Klaus Allofs, was ist ein per­fekter Deal?
Den per­fekten Transfer gibt es nicht.

Warum denn nicht?
Ein aktu­elles Bei­spiel: Miro Klose. Natür­lich ist es schön, einen Spieler, der drei Jahre Top-Leis­tung gebracht hat, für deut­lich mehr Geld zu ver­kaufen als er ursprüng­lich gekostet hat. Aber wir haben mit ihm auch einen tollen Spieler ver­loren, den wir erstmal ersetzen müssen.

Dann beschreiben Sie doch einmal Ihre Utopie von einem Deal.
Ein Traum wäre es, einen Spieler, den man ablö­se­frei bekommen hat, und der in der Mann­schaft nicht Fuß fassen konnte, teuer weiter zu ver­kaufen, ohne, dass er der Kon­kur­renz wei­ter­hilft (lacht). Aber das wäre gemein.

Bayern Mün­chen hat im Früh­ling 10 Mil­lionen Euro für Miro Klose geboten. Nun haben Sie 15 Mil­lionen Ablöse für ihn bekommen. Respekt, Sie beherr­schen das Pokern.
Das hat wenig mit Pokern zu tun. Wir sind in der ange­nehmen Situa­tion, nicht auf jeden Euro ange­wiesen zu sein. Ursprüng­lich waren wir uns einig, Miro nur im Aus­nah­me­fall gehen zu lassen, etwa wenn er ein Angebot aus dem Aus­land annehmen möchte. Auch die Bayern wussten das.

Aber ein ver­bes­sertes Angebot hat Sie letzt­lich umge­stimmt?
Nein, vor allem die ver­än­derte Situa­tion in den letzten Wochen. Anfang Mai hat Miro bekannt gegeben, dass er seinen Ver­trag bei uns bis 2008 erfüllen will. Wenn er dabei geblieben wäre, hätte es nie eine ein­zige Ver­hand­lung mit dem FC Bayern gegeben.

Was hat diese Vor­aus­set­zungen ver­än­dert?
Irgend­wann kam von ihm der Vor­stoß, dass er doch wech­seln wolle. Diese Bitte hat er mehr­fach wie­der­holt. Dann kamen diese uner­freu­li­chen Gerüchte aus seinem Pri­vat­leben – völlig aus der Luft gegriffen. Wir fingen an, uns Gedanken zu machen. Als dann die Bayern ein ver­bes­sertes Angebot vor­legten, haben wir uns letzt­lich so ent­schieden.

Hätten Sie ihn unter diesen Vor­aus­set­zungen nicht auch für 10 Mil­lionen gehen lassen müssen?
Auf keinen Fall.

Aber bringt ein Spieler, der weg will und sich unwohl fühlt, noch Leis­tung, wenn Sie ihn unter Zwang halten?

Ich bin mir sicher, wir hätten das hin­be­kommen, dafür kennen wir Miro lange genug. Glauben Sie mir, wir wissen, wann man einen Spieler abgeben sollte oder wann es sich lohnt, ihn zu halten.

Wie sehr zerrt so ein Klose-Transfer an Ihren Nerven?
Leicht war er nicht, weil die Dis­kus­sionen im Vor­feld sehr viel Energie gekostet haben. In der Durch­füh­rung war er letzt­lich simpel, weil wir mit den Ver­ant­wort­li­chen von Bayern Mün­chen zu tun hatten und nicht mit unbe­kannten Rech­te­inha­bern oder Bera­tern aus dem Aus­land.

Das heißt, ein Anruf in Mün­chen und die Sache war gere­gelt.
So unge­fähr. Es gab zwei Tele­fo­nate mit Uli Hoeneß im Mai. Dann war vier Wochen lang Funk­stille. Irgend­wann spitzte sich die Situa­tion zu, und er fragte noch einmal, ob wir uns treffen können. Dann gab es das Mee­ting am Bremer Flug­hafen und die Sache war erle­digt.

In wel­cher Atmo­sphäre spielt sich so ein geheimes Treffen in einer Flug­hafen-Lounge ab?
Es hängen weder die Lampen tief, noch steigen Rauch­schwaden auf. Wir sitzen oft mit den Bayern zusammen, und Klose war auch nicht der erste Transfer eines Spie­lers von Bremen nach Mün­chen. Kurz: Wir pflegen eine seriöse und anstän­dige Zusam­men­ar­beit, bei der keine Seite ein Poker­face auf­setzen muss. Es geht nur noch darum, für die unter­schied­li­chen Vor­stel­lungen einen gemein­samen Nenner zu finden.

