist ja offi­ziell fallen, konnten wir erst vier Wochen später als Lever­kusen mit dem Klein­grup­pen­trai­ning beginnen. Ohne Fans und kom­plett ohne Spiel­praxis, also: Alle Nach­teile liegen bei uns, aber wir sind trotzdem best­mög­lich vor­be­reitet.

Bringen die beson­deren Umstände nicht auch Vor­teile mit sich?
Wir bereiten uns seit Wochen nur auf dieses eine Spiel vor, wäh­rend es für Lever­kusen eines von zehn ist. Wenn sie aus dem Bus aus­steigen und unser Aus­weich­sta­dion in Völk­lingen sehen, wird ihnen der Kon­trast zur Bun­des­liga riesig vor­kommen. Unser eigenes Sta­dion in Saar­brü­cken wird ja gerade neu­ge­baut, aber das Sta­dion in Völk­lingen, mit der Lauf­bahn, dem kleinen Block für Aus­wärts­fans, war in dieser Pokal­saison defi­nitiv kein Nach­teil für uns.

Wie ist Lever­kusen ein­zu­schätzen?
Wir haben sie natür­lich intensiv ver­folgt. Wir müssen uns ja auf keine anderen Spiele mehr vor­be­reiten. Auf uns wird eine unfass­bare fuß­bal­le­ri­sche Qua­lität zukommen. Sie ver­fügen über enormes Tempo in der Offen­sive. Selbst ihre Ersatz­bank würde noch eine gute Bun­des­li­ga­mann­schaft stellen. Lever­kusen ist die beste Mann­schaft, auf die wir in dieser Pokal­saison treffen.

Die Scouts von Bayer Lever­kusen hatten hin­gegen keine Mög­lich­keit, Sie zu beob­achten.
Genau, Lever­kusen weiß nicht, was auf sie zukommt. Unser Trainer hat gesagt, dass wir 99 von 100 Spielen gegen Bayer ver­lieren würden. Mal sehen, ob wir heute Abend nicht dieses eine Spiel erwi­schen. Aber klar ist auch: Wir werden ver­mut­lich nicht hoch gewinnen. (lacht.) Immerhin: Wenn wir ins Elf­me­ter­schießen kommen sollten, können wir dank unserer Erfah­rungen mit einem guten Gefühl hin­ein­gehen.