Seite 4: „Andere hat das nicht interessiert, aber mir hat es geholfen.“

Wie ging es im Natio­nal­team zu Ende?
Ich war nach län­gerer Pause 2009 dabei, als es nach China und in die Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­rate ging, um sich noch mal für die Stimmen zur WM 2006 zu bedanken. Da konnte oder wollte sonst wohl nie­mand hin, jeden­falls hat’s sich ein biss­chen nach Wen können wir eigent­lich noch anrufen?“ ange­fühlt. Das war’s dann, anschlie­ßend habe ich nie mehr was von denen gehört.

Ihr letztes Spiel in der Pre­mier League haben Sie 2017 gemacht, aber vorbei war Ihre Kar­riere danach noch nicht.
Nein, ich habe wegen diverser Ver­let­zungs­pro­bleme bei Lei­cester in der vor­letzten Saison nur noch ab und zu in der zweiten Mann­schaft gespielt. Im letzten Sommer 2018 ist dann mein Ver­trag aus­ge­laufen und ich habe in der Sai­son­vor­be­rei­tung bei Stoke City trai­niert, um zu schauen, ob noch was geht. Aber dann habe ich Ober­schen­kel­pro­bleme bekommen und wollte mich nicht noch mal durch eine Ver­let­zungs­pause quälen.

Es gab also den Moment, an dem Sie von Stoke nach Hause gekommen sind und zu Ihrer Frau gesagt haben: Das war’s“?
Ja, genau so.

Was macht man am nächsten Morgen, nachdem sich Ihr Leben 25 Jahre lang um Fuß­ball gedreht hat?
Einen Urlaub buchen! Wir haben auf die Land­karte geschaut und uns für Rom ent­schieden.

So wie Sie das erzählen, klingt das nach einer Erlö­sung?
Ich freue mich jeden­falls, dass es zu Hause nicht mehr nur um mich und meinen Job geht. Ich habe früher mit meinen Kin­dern am Spiel­platz gesessen, aber in Wirk­lich­keit das nächste Trai­ning im Kopf gehabt. Abends musste spä­tes­tens um halb acht Ruhe im Haus sein, damit ich mich kon­zen­trieren konnte. Heute bin ich viel ent­spannter, genieße die Kinder und genieße das Leben.

Konnten Sie als Pro­fi­sportler früher denn nicht abschalten?
Nein, Fuß­ball war in den letzten zwanzig Jahren meine abso­lute Nummer eins, und auch die damit ver­bun­denen Rou­tinen sind für mich ganz wichtig gewesen. An Spiel­tagen bin ich immer um die gleiche Zeit auf­ge­standen, habe um die gleiche Zeit gefrüh­stückt, und wenn es statt zwei Spie­gel­eiern nur eins gab, war das schon schlimm. Wenn wir auf dem Weg zum Aus­wärts­spiel in einen Stau gekommen sind, saß ich total gestresst im Bus, weil ich die Zeit brauchte, die ein­ge­plant war. Und die Rei­hen­folge, wann wel­cher Spieler mas­siert wird, durfte auch nicht durch­ein­an­der­ge­raten.

Sind Sie ein Kon­troll­freak?
Kann sein, mir haben gleiche Abläufe jeden­falls total geholfen. Wenn ich unter der Woche mal außer der Reihe don­ners­tags ins Kino gegangen bin und wir dann ver­loren haben, hat mich das ver­rückt gemacht.

Gab es Mann­schafts­ka­me­raden, bei denen es ähn­lich war?
Bei einigen schon, aber es ist schon eine Spe­zia­lität von mir, mich so kom­plett zu kon­zen­trieren.

Waren Sie der totale Mus­ter­profi?
Ach, ich wollte ein­fach an jedem Tag der Beste sein, der ich sein kann, ob im Trai­ning oder auf dem Platz. Mich hat es genervt, wenn andere nicht gut trai­niert haben. Ich habe mir auch immer die Videos mit Clips der Gegen­spieler ange­schaut, die wir bekommen haben. Andere hat das nicht inter­es­siert, aber mir hat es geholfen.