Mal kon­kret: Treffen Sie sich zum Essen, trinken eine Fla­sche Wein und bespre­chen dabei die letzten Details?
Uli Hoeneß und ich – wir müssen beide abnehmen. Des­halb wird nichts mehr gegessen, nur noch stilles Wasser getrunken.

Und nach Ver­trags­un­ter­zeich­nung auch kein Glas Cham­pa­gner?
Ganz ehr­lich, mir war nicht nach Feiern zumute, weil Miro uns ver­lässt. Aber der Fuß­ball ist Ver­än­de­rung. Selbst Thierry Henry ver­lässt Arsenal – wer hätte das gedacht?

Torsten Frings hat sich in der Bild-Zei­tung lange vor dem Wechsel zum Thema Klose geäu­ßert: Er solle halt gehen, wenn er weg wolle. Ist so ein Kom­mentar in einer Situa­tion, in der Sie einen Spieler eigent­lich halten wollen, nicht kon­tra­pro­duktiv?
Es gibt bei uns keine festen Regeln, wer wann etwas sagen darf. Der Verein ver­langt gerade von Torsten Frings sehr viel. Dann müssen wir ihm auch zuge­stehen, dass er seine Mei­nung zu Dingen äußert, die im Verein pas­sieren. Aber Torsten hat das natür­lich nicht in unserem Auf­trag gesagt.

Dabei sitzt Frings im Por­zel­lan­laden. Schließ­lich hat er vor kurzem mit einem Wechsel zu Juventus gelieb­äu­gelt.
Torsten hat einen neuen Ver­trag unter­schrieben und steht 100-pro­zentig in der Ver­ant­wor­tung für Werder. Was vorher war, ist völlig egal.
Wären Sie manchmal gerne in der Rolle von Uli Hoeneß? Wenn ich eine Ant­wort auf diese Frage gebe, die Raum für Spe­ku­la­tionen bietet, ist das schlecht. Des­halb sage ich: Nein, wäre ich nicht!

Gibt es denn einen Manager, der für Sie Vor­bild­funk­tion genießt?

Als Spieler hatte ich schon keine Idole. Damals waren für mich Leute wie Reiner Geye oder Dieter Herzog Vor­bilder. Leute, die ich traf, wenn ich auf den Trai­nings­platz mar­schierte. Und so ist es auch jetzt: Es gibt viele Manager, die gute Sachen machen und mich inspi­rieren. Inso­fern ist Uli Hoeneß ein abso­lutes Aus­hän­ge­schild für unseren Berufs­zweig. Er ist erfolg­reich, hat wie kaum ein anderer bei der Ent­wick­lung des FC Bayern mit­ge­wirkt und ist, mit kleinen Aus­nahmen – wie dem Treffen mit Miro Klose im April in Han­nover –, immer zuver­lässig.

Gönnen Sie Hoeneß, dass er vor dieser Saison richtig tief in die Tasche greifen konnte und für Spie­ler­trans­fers das Fest­geld­konto des FC Bayern plün­dern darf?

Wir spielen in der Bun­des­liga kein Mono­poly, wo alle Mit­spieler vor der Saison das gleiche Start­ka­pital erhalten. Bayern hat andere Mög­lich­keiten als wir, und es macht die Liga inter­es­sant, wenn hier dem­nächst Franck Ribéry und Luca Toni spielen. Aller­dings haben die Ein­käufe des FC Bayern für uns den Nach­teil, dass durch die Inves­ti­tionen die Preis­spi­rale für Neu­ein­käufe nach oben geht.

In einem aktu­ellen Ran­king hat dafür der SV Werder, was die Bonität der Bun­des­li­ga­ver­eine anbe­trifft, den FC Bayern über­holt.
Ich glaube keiner Sta­tistik, wenn ich sie nicht selbst gefälscht habe. Tat­sache ist, dass Bayern Mün­chen sehr viel rei­cher ist als Werder Bremen – und das wohl auch immer bleiben wird.

Wo sehen Sie den SV Werder denn, gemessen an den Eli­te­klubs der Bun­des­liga, wirt­schaft­lich?
Auch Borussia Dort­mund, der HSV, Schalke 04 oder der VfB Stutt­gart haben durch ihr Umfeld oder das Sta­dion viel bes­sere Vor­aus­set­zungen als wir. Wenn der VfB Meister wird, steigt sofort Daimler wieder ins Spon­so­ring ein. Wenn es läuft, geht es diesen Ver­einen viel schneller als uns sehr, sehr gut.

