Mike Hanke, der letzte Bun­des­liga Spieltag ver­spricht haupt­säch­lich im Tabel­len­keller Span­nung. Aber das ist ja Ihr Metier.
Ich war mit drei Teams im Abstiegs­kampf. Zweimal mit Wolfs­burg, jeweils einmal mit Han­nover und Glad­bach. Solche Spiele am Schluss sind immer etwas Beson­deres. Seit zwei Jahren bin ich Fuß­ball-Rentner, ein ent­spanntes Leben. Aber diese Par­tien, diese Span­nung, die ver­misse ich schon manchmal.

Wäh­rend Han­nover bereits abge­stiegen ist, kommt es in Bremen zum Ent­schei­dungs­spiel. Auch Stutt­gart hat noch Chancen auf den Rele­ga­ti­ons­platz. In Ihrer ersten Saison in Wolfs­burg kam es 2006 eben­falls zum Show­down am letzten Spieltag. Gegen Kai­sers­lau­tern durfte nicht ver­loren werden.
Wir waren so was von moti­viert! Das Sta­dion war voll und wir waren froh, dass wir die Chance über­haupt noch hatten. Letzt­end­lich hat man das auch auf dem Platz gespürt, wir waren extrem opti­mis­tisch, das Spiel zu gewinnen. Das hat man bei jedem ein­zelnen in jeder Sekunde gespürt. Wenn mal einer einen Hänger hatte, haben wir den gleich wieder auf­ge­baut. Das war echt beein­dru­ckend.

Sie wurden in der Partie nur ein­ge­wech­selt, obwohl Sie deut­lich treff­si­cherer waren als Kon­kur­rent Rick Hoo­gen­dorp. Ein Schlag ins Gesicht?
Natür­lich war ich frus­triert. Aber da ging es um den Klas­sen­er­halt. Da sind per­sön­liche Emp­finden nicht wichtig und auch nicht ent­schei­dend. Den Frust habe ich dann auch nicht nach außen getragen, son­dern habe die Situa­tion ange­nommen, ver­ar­beitet und auch die Leute gepusht, die auf dem Platz standen. Als ich dann ein­ge­wech­selt wurde, war ich noch moti­vierter. Mit einer Tor­vor­lage beim 2:2 hatte ich dann doch noch einen großen Anteil am Nicht­ab­stieg.

Im Abstiegs­kampf sorgen oft Que­relen außer­halb des Platzes für Unmut. In Wolfs­burg wurde dem dama­ligen Manager Thomas Strunz ein gestörtes Ver­hältnis zum Kader nach­ge­sagt.
Das wurde von den Medien sehr auf­ge­putscht. Es gab keine großen Unstim­mig­keiten. Auch später in Glad­bach hat uns die Dis­kus­sion um die Initia­tive Borussia“ nicht belastet. Das ist auch ganz wichtig im Abstiegs­kampf. Mann­schaft, Trai­ner­stab und Betreu­er­team müssen sich abschotten und alles andere nicht an sich heran lassen. Wenn der Zusam­men­halt trotz der schwie­rigen Zeit groß ist, hast du gute Chancen die Klasse zu halten.

Im Jahr darauf wähnte man sich in Wolfs­burg lange in Sicher­heit. Am 28. Spieltag der Saison 20006/07 stand der VfL noch auf Posi­tion Sieben. Trotzdem rutschten Sie erneut in die gefähr­liche Zone. Wie groß ist die Gefahr, den Abstiegs­kampf auf die leichte Schulter zu nehmen?
Es ist auf jeden Fall leichter, wenn du den Kampf sofort annimmst und auf­recht­hältst. Das sieht man jetzt bei Stutt­gart. Die waren erst unten drin, haben sich raus gekämpft und stehen nun wieder unten drin. Ich dachte eigent­lich das Frank­furt die größten Schwie­rig­keiten bekommen wird, weil die anfangs nicht im Tabel­len­keller waren.

Trotz des erneuten Abstiegs­kampfes hielt man in Wolfs­burg an Chef­trainer Augen­thaler fest. Eine rich­tige Ent­schei­dung?
In der Situa­tion war es sicher gut, am Trainer fest­zu­halten. Im End­ef­fekt war es wichtig, dass wir zusam­men­ge­halten und immer ange­nommen haben, was der Trainer von uns ver­langte. Aber es gibt auch andere Bei­spiele. Man kann es nicht davon abhängig machen, ob der Trainer geht oder nicht. Ein Verein sollte erst han­deln, wenn man sieht, dass die Mann­schaft das Kon­zept des Trai­ners nicht mehr annimmt. Das war in Han­nover und Glad­bach der Fall.