Karsten Vol­berg, wie haben Sie von der geplanten China-Koope­ra­tion mit der Regio­nal­liga Süd­west erfahren?
Ich bekam eine Whatsapp-Nach­richt von einem Kumpel. Ich dachte im ersten Moment: guter Scherz. Genau das habe ich ihm auch geant­wortet. Dann wies er mich aller­dings auf einen seriösen Text hin, in dem ich es schwarz auf weiß lesen konnte. Danach wäre ich fast vom Stuhl gefallen.

Der Plan sieht vor, dass die U20-Natio­nal­mann­schaft von China als 20. Mann­schaft am Spiel­be­trieb der Regio­nal­liga Süd­west teil­nimmt. Außer­halb der Wer­tung.
Je länger ich dar­über nach­denke, desto ver­schau­kelter komme ich mir vor. Denn was die Liga jetzt mit der chi­ne­si­schen Mann­schaft plant, ist eigent­lich genau das, was wir vor ein paar Wochen bean­tragt haben: Eine Auf­sto­ckung auf 20 Mann­schaften.

Als wir vor zwei Wochen tele­fo­nierten, war ihr Verein grade als Sechst­letzter aus der Regio­nal­liga abge­stiegen. Wieso haben Sie danach eine Auf­sto­ckung bean­tragt?
Das ist etwas kom­pli­ziert. Zunächst mal gibt es bei uns ja den Son­der­fall, dass durch unseren Abstieg auch unsere zweite Mann­schaft zwangs­ab­ge­stiegen ist. Dazu kommt ein wei­terer Aspekt: Am 13. Juni, also nach dem letzten Spieltag, hat Hessen Kassel Insol­venz ange­meldet. Das bedeutet einen Punkt­abzug von neun Punkten – für die kom­mende Saison. Hätte Kassel die Insol­venz noch vor dem letzten Spieltag, also Ende Mai, ange­meldet, wären ihnen die neun Punkte schon in dieser Spiel­zeit abge­zogen worden. Dann wären sie abge­stiegen und nicht wir.

Also glauben Sie, Kassel hat die Insol­venz bewusst erst zu dem für den Verein güns­ti­geren Zeit­punkt ange­meldet.
Es liegt nicht an uns zu bewerten, wann genau sich Kassel für den Weg der Insol­venz ent­schieden hat. Aber im End­ef­fekt wird dort seit Februar dar­über geredet und die Insol­venz­ver­wal­terin hat das auch indi­rekt zuge­geben. Aber damit Sie das nicht falsch ver­stehen: Wir wollen keinen Ärger mit Kassel. Und was Kassel wann wie macht, ist nicht unser Bier. Wir wollten der Regio­nal­liga Süd­west mit dem Antrag eigent­lich einen Schritt ent­ge­gen­kommen, nach dem Motto: Macht es euch ein­fach. Stockt auf 20 Mann­schaften auf. So habt ihr mit nie­mandem Ärger.

Wie wurde denn auf ihren Antrag reagiert?
Die end­gül­tige Ent­schei­dung bekommen wir erst heute oder morgen mit­ge­teilt.

Der­weil heißt es, die chi­ne­si­sche U20 sei für die Mann­schaften in der 19er Staffel auch des­halb wichtig, damit diese nicht durch spiel­freie Wochen­enden aus dem Rhythmus kämen.
Die ganze Nummer ist eine Farce. Man hätte uns von Anfang an sagen können, dass unser Antrag sinnlos ist, weil der 20. Start­platz längst belegt ist. Über­legen Sie mal. Hier ist seit Monaten eine Koope­ra­tion geplant, zwi­schen der Bun­des­re­gie­rung und China. Und dieses Modell klappt nur bei 19 Mann­schaften. Unser Antrag hatte nie eine faire Chance.