Warum hat Werder Bremen trotz kon­stanten Erfolgs immer noch diesen Wett­be­werbs­nach­teil?
Weil die Stadt und das Umfeld nicht über Firmen mit großer Wirt­schafts­kraft ver­fügt, und wir auch kein Sta­dion mit einer Kapa­zität von 80 000 Zuschauern besitzen wie Borussia Dort­mund.

Macht Ihnen bei Trans­fers auch die schwache Infra­struktur zu schaffen?
Nein, ein Spieler, der um jeden Preis in einer Metro­pole leben muss, der ist sowieso nicht der Rich­tige für uns.

Müssen Sie Top-Spie­lern vor einem Wechsel noch ver­kli­ckern, dass Werder ein Sprung­brett zu inter­na­tio­nalen Spit­zen­klubs ist?
Nein. Pizarro, Frings, Ailton, jetzt Klose. Jeder weiß, von Bremen aus geht es nach ganz oben. Dass Bremen keine End­sta­tion sein muss, das wissen die Spieler, die hierher kommen. Aber hier können sie sich so ent­wi­ckeln, dass sie in die Natio­nal­mann­schaft kommen und in der Cham­pions League spielen. Und man kann bei uns inzwi­schen auch sehr gut ver­dienen – wenn auch nicht so gut wie bei Bayern Mün­chen.

Wie nahe geht Ihnen der Weg­gang eines Spie­lers, der beim SV Werder zum Star wird?

Natür­lich schmerzt es, wenn sich ein Spieler aus finan­zi­ellen Gründen von uns trennt. Aber in meiner Posi­tion muss ich in der Lage sein, schnell wieder zur Tages­ord­nung über­zu­gehen.

Wie geht das? Ver­fahren Sie nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn?
Es gibt im Mana­ger­beruf zwar keinen Medi­zi­ner­schwur, aber für meine Kol­legen aus der Geschäfts­füh­rung und mich steht eines über allem anderen: das Wohl des Ver­eins. Und dem müssen wir auch Per­so­na­lien unter­ordnen. Beim Klose-Transfer wurde ich gefragt, wie es mit Miro in Mün­chen nun wei­ter­gehe. Da habe ich gesagt: Das ist nicht mehr mein Pro­blem.“ Es belastet mich auch nicht. Aber natür­lich schauen wir genauer hin, wie es mit Spie­lern wei­ter­geht, wenn sie uns ver­lassen. Bisher habe ich bei Spielen des FC Bayern beson­ders auf Claudio Pizarro geachtet, denn auch er bleibt ein Stück­weit immer unser“ Spieler.

Hätten Sie erwartet, dass Claudio Pizarro nach den etwas miss­glückten Jahren beim FC Bayern noch mal bei einem Spit­zen­klub wie dem FC Chelsea unter­kommt?
Warum nicht? Claudio hat bei Bayern eigent­lich die meiste Zeit unter Wert gespielt. Wenn er bei uns geblieben wäre, hätte die Öffent­lich­keit viel­leicht eine höhere Mei­nung von ihm als Stürmer.

Claudio Piz­zaro hätten Sie schon gerne behalten, oder?
Es ist immer ärger­lich, wenn wir eine Mit­schuld tragen, dass ein Spieler uns ver­lässt: Bei Pizarros Ver­pflich­tung mussten wir das Zuge­ständnis machen, ihn für eine fest­ge­schrie­bene Ablö­se­summe ziehen zu lassen. Die hat Bayern gezahlt.

Welche Neu­ver­pflich­tung des FC Bayern tut Ihnen aus der jet­zigen Per­spek­tive am meisten leid?
Sie können nicht von mir erwarten, dass ich dazu etwas sage. Nur soviel: Ein Spieler kann noch so gut sein, wenn er sich in der Gruppe nicht durch­setzen kann, hat er schlechte Karten. Des­wegen kann nie­mand vor­aus­sagen, wie sich das neue Team von Bayern Mün­chen sor­tiert. Der Kader hat völlig neue Fix­punkte, ver­gli­chen zur letzten Saison.

Wel­cher Bereich Ihres Jobs macht Ihnen eigent­lich beson­ders Spaß?
Inter­views nach einem Sieg zu geben (lacht).

Und wel­cher fällt Ihnen eher schwer?
Wenn ich einem Spieler mit­teilen muss, dass er keinen neuen Ver­trag mehr erhält. Stellen Sie sich vor, Sie müssen so was einem Spieler sagen, der große Ver­dienste für den Verein geleistet hat. Ich erin­nere mich gut an die Gespräche mit Andi Herzog, Dieter Eilts, Frank Ver­laat oder zuletzt mit Andreas Reinke.

