Seite 3: „Von da an hieß er ›Container-Willi‹“

Mit den Hessen konnten Sie den Abstieg im Jahr 2004 nicht ver­hin­dern. Wo haben Sie die ent­schei­dende Partie beim HSV am 34. Spieltag ver­folgt?
Ich saß damals auf der Tri­büne. Wir sind mit einem grö­ßeren Kader hin als üblich und erst kurz vor dem Spiel stand fest, wer es in die Mann­schaft schafft. Ich gehörte nicht dazu.

Frank­furt verlor mit 2:1. Was ging in Ihnen vor, als der Abstieg per­fekt war?
Mir wurde mona­te­lang nicht die Chance gegeben, einen Bei­trag zum Nicht-Abstieg zu leisten. Willi Rei­mann hat mir drei Spiel­tage vor Schluss mit­ge­teilt, dass er nicht mehr mit mir plant und mir die Auf­lö­sung des Ver­trags ange­boten. Von daher überwog meine per­sön­liche Ent­täu­schung der Trauer über den Abstieg.

Sehen Sie Par­al­lelen aus der Abstiegs­saison 2003/04 mit der aktu­ellen Runde?
Die Situa­tion war grund­ver­schieden. Eigent­lich waren wir zwei Jahre vor dem Abstieg mau­setot. Erst gab es den Lizenz­entzug, der kurz­fristig zurück­ge­nommen wurde und dann sind wir ent­gegen aller Erwar­tungen auf­ge­stiegen. Anschlie­ßend hat der Verein mit aller Macht ver­sucht, dem Kader ein erst­li­ga­reifes Gesicht zu ver­leihen und uns 13 neue Spieler vor­ge­setzt. Der sofor­tige Abstieg war im Prinzip vor­pro­gram­miert.

Willi Rei­mann geriet in der Rück­runde 2003/04 des Öfteren in die Schlag­zeilen. Über Andreas Möl­lers Berater sagte er: Gerster sollte man federn, teeren und vom Hof jagen“. Möller ließ seinen Ver­trag mitten in der Saison auf­lösen. Kann man sich in so einem Umfeld über­haupt auf Fuß­ball kon­zen­trieren?
Das war eine komi­sche Geschichte. Andi Möller war bereit, dem Verein am Ende seiner Kar­riere zu helfen und hatte auch die Qua­lität dazu. Aller­dings hat der Trainer ihn links liegen gelassen, obwohl er uns als Typ absolut wei­ter­ge­bracht hätte. Aber das war auch nicht der ein­zige Vor­fall.

Sie spielen auf die Sperre an, die sich der Trainer nach einer Tät­lich­keit gegen einen Schieds­richter-Assis­tenten am 25. Spieltag ein­han­delte?
Die Medien tauften ihn damals Con­tainer-Willi“, nachdem er das Spiel in einem Bau­con­tainer ver­folgten musste. So etwas trug unbe­dingt dazu bei, sich auf die Spiele fokus­sieren zu können.

Mit Alex­ander Meier haben Sie noch zusam­men­ge­spielt. Genau wie Sie in der Abstiegs­saison, kommt er diese Spiel­zeit ver­let­zungs­be­dingt selten zum Ein­satz. Kann er bei so einem Finale wie am Samstag trotzdem Ein­fluss auf die Mann­schaft nehmen?
Das kann er auf jeden Fall. Er ist ein sym­pa­thi­scher Typ und nicht nur eine Iden­ti­fi­ka­ti­ons­figur für die Fans, son­dern auch ein Spieler, an dem sich die Mann­schaft hoch­ziehen kann. Viel­leicht steht er am Samstag sogar im Kader, sodass allein seine Prä­senz das Züng­lein an der Waage sein kann.

Ihr Tipp?
Ich kann und werde mich nicht fest­legen, weil ich mit beiden Ver­einen emo­tional ver­bunden bin. So oder so werde ich den Aus­gang des Spiels mit einem lachenden und wei­nenden Auge ver­folgen.