Seite 4: „Heri ist gar nicht der kalte Funktionär“

Heri­bert Bruch­hagen, stimmt es, dass Sie bei man­chen Spielen die Schluss­mi­nuten in den Kata­komben ver­folgen, weil sie die Span­nung auf der Tri­büne nicht aus­halten?
Veh: Er geht runter in unsere Kabine, weil er nichts mehr hören will.
Bruch­hagen: Ich halte mir dann die Ohren zu und denke: Jetzt muss Schluss sein.“ Und dann kommt der Erste rein und an der Mimik erkenne ich, wie das Spiel aus­ge­gangen ist. Aber jetzt hören Sie bitte auf, wir müssen das nicht hoch­sti­li­sieren, so was mache ich höchs­tens ein, zwei Mal im Jahr.

Vorhin haben wir die Gefühls­du­selei rein­ge­bracht, jetzt waren Sie es.
Veh: Sehen Sie, er ist gar nicht der kalte Funk­tionär.

Sie als Ober­schwabe kommen ganz gut mit dem knor­rigen Ost­west­falen zurecht.
Veh: Meine Frau ist Schwei­zerin. Ich komm’ ja sogar mit der zurecht. (Lacht.)
Bruch­hagen: Also die Gefühls­du­selei werde ich Ihnen bei der anschlie­ßenden Auto­ri­sie­rung eh raus­strei­chen, aber Armin und ich haben in den drei Jahren unserer Zusam­men­ar­beit eine Bezie­hung ent­wi­ckelt, die weit über das Sport­liche hin­aus­geht. Wir reden auch über Dinge außer­halb des Fuß­balls.

Zum Bei­spiel?
Bruch­hagen: Politik. Armin ist kon­ser­vativ, ich um Libe­ra­lität bemüht.

Armin Veh ist kon­ser­vativ?
Veh: So ein Quatsch. Also manchmal haut er mir Dinger rein. (Lacht.) Wenn ich meinen Kin­dern bei­bringe, dass man Schwä­cheren helfen muss, bin ich schon kon­ser­vativ. Na, von mir aus.

Haben Sie – außer Armin Veh – eigent­lich einen Lieb­lings­trainer gehabt?
Veh: Fried­helm Funkel.

Inter­es­sant, vorhin hat Heri­bert Bruch­hagen für Sie geant­wortet, nun ant­worten Sie für ihn.
Veh: Stimmt. Wir sind schon wie ein altes Ehe­paar.

Haben Sie beide das Thema Titel abge­hakt?
Bruch­hagen: Wieso? Wir sind doch Stadt­meister geworden und haben den Frank­furt Main Finance Cup“ gewonnen. Ein rie­siger und schwerer Pokal. Den könnten Sie gar nicht heben.

Und den Tor­schüt­zen­könig haben Sie auch in Ihren Reihen.
Bruch­hagen: Lachen Sie nur, aber dass Alex Meier so erfolg­reich ist, ist mit das Schönste, was ich hier erlebt habe. Der Alex war hier längst nicht immer so wohl­ge­litten. Dabei ist er ein echter Cha­rakter. Kein Showman, der würde nie im Leben einen Elf­meter schinden und der ist bescheiden. Den habe ich vor elf Jahren auf Anraten von Willi Rei­mann oben aus der Heide hierher geholt. Und nun wird er gegen Ende seiner Kar­riere Tor­schüt­zen­könig. Das sind Geschichten, die mich moti­vieren, diesen Job zu machen.

Armin Veh, Sie sagten im Jahr 2014, Sie würden gern nochmal Deut­scher Meister werden.
Veh: Dazu stehe ich auch noch. Genauso wie zu meiner Aus­sage, dass ich dem geg­ne­ri­schen Trainer nicht mehr so oft zum Sieg gra­tu­lieren will.

Aber wenn Bruch­hagen Recht hat und die Ein­tracht bis auf Wei­teres zwi­schen Platz sieben und 14 landet, werden Sie wieder vielen Trai­nern gra­tu­lieren müssen. Oder wird diese Saison alles anders?
Veh: Das wün­schen sich ja alle meine Kol­legen. Gerade bei den Tra­di­ti­ons­klubs. Aber wenn alle die glei­chen Ziele haben, ist klar, dass es nicht klappen kann.
Bruch­hagen: Im Kicker“-Sonderheft geben alle Ver­eine ihr Sai­son­ziel an. Da ist das durch­schnitt­liche Ziel Platz sieben. Die Fast-Absteiger wollen ins Mit­tel­feld, die Europa-League-Teams in die Cham­pions League. Alle Ver­eine wollen drei Plätze weiter nach vorne. Das führt dazu, dass von 18 Mann­schaften zwölf ihre Ziele nicht errei­chen. Und bei sieben dieser zwölf wird der Trainer ent­lassen. Das wird auch in dieser Saison wieder pas­sieren.

Der Fuß­ball ist eben ein Geschäft mit Träumen.
Veh: Das muss auch so sein. Ich will keine zemen­tierte Liga, ich möchte träumen. Wenn wir in den nächsten zehn Jahren immer Elfter werden, wäre es für den Verein wirt­schaft­lich in Ord­nung, aber nicht für mich.

Viel­leicht birgt es ja eine Chance, wenn Heri­bert Bruch­hagen nächstes Jahr zurück­tritt.
Veh: Genau. Dieses Jahr muss ich noch über­stehen, dann schießen wir durch die Decke. (Lacht.)
Bruch­hagen: Und ich werde Jour­na­list oder ver­kaufe Staub­sauger.