Da hat auch ein cle­verer Manager einen Kloß im Hals.
Früher schon, inzwi­schen habe ich etwas Rou­tine bekommen. Aber natür­lich ist es schöner, einem Spieler einen neuen Ver­trag anzu­bieten und der ant­wortet: Oh, soviel habe ich gar nicht erwartet.“

Kommt das vor?
Heut­zu­tage leider nicht mehr (lacht).

Sind Sie mit allen Spie­lern per Sie?
Nein, aber wir pflegen hier einen lockeren Umgangston. Mit Torsten Frings und Frank Bau­mann, die schon lange hier sind, bin ich zum Bei­spiel per Du. Wichtig ist, dass die alle wissen, wo die Grenze ist.

Geben Sie auch Spie­lern, deren Leis­tungs­kurve nach unten zeigt, auf­grund Ihrer inte­gra­tiven Fähig­keiten oder der sozialen Kom­pe­tenz inner­halb der Gruppe einen neuen Ver­trag?
Nein, ein Pro­fi­klub braucht kein Mann­schafts­mas­kott­chen, das unheim­lich gut Team­a­bende orga­ni­siert, aber im Trai­ning jeden Ball ver­liert.


Wie ist bei der Füh­rung der Mann­schaft eigent­lich die Auf­ga­ben­tei­lung zwi­schen Thomas Schaaf und Ihnen?

Ist er der gute Cop und Sie der böse? Das wech­selt. Wenn ich Spie­lern mit­teilen muss, dass ihr Ver­trag nicht ver­län­gert wird, bin ich der böse. Wenn aber einer bei einem Spiel aus dem Kader fliegt, kann ich auch aus­glei­chend wirken und ein paar trös­tende Worte spre­chen. Dann ist der Trainer der bad Cop.

Sie haben mit Schaaf Anfang der 90er noch drei Jahre zusammen gespielt. War er damals schon so wort­karg?
Er hat sich nicht groß­artig ver­än­dert, eine Quas­sel­strippe war er nie. Aber Sie täu­schen sich, wenn Sie ihn für einen Schweiger halten. In wich­tigen Dingen kann er sich stets Gehör ver­schaffen. Aber er spricht eben nicht um des Redens willen.

Schaaf war nicht unbe­dingt ein Füh­rungs­spieler. Hätten Sie ihm eine Kar­riere als Spit­zen­trainer zuge­traut?
Bemer­kens­wert war, dass er schon damals eine kon­krete Vor­stel­lung hatte, was nach seiner Kar­riere pas­sieren soll: Er wollte immer den Trai­ner­beruf in Wer­ders Jugend­ab­tei­lung von der Pieke auf lernen. Das zeichnet ihn aus. Er ist ein akri­bi­scher Arbeiter, ein abso­luter Fach­mann und hat des­halb auch das nötige Quänt­chen Glück gehabt.

Ist die Arbeit von Thomas Schaaf stark von der Otto Reh­ha­gels geprägt?
Das lässt sich nicht ver­meiden. Thomas Schaaf hatte nie einen anderen Pro­fi­trainer als Otto. Und auch ich habe in Düs­sel­dorf und Bremen ins­ge­samt vier­ein­halb Jahre unter ihm trai­niert.

Die größte Stärke von Reh­hagel?
Sein Umgang mit Spie­lern. Otto hat zwar immer viel vom Team ver­langt, aber nie die mensch­liche Kom­po­nente ver­gessen. Und er hatte die Fähig­keit, genau zu erkennen, was nötig ist, um eine Mann­schaft zu ver­bes­sern.

Ist Thomas Schaaf ein Freund von Ihnen?
Bei der Zeit, die wir mit­ein­ander ver­bringen, muss man sich respek­tieren und Ver­trauen zuein­ander haben. Aber unsere Fami­lien fahren nicht gemeinsam in den Urlaub.

Was bedeutet in Ihrem Fall gegen­sei­tiges Ver­trauen?
Ein Bei­spiel: Wenn Thomas von einem Spieler total über­zeugt ist, glaube ich ihm. Umge­kehrt ist es genau so.

Haben Sie schon mal eine Ver­pflich­tung gegen den Willen des Trai­ners durch­ge­boxt?
Nein, aber oft ist es so, dass die Begeis­te­rung für einen Spieler beim anderen erst wachsen muss.

Bei wel­cher Ver­pflich­tung waren Sie sich von Anfang an einig?
Ent­gegen der öffent­li­chen Mei­nung waren wir beide von Anfang an davon über­zeugt, dass Miro Klose uns wei­ter­helfen kann.

