Franz Brungs, Ben­fica Lis­sabon, Ihr Gegner im Ach­tel­fi­nale des Euro­pa­po­kals der Lan­des­meister 1963, war zu der Zeit eine abso­lute Aus­nah­me­mann­schaft.

Franz Brungs: Absolut, Ben­fica war ein euro­päi­scher Spit­zen­klub! Dem­entspre­chend war die Vor­freude auf diese Begeg­nung in Dort­mund auch zu spüren. Der über­ra­gende Eusebio war Teil der Mann­schaft und auch die anderen Spieler hatten im Euro­pa­pokal für Furore gesorgt. Gegen Ben­fica auf der Roten Erde spielen zu dürfen, war etwas Beson­deres.



Anpfiff war um 19:30 Uhr, aber schon am frühen Nach­mittag war das Sta­dion rap­pel­voll.

Franz Brungs: Das Sta­dion war schon seit Wochen aus­ver­kauft. Die Stim­mung damals war unbe­schreib­lich und hat mich mein ganzes Sport­ler­leben begleitet. So etwas habe ich kein zweites Mal erlebt.

Hat Sie das zusätz­lich moti­viert?

Franz Brungs: Natür­lich! Jeder hat sich gesagt: Hier dürfen wir nicht ver­sagen. Das war beson­ders wichtig, denn das Hin­spiel in Lis­sabon hatten wir ver­loren. Wir sind nur mit einem blauen Augen davon gekommen, weil Hans Til­kowski, unser Tor­wart, über­ra­gend gehalten hatte. Keiner hat im Rück­spiel noch einen Pfif­fer­ling auf uns gesetzt.

Haben Sie intern über eine mög­liche Sen­sa­tion gespro­chen?

Franz Brungs: Es war ein nass­kalter Win­ter­abend, Anfang Dezember, und die Süd­eu­ro­päer hatten schon so ihre Schwie­rig­keiten mit dieser Wit­te­rung. Uns kam ent­gegen, dass der Boden leicht ange­froren war. Er war etwas hart, das war gut für die Stand­fes­tig­keit und die Tech­niker konnten den Ball dann nicht so flüssig laufen lassen. Wir kannten solche Ver­hält­nisse, damals gab es ja noch keine Rasen­hei­zung und keine Win­ter­pause.

Das Spiel lief von Anfang an gut für die Borussia.

Franz Brungs: Das war unsere Devise: Wir wollten den Gegner von Beginn an unter Druck setzen. Die Taktik war klar: Sofort stören, damit die guten Leute von Ben­fica gar nicht erst zum Spiel­aufbau kommen konnten. Und uns ist an diesem Abend wirk­lich alles gelungen, jeder hat sich für den anderen ein­ge­setzt und wir haben 90 Minuten lang einen unglaub­li­chen Fuß­ball gespielt.

Nach einer halben Stunde über­schlugen sich die Ereig­nisse. Der BVB ging inner­halb von drei Minuten mit 3:0 in Füh­rung. Wie haben Sie das denn geschafft?

Franz Brungs: Das ist Schlag auf Schlag gegangen, die Leute sind gar nicht mehr aus dem Jubeln raus­ge­kommen. Als Spieler bekommt man erst gar nicht mit, wie groß die Freude der Zuschauer wirk­lich ist. Das hat man dann erst ein paar Stunden nach Spiel­schluss ver­ar­beiten können.

Sie selbst haben drei Tore gemacht..

Franz Brungs: Mit dem Spiel war Borussia Dort­mund in Europa ange­kommen und Franz Brungs auf einen Schlag berühmt! Ganz Europa kannte meinen Namen und in der Bun­des­liga wurde ich nach dem Ben­fica-Spiel plötz­lich in Mann­de­ckung genommen.

Ben­ficas Super­star Eusebio stand im Rück­spiel gar nicht im Kader. Wäre die Partie mit ihm anders aus­ge­gangen?

Franz Brungs: Noch kurz vor dem Anpfiff hieß es: Kann er spielen, kann er nicht spielen? Die ganze Zeit herrschte Unruhe. Kurz vor Spiel­be­ginn hieß es dann: Eusebio spielt nicht. Eusebio war zwar brand­ge­fähr­lich, aber ob er uns alleine geschlagen hätte, will ich doch zumin­dest anzwei­feln. Wir waren an dem Abend wirk­lich über­ra­gend.

Die West­fä­li­sche Rund­schau beschrieb Sie in ihrem dama­ligen Spiel­be­richt als stän­digen Unru­he­stifter in einem Angriff, der sich blind ver­stand“.

Franz Brungs: Dort­mund war damals sehr gut besetzt, in allen Mann­schafts­teilen. Und wir waren unglaub­lich offensiv, vier Stürmer standen auf dem Rasen: Rechts außen Wosab, halb rechts Aki Schmidt, der etwas zurück­ge­zogen spielte, halb links Timo Konietzka und links außen Lothar Emme­rich. Angriff – das war unser Rezept.

Stimmt es, dass der BVB sogar noch höher hätte gewinnen können?

Franz Brungs: Ich will nicht über­heb­lich wirken, aber in der Tat, zwei, drei Tore wären sogar noch drin gewesen. Wir sind nach jedem Treffer ein­fach immer weiter durch­mar­schiert. Vor allem an mein zweites Tor kann ich mich noch gut erin­nern: Aus einer Rechts­dre­hung habe ich den Ball über den Tor­wart gehoben und schon war er drin. Davon hatte man vorher geträumt.

Woher haben Sie eigent­lich Ihren Spitz­namen Gold­köpf­chen“?

Franz Brungs: Von der Bild-Zei­tung. Im Vier­tel­fi­nale gegen Dukla Prag war mir später ein Kopf­balltor gelungen und schon hatte ich den Namen weg. Es gab zuvor einen unga­ri­schen Natio­nal­spieler namens Sándor Kocsis, der unglaub­lich stark in der Luft war, von dem haben die den Namen über­nommen. Das blieb dann mein Mar­ken­zei­chen, die ganze Kar­riere über.

Was pas­sierte nach dem Schluss­pfiff in Dort­mund?

Franz Brungs: Die Zuschauer sind auf den Platz geströmt und wollten sich unbe­dingt ein echtes Sou­ve­nier sichern: Wir trugen damals so gol­dene Sei­den­blusen, die durch ihren Glanz richtig gut bei den Fans ange­kommen sind. Ein Fan hat richtig an meiner Brust gezogen und wollte es mir vom Leib reißen. Ich war dann froh, als ich in der Kabine war.

Was haben Sie damals als Sieg­prämie bekommen?

Franz Brungs: Ein Ban­kett mit Sepp Her­berger und 250 D‑Mark. Hat uns gereicht.