Die Klins­mann-Kari­katur, die am Oster­samstag auf der Titel­seite Ihrer Zei­tung zu sehen war, sorgte nicht nur in Mün­chen für reich­lich Auf­ruhr. Jürgen Klins­mann sieht seine Men­schen­würde und sein Per­sön­lich­keits­recht »zutiefst und massiv ver­letzt« und droht jetzt mit einer Klage. Sind Sie über­rascht über diese Reak­tion?

Wir waren schon über­rascht, dass Jürgen Klins­mann selbst diesen Schritt unter­nommen hat, zumal er im ersten Inter­view eigent­lich cool reagiert hat. Für die meisten Leute war sofort erkennbar, dass unsere Titel­seite nicht gegen die Person Klins­mann gerichtet war, son­dern ganz im Gegen­teil den bru­talen Umgang mit ihm dar­ge­stellt hat.



Welche Reak­tionen erfahren Sie aus der Leser­schaft?


Zunächst gab es Pro­teste, vor allem von christ­li­cher Seite, die sich auf den ihrer Mei­nung nach unwür­digen Umgang mit christ­li­chen Sym­bolen bezog. Inzwi­schen kommen ver­mehrt auch Gegen­re­ak­tionen, die unsere Titel­seite ver­tei­digen und den Kri­ti­kern Humor­lo­sig­keit vor­werfen. Ins­ge­samt kommen natür­lich mehr Reak­tionen als bei nor­malen Titel­seiten.

Wie geht die taz jetzt weiter mit der »Causa Klins­mann« um?

Wir rechnen damit, dass das Ver­ständnis für die Bot­schaft der Titel­seite wächst und die Ein­sicht zunimmt, dass es eine sati­ri­sche Dar­stel­lung war, die sich in keinster Weise gegen die Person Jürgen Klins­mann gerichtet hat.

Es herrscht also keine Angst in den Redak­ti­ons­räumen?

Nein. Wir warten gelassen ab, ob wei­terhin ver­sucht wird, gegen uns vor­zu­gehen. Wir freuen uns über die vielen posi­tiven Reak­tionen und zahl­rei­chen Kom­men­tare, die ja ein­deutig davon zeugen, dass die meisten Leute ver­standen haben, was wir gemeint haben.

Könnte man die Posse um diese Kari­katur auch als Beweis dafür sehen, dass die Bayern nach den blut­leeren Vor­stel­lungen der letzten Wochen etwas dünn­häutig geworden sind?

Ich kann mir gut vor­stellen, dass die Bayern auch des­halb so emp­find­lich reagiert haben, weil sich manche Akteure ange­spro­chen fühlten. Rund um das Spiel in Bar­ce­lona ließen ja manche hohen Bayern-Granden öffent­lich deut­liche Zweifel an Klins­mann anklingen. Das dürfte weitaus mehr zu der Anti-Klins­mann-Sprech­chören bei den letzten Heim­spielen bei­getragen haben als unser Klins­mann-freund­li­ches Titel­bild.

Der Medi­en­di­rektor des FC Bayern, Markus Hör­wick, hat Ihre Dar­stel­lung jüngst als »die viel­leicht schlimmste Ent­glei­sung, die es in den deut­schen Medien jemals gegeben hat«, bezeichnet. Was fällt Ihnen dazu noch ein?

Das spricht ja eigent­lich für sich selbst. Das geist­reichste Wort in diesem Satz war das Wört­chen »viel­leicht«. Viel­leicht sollte Herr Hör­wick mal in his­to­ri­schen Zei­tungs­ar­chiven kramen und dabei auch die Haus­pos­tille seines Prä­si­denten begut­achten,.

Als Jürgen Klins­mann vor der Saison als Bayern-Trainer vor­ge­stellt wurde, titelte Ihre Zei­tung »Gott ist tot«, am Oster­samstag die Kari­katur, die ihn am Kreuz zeigt. Was erwartet uns, wenn die Bayern am Ende Saison Bilanz ziehen werden?

Das dürfte dann ja kurz vor Pfingsten sein. Was bleibt uns dann für eine andere Mög­lich­keit, als den hei­ligen Geist auf die Bayern nieder fahren zu lassen? (lacht).