Seite 2: „Magath ein Kulturschock? Nett ausgedrückt“

Werder wurde 1993 Deut­scher Meister und mit Ihnen 1994 Pokal­sieger. Wie sind Sie als Spieler mit dem unge­wohnten Abstiegs­kampf umge­gangen?
Der Abgang von Otto Reh­hagel nach so langer Zeit hat ein rich­tiges Vakuum hin­ter­lassen. Wir kamen unter den nach­fol­genden Trai­nern nie richtig in Tritt. Unter Felix Magath waren wir 1999 im Prinzip schon abge­stiegen. Magath hat uns kaputt trai­niert. Wir waren weder phy­sisch noch mental dazu in der Lage, zu agieren und waren kom­plett am Boden zer­stört.

Auch ihr dama­liger Mit­spieler Raphael Wicky gab in einem Inter­view mit 11FREUNDE an, Magath wäre ein Kul­tur­schock für Werder gewesen.
(lacht) Das hat er ja nett aus­ge­drückt. 

Wie würden Sie es for­mu­lieren?
Bei Magath hat vieles nicht gestimmt. Auch andere Trainer haben sehr hart trai­nieren lassen, aber bei ihm kam noch die zwi­schen­mensch­liche Ebene hinzu. Ein Mit­ein­ander konnte man das nicht nennen. Die Trai­ner­po­si­tion war damals ent­schei­dend für die Miss­lage im Verein.

Der Verein reagierte vier Spiel­tage vor Schluss und instal­lierte Thomas Schaaf als neuen Trainer. Wie hat Schaaf die Spieler auf das Nach­hol­spiel gegen Schalke wenige Tage danach ein­ge­schworen?
So kurz vor Sai­son­ende kann man im Trai­ning kör­per­lich nicht mehr viel raus­holen. Thomas hat ver­sucht, unsere Vita­lität zurück­zu­holen, indem er uns wieder gezielt Spaß am Fuß­ball ver­mit­telt hat. Er wusste ein­fach, wie der Verein und die Spieler ticken.

Haben Sie vorher also gegen den Trainer gespielt?
So etwas gibt es über­haupt nicht. Dann würde ich auch gegen den Verein, die Mann­schaft und die Fans spielen. Jeder Spieler weiß, dass von der Liga­zu­ge­hö­rig­keit Arbeits­plätze im Verein abhängen und nicht zuletzt der eigene Markt­wert sinkt. Man kann als Spieler aller­dings für einen Trainer spielen, weil es Kräfte frei­setzt, wenn die Atmo­sphäre stimmt.

Auch der heu­tige Coach Viktor Skripnik stand in der Saison 1998/99 im Kader. Hat es sich abge­zeichnet, dass er Chef­trainer von Werder Bremen werden könnte?
Das hätte ich gar nicht erwartet, weil er sehr sen­sibel war. Gerade unter Magath hat er sehr gelitten. Aber mitt­ler­weile scheint er sich ein dickeres Fell zuge­legt zu haben und im Umfeld von Werder Bremen kommt seine ruhige Men­ta­lität gut an.