Was können Schaaf und Sie im Team besser als Felix Magath beim VfL Wolfs­burg als Manager und Trainer in Per­so­nal­union?
Wenn Trainer und Sport­ma­nager gut zusam­men­ar­beiten, ist die Ver­ant­wor­tung ver­teilt. Sollte eine Posi­tion einmal neu besetzt werden müssen, ändert das nicht gleich das Kon­zept des Klubs. Aber, mal ehr­lich, auch Felix Magath zieht da keine One-Man-Show ab. Kein Mensch ist in der Lage, sich gleich­zeitig um einen 24-Mann-Kader, Trans­fers, Scou­ting und die Spiel­vor­be­rei­tung zu küm­mern.

Ihre Scou­ting­ab­tei­lung genießt einen her­vor­ra­genden Ruf. Was unter­scheidet einen guten von einem schlechten Scout?
Ein schlechter Scout reist nicht gerne.

Mehr nicht?
Wie wichtig ist das gute Auge? Natür­lich, ein guter Scout erkennt, wel­cher Spieler in unsere Mann­schaft passen könnte. Er gibt Denk­an­stöße, schafft Kon­takte, gibt Rat­schläge.

Wie läuft ein Scou­ting beim SV Werder kon­kret ab? Geben Sie als Manager Vor­gaben, wie: Ich brauche einen Flü­gel­spieler, Linksfuß, EU-Bürger, bis 25 Jahre“?
Nein, wir haben kein Schema‑F, nach dem ges­coutet wird. Unsere Chef­scouts Hune Fazlic und Kalli Kamp sehen viele Spiele und wissen auf welche Posi­tionen wir beson­deres Augen­merk legen. Sie geben Emp­feh­lungen ab, dann folgt Fleiß­ar­beit: Bei uns kommt kein Spieler in die engere Aus­wahl, den wir nicht minimum drei Mal gesehen haben.

Es gibt umfas­sende Scou­ting-Soft­ware. Hängen Sie viel vor dem Rechner?
Die Pro­gramme laufen auch bei mir. Wenn ein Spieler inter­es­sant erscheint, sehe ich mir dort seine Daten an. Aber ich gebe nicht bestimmte Kri­te­rien in die Such­maske ein und warte gespannt, was das Pro­gramm aus­spuckt.

Klaus Allofs, Sie sagten, für Top­spieler muss der SV Werder nicht End­sta­tion sein. Wie sieht das der Top-Manager Allofs?
Ich träume nicht davon, Manager von Real Madrid zu werden. Theo­re­tisch wäre für mich ein Enga­ge­ment in Frank­reich vor­stellbar, weil ich aus meiner Zeit als Spieler das Land und die Sprache kenne. Aber solange ich hier eine Auf­gabe habe, bei der ich etwas bewegen kann und mit Men­schen zu tun habe, die mir ver­trauen, bin ich sehr zufrieden. Mal sehen, wie lange es noch so wei­ter­geht.

Mit anderen Worten: Das Kapitel Werder ist auch für Sie über­schaubar.
Im Fuß­ball kann nie­mand mit Sicher­heit sagen, dass er ewig an einer Sta­tion bleibt. Auch Thomas Schaaf wird hier nicht ewig Trainer sein. Ich schließe aber nicht aus, dass wir beide hier noch sehr lange wei­ter­ma­chen.

Wo sehen wir den SV Werder am Ende dieser Spiel­zeit?
Ich hoffe, auf dem 1. Platz der Bun­des­li­ga­ta­belle.

Spek­ta­ku­läre Ein­käufe haben Sie noch nicht ver­meldet. Besser als im letzten Jahr wird es – zumin­dest in der Cham­pions League – für Sie wohl nicht laufen.
Aber auch nicht schlechter. Die Mann­schaft ist gefes­tigter und viel­leicht hat sie diesmal das Glück, in der Vor­runde nicht gleich auf den FC Bar­ce­lona und den FC Chelsea zu treffen.

Wann haben eigent­lich Sie das letzte Mal vom Fall Miroslav Klose geträumt?
Geträumt noch nie.

Aber das Thema nach Büro­schluss in Gedanken mit nach Hause genommen?
Natür­lich. Wenn ich abends die Geschäfts­stelle ver­lasse, nehme ich nicht nur meine Akten­ta­sche mit. Werder Bremen ist immer prä­sent. Nicht nur, weil meine Kinder danach fragen oder einer Ihrer Kol­legen meint, mich auch nach 22 Uhr noch anrufen zu müssen…