Seite 2: „Das haben wir in Leicester außergewöhnlich gut gemacht.“

War es nun eine beson­ders ver­schwo­rene Gemein­schaft?
Ach, wissen sie: Im Pro­fi­fuß­ball ver­su­chen alle, gut mit­ein­ander klar­zu­kommen, um den Job optimal zu machen. Und der Job besteht darin, Tore vor­zu­be­reiten, zu schießen oder zu ver­hin­dern. Das haben wir in Lei­cester außer­ge­wöhn­lich gut gemacht.

Welche Freund­schaften aus 19 Jahren Pre­mier League sind Ihnen geblieben?
Keine, ich war immer Ein­zel­gänger. Wenn ich noch Kon­takt zu anderen Spie­lern habe, dann weil unsere Frauen Freun­dinnen sind. Ich schreibe zwar schon mal eine Nach­richt, wenn einer ein Tor gemacht hat. Letzt­lich waren das aber ein­fach Arbeits­kol­legen, und ich will auch nicht, dass sie mich anders sehen.

Ist es unge­wöhn­lich, Ein­zel­gänger in einer Mann­schafts­sportart zu sein?
Nein, da gibt es viele. Einige Spieler kommen fünf Minuten vor dem Trai­ning und sind sofort danach weg, manche Aus­länder wollen nicht mal die Sprache lernen. Es kommt sowieso nur darauf an, dass es unter­ein­ander klappt, wenn das Spiel ange­pfiffen wird.

Das klingt unheim­lich nüch­tern.
Die schrägen Geschichten, die so pas­sieren, bleiben in der Kabine. What hap­pens in the chan­ging room, stays in the chan­ging room“, heißt es in Eng­land.

Und man darf davon nicht mal zu Hause erzählen?
Besser nicht, Fuß­ball ist halt eine Män­ner­welt. Aber letzt­lich geht es sowieso nicht darum, dass es spaßig zugeht. Der Spaß besteht darin, erfolg­reich zu sein. Ich habe jeden­falls selten auf dem Platz gestanden und gedacht: Ist das jetzt geil hier!

Aber Fuß­ball ist doch zugleich eine schon des­halb unge­wöhn­liche Arbeits­welt, weil Ihnen Zehn­tau­sende bei der Arbeit zuschauen, die emo­tional extrem betei­ligt sind.
Aber mir hat es immer geholfen, mög­lichst ohne Emo­tion zu spielen. Wenn ich die Kon­trolle ver­loren habe, bin ich näm­lich vom Platz geflogen.

Das ist Ihnen in 411 Pro­fi­spielen aber nur zweimal pas­siert.
Außerdem bin ich noch nach­träg­lich gesperrt worden, und dann hatte ich Glück, als ich Alan Shearer auf die Eier gestiegen bin. Der Schieds­richter hatte das zwar erkannt, aber nicht gepfiffen. Irgend­wann später hat er mal zu mir gesagt: Ich hab das damals gesehen, aber ich mag Shearer auch nicht.“

Sie haben auf dem Platz gerne den Macho gegeben und sich häu­figer über Spieler beschwert, die zu viel rum­heulen und auf dem Platz rum­rollen. Sind Sie auch jen­seits des Fuß­balls ein harter Mann?
Über­haupt nicht! Als Vater bin ich schon gar kein Macho und zeige meinen Kin­dern hun­dert Mal am Tag, wie lieb ich sie habe. Trotzdem sage ich ihnen beim Sport, dass sie nicht heulen sollen. Ich finde, dass es eine gewisse Macho-Atti­tüde braucht, um erfolg­reich zu sein. Ich bin kein Fan vom Weinen auf dem Platz. Wenn einer weint, dann soll er in die Kabine gehen, aber ich ver­stehe das gene­rell nicht.

Haben Sie schon mal heu­lend in der Kabine gesessen?
Nee. Ich weiß nicht, was einen dazu bringen sollte. Schmerz, Frus­tra­tion, Nie­der­lagen, geplatzte Träume … Ich habe als Kind viel Judo gemacht, da durfte man über­haupt keine Schwä­chen zeigen. Das hat mich total geprägt.