Wal­demar Hart­mann, raten Sie mal, warum wir Sie anrufen.
Wegen Island?

Kor­rekt! Durch ein 1:1 gegen Nor­wegen sind die Isländer Zweiter in der Qua­li­fi­ka­ti­ons­gruppe und können nun in den Play­offs erst­mals den Sprung zur Welt­meis­ter­schaft schaffen!
Auch dank der gütigen Mit­hilfe der Schweiz! Wie sie viel­leicht an meiner Vor­wahl gesehen haben, lebe ich dort. Vor dem Rück­spiel zwi­schen Schweiz und Island wurde übri­gens in allen großen Zei­tungen an die legen­däre Rudi-Völler-Wut­rede vor zehn Jahren nach dem pein­li­chen 0:0 gegen Island erin­nert. Dazu die For­de­rung: Gegen die Isländer dürfen wir uns nicht ver­lieren, da kicken doch nur Spieler aus der zweiten eng­li­schen Liga. Tja, das Spiel endete mit 4:4.

Fazit?
Es gibt keine Kleinen mehr. Bezie­hungs­weise: Zehn Jahre können die Welt ver­än­dern. 2003 stand ich mit Sepp Maier am Spiel­feld­rand, wir schauten uns an, und waren fas­sungslos, dass der ruhm­rei­chen deut­schen Natio­nal­mann­schaft ein­fach kein Tor gegen diese Truppe gelingen wollte. Und jetzt fahren die viel­leicht zur WM. Wahn­sinn.

Haben Sie schon bei Rudi Völler durch­ge­klin­gelt?
Warum?

Um sich zu ent­schul­digen! 2003 musste sich der arme Mann recht­fer­tigen, weil seine Mann­schaft nur Unent­schieden gegen Island spielte. Heute gehört die Nation offenbar zu den besten Fuß­ball-Nationen der Welt!
Nun lassen Sie mal die Kirche im Dorf. Die Isländer fahren viel­leicht zur WM, aber eine der besten Nationen der Welt? Ich weiß ja nicht…

Geben Sie es schon zu: Rudi Völler war ein Visionär!
Pah, wenn über­haupt, waren Del­ling, Netzer und meine Wenig­keit Visio­näre! Sie erin­nern sich doch hof­fent­lich an das schlimme Aus­scheiden bei der EM 2004? Rudi hatte eine Rum­pel­truppe und das haben wir ihm ja auch so gesagt.

Das lassen wir mal so stehen. Wann haben Sie Rudi Völler denn eigent­lich das letzte Mal gesehen?
Beim Abschieds­spiel von Michael Bal­lack. Die Kol­legen vom MDR waren damals so nett, mir eine wei­tere Folge von Waldis Club“ ein­zu­richten. Da saß ich dann mit Rudi und Reiner Cal­mund, den engsten Bal­lack-Ver­trauten.

Quat­schen Sie dann mit Völler auch jedes Mal über Island?
Meis­tens ja. Zum zehn­jäh­rigen Jubi­läum des Aus­ras­ters am 6. Sep­tember 2013 waren wir sogar gemeinsam bei Markus Lanz“ ein­ge­laden. Aber Rudi wollte nicht.

Warum?
Viel­leicht hat er keine Lust mehr, daran erin­nert zu werden. Obwohl ihm der Auf­tritt damals ja auch einen gewal­tigen Popu­la­ri­täts­schub gab.

Völler ging damals auch hart Günter Netzer, den Side­kick von Ger­hard Del­ling, an. Könnten Sie sich Rudi Völler als Experte im Fern­sehen vor­stellen?
Nein, und das finde ich auch besser so. Lieber genieße ich ihn seiner Rolle als Sport­di­rektor von Bayer Lever­kusen. Vor allem dann, wenn er sich mal wieder über irgend­etwas auf­regt!

Sie freuen sich, wenn Rudi Völler wütend wird?
Ja! Schauen Sie, Rudi ist doch neben Mat­thias Sammer einer der ganz wenigen Figuren in der Bun­des­liga, die nicht dreimal che­misch gerei­nigt ant­worten, die es laut aus­spre­chen, wenn ihnen etwas nicht passt. Als Jour­na­list sind das Typen, für die man dankbar sein sollte.

Wal­demar Hart­mann, mal ange­nommen, Island schafft die Qua­li­fi­ka­tion zur WM und wird in eine Gruppe mit Deutsch­land gelost – sehen wir Sie dann gemeinsam mit Rudi Völler als TV-Duo?
Ich wüsste nicht, wer dafür besser geeignet wäre. Obwohl es traurig wäre, wenn man mich ledig­lich als Experten haben wollen würde, wenn es um Island ginge. Ich habe zwar seit einigen Monaten einen Rentner-Aus­weis, mit dem ich mir hier in der Schweiz sogar einen ver­güns­tigten Senioren-Teller ein­for­dern könnte, aber als aus­ge­mus­terter Pen­sionär möchte ich dann doch nicht abge­stem­pelt werden.