Uwe Rösler, herz­li­chen Glück­wunsch zum beein­dru­ckenden 2:2 Ihres Brent­ford FC im FA-Cup gegen Chelsea! Haben Sie mit so einem Auf­tritt Ihrer Mann­schaft gerechnet?
Ich habe damit gerechnet, dass wir Chelsea Pro­bleme bereiten können. Wir haben viele Spieler im Team, die bei Pre­mier League-Klubs aus­ge­bildet wurden und tech­nisch und tak­tisch auf hohem Niveau sind. Meine Mann­schaft kommt mit höher­klas­sigem Fuß­ball fast besser zurecht als mit dem Spiel in den unteren Ligen. Ich wusste: Mit dem rich­tigen Hunger und dem Glauben an die Sache können wir denen weh tun.

Gut aus­ge­bil­dete, junge Spieler sind also das Erfolgs­re­zept?
Ja. Das geht bei uns aus finan­zi­ellen Gründen auch gar nicht anders. Die Arbeit mit jungen Spie­lern macht mir aber auch großen Spaß. Man bekommt unheim­lich viel zurück, auch wenn die Kon­stanz manchmal fehlt. Das Ver­trauen bekommen sie von mir. Wer sich rein­hängt, hat bei mir eine große Zukunft.

Gegen Chelsea haben Sie zweimal geführt und waren das bes­sere Team. Ist das nicht auch ärger­lich?
Wir haben das Spiel kon­trol­liert. Erst durch den Wechsel von Juan Mata gegen Marko Marin wurden wir dann in der zweiten Halb­zeit ein wenig hinten rein­ge­drückt. Mata ist ein Welt­klas­se­spieler. Die Gegen­tore sind durch indi­vi­du­elle Klasse gefallen, das lässt sich bei einer Mann­schaft wie Chelsea leider kaum ver­meiden. Aber die bes­sere Mann­schaft waren wir!

Im Sta­dion in Brent­ford gibt es in jeder Ecke eine Kneipe. Hat das Team nach Abpfiff dort den Erfolg gefeiert?
Nein. Wir sind Profis und haben zur Zeit alle drei Tage ein Spiel. Und Grund zu Feiern gibt es ja noch gar nicht. Wir haben uns ein Rück­spiel erkämpft, was für den Verein eine tolle Sache ist. Aber weiter sind wir noch lange nicht. Ich kann als Trainer auch gar nicht in die Kneipen gehen, ich muss die Distanz wahren! Aber viel­leicht gibt es ja nach dem Rück­spiel Grund zu feiern.

Was geht für Ihre Mann­schaft an der Stam­ford Bridge?
Die Chancen werden natür­lich geringer. Aber wir müssen uns nicht ver­ste­cken. Wir hatten im Angriffs­drittel mehr Ball­be­sitz als Chelsea. Das ist bemer­kens­wert und zeigt, dass wir den Ball auch ordent­lich laufen lassen können. Wichtig wäre außerdem, die ersten dreißig Minuten ohne Gegentor zu über­stehen.

Ihr Gegen­über Rafael Benitez steht als Chelsea-Coach stark in der Kritik. Hat man das gemerkt?
Benitez ist ein Profi und total cool. Der gibt seine tak­ti­schen Anwei­sungen wie sonst auch. Die Chelsea-Fans haben ihm ordent­lich Dampf gemacht, das ist natür­lich nicht ange­nehm. Es schien ihm aber nicht son­der­lich viel aus­zu­ma­chen, der ist mit allen Was­sern gewa­schen.

Und die Spieler? Bei Fer­nando Torres etwa läuft seit Monaten fast gar nichts mehr zusammen.
Bei Torres hat man den Druck total gemerkt. Den hatten wir eigent­lich die ganze Zeit im Griff, er hatte nur eine Chance. Dum­mer­weise hat er die dann in der 83. MInute rein­ge­macht.

Neben Brent­ford haben unlängst auch Oldham Ath­letic und Brad­ford für Über­ra­schungen gesorgt und grö­ßere Teams aus dem Pokal geworfen. Erlebt der eng­li­sche Fuß­ball gerade den Auf­stand der Kleinen?
Die Qua­lität in den unteren Ligen ist ein­fach höher geworden. Es gibt viele Spieler, die es nicht direkt in die Pre­mier League schaffen, aber durchaus die Qua­lität dazu haben. Dadurch ist das Niveau gestiegen, so sind auch die Siege der kleinen Teams zu erklären.

Sie selber haben Ihren Ver­trag gerade bis 2015 ver­län­gert, wollen aber auch höher­klassig trai­nieren. Passt das zusammen?
Ich bin hier noch nicht fertig. Wir haben in Brent­ford etwas auf­ge­baut und erleben seit unge­fähr 20 Monaten einen ste­tigen Auf­schwung. In dieser Saison sind wir per­ma­nent unter den ersten Sechs und hoffen, dass das auch so bleibt. Ich habe hier alle Vorraus­set­zungen, um erfolg­reich zu sein. Mit beschränktem Budget zwar, aber mit fähigen Mit­ar­bei­tern und einem guten Umfeld.

Haben denn schon grö­ßere Klubs ange­klopft?
Es sind einige Anfragen gekommen, aber warum sollte ich hier weg? Der Sport­di­rektor hat ein Angebot von West Brom­wich Albion gehabt, ist aber hier geblieben. Einige Spieler und Mit­ar­beiter aus dem Funk­ti­ons­team haben sich zum Verein bekannt, obwohl auch sie andere Ange­bote hatten. Für mich war klar, dass ich mich auch zu unserer Sache bekenne. Das Gras ist nicht immer grüner auf der anderen Seite des Zauns.