Eigent­lich stünde der spa­ni­schen Sport-Presse momentan eine ganze Palette an Themen zur Ver­fü­gung. Gerade erst fei­erte Real Madrid zum Bei­spiel den 16. Pflicht­spiel­sieg infolge – Ver­eins­re­kord. Für die nach Rekorden lech­zenden Medien ein gefun­denes Fressen – eigent­lich. Denn statt einer Lob­hu­delei auf Ronaldo und Co. geis­tern düs­tere Schlag­zeilen durch AS, Marca, El Mundo Depor­tivo und Co: Ihr seid über­flüssig!“, Keine Aus­reden mehr“ oder Eine Nie­der­lage.“

Spa­niens Fuß­ball erlebt eine seiner dun­kelsten Stunden. Grund dafür sind die hef­tigen Aus­schrei­tungen rund um das Spiel Atlé­tico Madrid gegen Depor­tivo La Coruña am Sonntag. Die schreck­liche Bilanz: ein Dut­zend Ver­letzte, über 20 Fest­nahmen und ein Toter. Fran­cisco Javier Romero Taboada, Spitz­name Jimmi“, starb, nachdem er im Zuge der Gewalt-Orgie bewusstlos in einen Fluss geworfen wurde. Der 43 Jahre alte zwei­fache Vater wurde erst eine halbe Stunde nachdem er ins Wasser fiel von Feu­er­wehr­män­nern geborgen. Alle Reani­mie­rungs­ver­suche schlugen fehl, er ver­starb.

Über­ra­schender Angriff? An Zufall glaubt nie­mand!

Jimmi“ war ein poli­zei­lich bekanntes Mit­glied der Riazur Blues“, den Ultras von Depor­tivo. Die Gruppe gilt als eine der aktivsten des Landes. Man fährt, für den spa­ni­schen Fuß­ball eher unüb­lich, zu Aus­wärts­spielen, enga­giert sich im sozialen Bereich, geht aber im Auf­ein­an­der­treffen mit geg­ne­ri­schen Fans eben auch äußerst radikal vor. Das bewies die Gruppe in Madrid einmal mehr.

Am frühen Sonn­tag­morgen hatten sich 100 Anhänger der Riazur Blues“ von A Coruña auf den Weg nach Madrid gemacht. Um nicht auf­zu­fallen, mie­teten die Ultras zwei Rei­se­busse in der 100 Kilo­meter ent­fernten Stadt Lugo und traten die Reise gen Haupt­stadt von dort aus an. Nur kurze Zeit nach ihrer Ankunft trafen sie auf knapp 100 Anhänger der Frente Atlé­tico“, den Ultras von Atlé­tico Madrid. Es folgte eine bru­tale Schlacht, in der die Fans mit Schlag­stö­cken, Mes­sern, Fla­schen, Bar­ho­ckern und Stühlen aus Cafés auf­ein­ander los­gingen. Zwar behaupten die Riazur Blues“ weiter fel­sen­fest, sie seien vom Gegner über­ra­schend ange­griffen worden, an Zufall glaubt aber nie­mand.